von Oliver Cruzcampo
   

Rechtsextreme Genossenschaft macht als Unternehmen weiter

In Mecklenburg-Vorpommern hatten Neonazis die wohl erste rechtsextreme Genossenschaft gegründet, Strukturen im Bereich von Immobilien sollten geschaffen werden. Zwar musste die Genossenschaft wieder aufgelöst werden – bereits seit Anfang des Jahres machen dieselben Kader unter neuen Vorzeichen weiter.

Der neue Sitz des Neonazi-Unternehmens MVSE in Klein Belitz, ein ehemaliger Dorfkonsum.

„Nicht eine Spezialeinheit der Polizei oder des Geheimdienstes beendeten die Träume der Neonazis von einem braunen Wirtschaftsnetzwerk im Norden, sondern ein Unternehmensberater aus Berlin“, so fasste ein vor knapp einem Jahr erschienener Artikel der Zeit die Situation im Norden zusammen. Die von Neonazis gegründete Genossenschaft musste nach kurzer Zeit wieder aufgelöst werden, denn ihr wurde die Mitgliedschaft in einem Prüfverband gekündigt. Und ohne diese kann eine Genossenschaft kaum tätig sein.

Aus „MVSE“ wird „MVSE Objektbetreuung“

Das Vorhaben legten die rechtsextremen Kader aus Mecklenburg-Vorpommern allerdings nicht zu den Akten. Anfang 2019 gründeten sie eine Kapitalgesellschaft, aus „Mecklenburg-Vorpommersche Strukturentwicklungs-Genossenschaft eG“ (MVSE) wurde die Unternehmergesellschaft „MVSE Objektbetreuung“.

Einen Hinweis auf die neuen Aktivitäten lieferte ausgerechnet der Verfassungsschutz. „Nachdem die Genossenschaft und der für sie zuständige Prüfungsverband Ende Juni 2018 ihre Zusammenarbeit beendet haben, musste sich die MVSE eine andere Rechtsform geben“, heißt es im aktuellen Bericht, der in den vergangenen Jahren eher selten neue Erkenntnisse zu Tage förderte.

Ein Blick in die entsprechenden Gesellschaftsverträge zeigt: Geändert hat sich neben der neuen Rechtsform wenig. Der vorherige Vorstand der Genossenschaft setzte sich aus dem in Jamel wohnhaften Tino Streif, dem ehemaligen JN-Kader Andreas Kolb und Andreas G. aus Rostock zusammen. In dem neuen Unternehmen sind insgesamt sieben Gesellschafter vertreten, Tino Streif ist erneut in führender Position vertreten, diesmal als Geschäftsführer. Dazu gesellen sich vor allem jahrelange Funktionäre der NPD: die ehemaligen Landtagsabgeordneten David Petereit und Stefan Köster, dessen ehemaliger Mitarbeiter Torgai Klingebiel, Andreas Kolb, Alf Börm und Sven Krüger. Alle sieben Männer waren bereits zuvor in der Genossenschaft aktiv.

Neue Geschäftsfelder

Auch die offiziell festgehaltenen Ziele, die „Schaffung, Verwaltung und Bewirtschaftung von Wohn- und Gewerberaum“ oder „die allgemeine Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Strukturentwicklung im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern“ wurden unverändert übernommen. Lediglich die Anschrift hat sich verändert: War zuvor der Sitz der Genossenschaft im Szene-Treffpunkt Thinghaus in Grevesmühlen angesiedelt, sitzt das neue Unternehmen nun in Klein Belitz bei Rostock.

Doch auch bei dem Objekt handelt es sich um eine bekannte Lokalität der rechtsextremen Szene, das immer wieder mit Vize-Landeschef Petereit in Verbindung gebracht wird. Der 38-Jährige hat dort ebenfalls den Sitz seines Unternehmens für Haushaltsauflösungen, auch Neonazi-Treffen haben dort in der Vergangenheit bereits mehrfach stattgefunden.

Rechtsextreme Aktivisten versuchen seit Jahren, neue Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern aufzubauen und Geschäftsfelder zu erschließen, eine Entwicklung, die auch aufgrund der seit Ende 2016 nicht mehr vorhandenen NPD-Landtagsfraktion vorangetrieben wird. Vor allem in der Bau- und Immobilienbranche versuchen Neonazis seit Jahren, sich festzusetzen und autark agieren zu können. Mitarbeiter werden „Kameraden“ und weitere Unterstützung kommt von Kleinstfirmen, hinter denen oft weitere bekannte Kader stecken.

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