von Oliver Cruzcampo
   

Rechte Szene schließt sich Demo in Schwerin an

Woche für Woche mobilisieren Personen aus dem Mvgida-Umfeld zu asylfeindlichen Demonstrationen. Am Sonnabend fanden sich rund 600 Teilnehmer in Schwerin ein, auch NPD-Kader und militante Kameradschaften sind wieder an Bord.

Protestiert werden sollte gegen die Asylpolitik Deutschlands, im Speziellen wird vor allem gegen Asylbewerber und deren Unterkünfte in der Region gehetzt. Für die Veranstaltung am Sonnabend konnten die Organisatoren mehr oder wenige bekannte Redner gewinnen, die zur Thematik informieren sollten. Das Problem: Keine der drei Personen stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, über die aktuelle Flüchtlingssituation dürften die Männer kaum Informationen haben.

Am Bahnhof eröffnete Jörg Hoyer den Reigen, der „Mann mit dem Hut“ ist Organisator der Legida-Märsche in Leipzig. Rund 600 Teilnehmer hatten sich zu dem Zeitpunkt vor dem Hauptbahnhof eingefunden, ein neuer Höchststand, den die Organisatoren genüsslich feierten. Vor zwei Wochen hatten sich auf der letzten großen Demonstration in Wismar nur halb so viele Anhänger eingefunden.

NPD wieder dabei

Das Bild, das sich am Samstagnachmittag dem Zuschauer bot, erinnerte stark an das Frühjahr. Zu der Zeit nannte sich die Gruppe noch Mvgida und setzte sich aus Wutbürgern, Neonazis und NPD-Kadern zusammen. Nachdem die Kritik lauter wurde, zerfiel die Gruppierung zunehmend und trat öffentlich nicht mehr in Erscheinung.

Nun mobilisieren neue Gruppen, wohl auch um anschlussfähiger zu sein, ließen sich anfangs bekannte Kader der rechtsextremen Szene kaum blicken, doch die Zurückhaltung ist spätestens seit vergangenem Wochenende verflogen. In den Trupp, der vom Bahnhof über den Markt Richtung Schweriner Schloss zog, reihten sich der NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs und seine Ehefrau Marianne ein, dazu gesellten sich weitere Kader wie Michael Grewe, Andreas Theißen, Torgai Klingebiel oder auch Antje Mentzel, Vorsitzende der Frauenorganisation „Ring nationaler Frauen“. Ebenso dabei waren laut der Recherchegruppe AST in etwa die Kameradschaft Bützow, die Freie Kameradschaft Wismar oder das Germanische Bollwerk Mecklenburg.

Vor dem Eingang der Staatskanzlei bauten sich die Teilnehmer schließlich zu ihrer zweiten und finalen Kundgebung auf, den Beginn machte Heiko Müller von der „Freiheitlichen Liga“, es übernahm mit Michael Stürzenberger der Bundesvorsitzende der rechten Splitterpartei Die Freiheit. Der vom Verfassungsschutz beobachtete Münchner tingelt seit Monaten von einer Demo zur nächsten und warnte auch in Schwerin von einer angeblich drohenden „Masseninvasion“ durch Muslime, die im Zuge der Flüchtlingsbewegungen nach Deutschland kämen. Stürzenberger begann seine Rede umgehend mit der Diffamierung der Medien als „Lügenpresse“, thematisch drehte es sich jedoch immer um den Islam, eine Religion, mit der die meisten Teilnehmer wohl bislang kaum Kontakt hatten. Der Islamhasser echauffierte sich gar darüber, dass in Seenot geratene Boote umgehend gerettet würden.

An einer Gegendemonstration nahmen einige Hundert Personen Personen teil, doch die Anhänger der „Deutschland wehrt sich“-Truppe waren ihnen an dem Tag zahlenmäßig überlegen. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass etliche über das Bundesland verteilte Aktivisten derzeit ehrenamtlich die Betreuung anreisender Flüchtlinge koordinieren und schlicht überfordert sind.


Ein sichtlich angetrunkener Neonazi folgte der Demo auf seine Art

Anmelder der rechten Demo, Torsten Schramke, und sein Unterstützer David Bühring haben während der Mvgida-Märsche Kontakte in die Szene knüpfen können und bauen nun darauf auf. Auffällig oft wird der Kontakt zu Kadern gesucht; der Hamburger NPD-Landesvorsitzenden Thomas Wulff bietet Hilfe an, der Landesorganisationsleiter der NPD Mecklenburg-Vorpommern, Michael Grewe, gibt Tipps und auch der auf etlichen Demos mitlaufende AfD-Mann Jens Schneider beratschlagt sich gerne mit den Organisatoren.

Drei Demos kommendes Wochenende

Die Asylfeinde haben Blut geleckt, die Schlagzahl der Demos und Kundgebungen wird seit Wochen hoch gehalten. So gibt es bereits am Montagabend die nächste asylfeindliche Demo in Boizenburg – in unmittelbarer Nähe einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Am Wochenende soll es in Stralsund, Demmin und Wismar gleich drei Aufmärsche geben.

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