von Tim Mönch
   

Rechtsextreme Kinderfeste: Hüpfburg, Geschenke und braune Spielkameraden

Im mittelsächsischen Döbeln fand Sonntagnachmittag ein rechtsextremes „Kinder- und Familienfest“ statt. Eingeladen hatte die JN-Kampagne „Jugend packt an“. Neben mehreren Familien waren auch lokale NPD-Kader und Szenegänger anwesend. Zur gleichen Zeit traten Aktivisten vom Dritten Weg auf einem öffentlichen Familienfest in Chemnitz auf den Plan.

Neonazis & Hüpfburgen, Fotos: Tim Mönch

Zu der Veranstaltung in Döbeln hatte die Kampagne „Jugend packt an“ der Jungen Nationalisten aufgerufen, Stefan Trautmann bewarb die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite. Der vorbestrafte NPD-Kreisrat machte zuletzt Schlagzeilen, als er an der „Platzhirsch“-Aktion der NPD-Jugend teilnahm und sich dafür eine Verurteilung wegen Hausfriedensbruchs einhandelte. Dass der lokale Stadtrat als eine Art „Schirmherr“ des Festes auftrat, verwundert kaum. Schließlich versucht die NPD schon seit Langem, Kommunalpolitiker mit dieser Strategie örtlich zu verankern und bekannt zu machen.

Einschlägige Unterstützung aus Thüringen

Außerdem hatte die Initiative „Ein Volk hilft sich selbst“ der sogenannten Bürgerbewegung „Wir lieben Sachsen/ Thügida“ auf ihrer Facebookseite ihre Unterstützung angekündigt. Vor Ort zeigte sich dies in Person des langjährigen Leipziger Neonazis Alexander Kurth, der eine der Schlüsselpersonen bei dem fremdenfeindlichen Protestnetzwerk darstellt.

In der jüngeren Vergangenheit war „Jugend packt an“ bereits mehrfach in Döbeln aktiv. So säuberten sie regelmäßig einzelne Flächen im Ort oder entfernten Aufkleber im Umfeld des soziokulturellen Zentrums „Treibhaus“. Die Aktionen wurden öffentlichkeitswirksam auf Facebook nachbereitet, um sich als sozial engagierter Kümmerer darzustellen.

Das Kinderfest dürfte mit der gleichen Intention durchgeführt worden sein. So will sich die NPD nach ihren immer schlechteren Wahlergebnissen wohl wieder als seriöse, familienfreundliche Partei zeigen, einen Rückhalt in der Gesellschaft finden und neue Wähler gewinnen. Gerade die Kommunalpolitik ist für die NPD wichtig, da sie auf Landes- und Bundesebene keine Erfolge mehr verbuchen kann, aber wie im Falle Döbeln immer noch Sitze in Stadträten und Kreistagen hat.

Dass der Plan zumindest lokal aufgehen könnte, zeigte sich an den anwesenden Personen: Neben dem typischen Publikum in rechtsextremer Kleidung, nahmen auch Eltern und Kinder teil, die weniger szenetypisch auftraten, zudem gab es eine Hüpfburg und Gewinnspiele, oder man lauschte Disney-Klassikern. An dem politischen Hintergrund der Veranstaltung störte man sich vor Ort scheinbar nicht.

Störend waren für sie hingegen die anwesenden Pressevertreter. Nachdem einige Teilnehmer der Veranstaltung auf sie aufmerksam wurden, versuchten sie die Dokumentation durch ein aggressives Auftreten zu verhindern.

Rechtsextreme auch in Chemnitz auf Kinderfest

Währenddessen versuchten Aktivisten des örtlichen Ablegers vom Dritten Weg, sich auf einem Familienfest in Chemnitz ins Gespräch zu bringen. Eigenen Aussagen zufolge verteilten die Neonazis Geschenke und Werbematerial an die Festbesucher und sammelten Unterschriften für eine Wahlteilnahme zur Europawahl. Ein heikles Thema für die rechtsextreme Kleinstpartei, schließlich behält sie ihr Parteienprivileg nur, wenn sie auch an Wahlen teilnimmt.

Trotz der niedrigen Teilnehmerzahl ist es als Warnsignal zu verstehen, wenn sich rechtsextreme Parteien inmitten einer Stadt ohne Widerspruch inszenieren können. Besonders wenn dabei Kinder mit rechtsextremer Ideologie indoktriniert werden und mit der lokalen Szene in Berührung kommen.

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