Rechtsextreme Party ohne KC-Auftritt

Die Geburtstagsfeier eines Anhängers der rechten Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC) im Kreis Heinsberg musste am vergangenen Samstag ohne das angekündigte Konzert der Band stattfinden.

Dienstag, 02. Mai 2017
Michael Klarmann

Geplant war die Feier inklusive Live-Auftritte der Band in Hückelhoven-Baal im Clubhaus der Rocker des „Outlaws MC Heinsberg“. Nachdem das wenige Tage zuvor bekannt geworden war, erließ die Stadtverwaltung eine Verbotsverfügung gegen das Konzert, nicht aber gegen die Feier selbst. Das Verbot wurde laut einer Sprecherin der Stadt nach einer Klage eines für das Haus der Rocker zuständigen Mannes vor dem Verwaltungsgericht Aachen auch bestätigt. Begründet worden war es mit einer befürchteten Gefahr für die Sicherheit und Ordnung.

Die Geburtstagsfeier von Patrick G., genannt „Ricky“ respektive „Keule“ und Mitorganisator von extrem rechten Aufmärschen in seinem Wohnort Linnich (Kreis Düren) sowie Erkelenz (Kreis Heinsberg), konnte daher nur ohne KC-Auftritt stattfinden. Die Polizei kontrollierte an allen Ortseinfahrten dennoch Fahrzeuge mit mutmaßlichen Besuchern der Feier, die aus der Region und verschiedenen Teilen Deutschlands anreisten. Auch der PKW-Tross um KC-Sänger Hannes Ostendorf und Stefan „Ernie“ B. geriet in die Kontrollen. Später feierten sie zwar mit Rockern, Glatzköpfen in T-Shirts der Band, Hooligans und Rechtsextremisten gemeinsam „Keule’s Ehrentag“, doch KC-Songs sollten allenfalls von Tonträgern abgespielt werden.

Neuer Anziehungspunkt für rechtsextreme Konzerte

Der Auftritt von KC wäre im Raum Heinsberg der dritte binnen eines Jahres gewesen. In einer ehemaligen Gaststätte mit Saal, die in Heinsberg als Partyraum vermarktet wird, fand am 4. Juni 2016 eine „Record Release Party“ der Band statt. Mehrfach hatten KC seit 2007 Konzerte für den „Raum Aachen“ beworben. Immer wurden diese aus Angst vor polizeilichen Verboten grenznah in Belgien oder den Niederlanden durchgeführt. Dass der Auftritt im Juni 2016 dann erstmals tatsächlich auf der deutschen Seite im Grenzland stattfand, wurde als Machtprobe der Band und deren Umfeld angesehen. Bei den „Outlaws“ in Baal hatten Musiker von KC dann im September 2016 gastiert.

Der zwischen Aachen und Mönchengladbach liegende Kreis Heinsberg entwickelt sich zu einem neuen Anziehungspunkt für Konzerte und Partys mit Live-Musik von Neonazis und Hooligans. So gab es schon am 5. November 2016 das „Lichtbringer-Festival“ in einer Bürgerhalle in Heinsberg. Die Veranstaltung war professionell und höchst konspirativ organisiert worden. Angekündigt worden waren die ostdeutschen Rechtsrock-Bands „Frontalkraft“, „Brainwash“und „Flak“ aus dem Rheinland. Eine ähnlich konspirativ vorbereitete „Party für Deutsche!“ mit dem Auftritt des Neonazi-HipHoppers „Makss Damage“ fand schon am 5. September 2015 in Heinsberg in dem Partyraum statt, in dem auch KC später noch gastierten.

Am Sonntag sollten KC im „Firm-Club“ im italienischen Verona mit zwei weiteren Bands auftreten (bnr.de berichtete), die zum Teil ebenso Bezüge zur extrem rechten Szene haben. Sänger Hannes Ostendorf kann derweil einen juristischen Erfolg verbuchen. Laut „Weser-Kurier“ hob das Landgericht Verden Ende vergangener Woche ein erstinstanzliches Urteil wegen Urheberrechtsverletzung auf. Hintergrund war die Veröffentlichung von Fotos von angeblichen Gewalttätern unter linken Ultras auf dessen Facebook-Profil. Da neben Ostendorf mehrere Personen Zugriff auf das Profil hatten, kippte das Landgericht Verden die Geldstrafe des Amtsgerichts Osterholz-Scharmbeck.

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