Rechte Anschläge im Wochentakt?

Die extrem rechte Szene in Berlin-Neukölln intensiviert offenbar ihre Anschlagsserie. Die Zeiträume zwischen den Taten werden immer kürzer: Schon am zweiten Wochenende in Folge brennen Autos von politisch Aktiven in dem Berliner Bezirk.

Montag, 23. Januar 2017
Theo Schneider

Erneut brannten in der Nacht zu Montag im Berliner Bezirk Neukölln zwei Autos. Gegen 1.30 Uhr bemerkte eine Anwohnerin in der Gielower Straße im Stadtteil Britz den in Flammen stehenden Mercedes des Gewerkschaftsaktivisten Detlef Fendt. Er hatte sich mehrfach im Bezirk an Protesten gegen NPD-Veranstaltungen beteiligt, dabei seien sowohl er als auch sein Auto von den Rechtsextremisten mehrfach abfotografiert worden, so Fendt gegenüber dem „Tagesspiegel“. Die Feuerwehr löschte den Brand, ein davor geparkter BMW wurde durch die Hitzeeinwirkung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Etwa eine halbe Stunde später mussten Polizei und Feuerwehr erneut nach Britz ausrücken: In der Lauterberger Straße meldete eine Anwohnerin einen brennenden Ford. Er gehört dem Betreiber der Rudower Buchhandlung „Leporello“, die sich an der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“ beteiligt. Bei einer Veranstaltung in diesem Rahmen Anfang Dezember wurde der Neuköllner NPD-Kandidat Jens Irrgang an der Tür abgewiesen. Zehn Tage später wurden dann die Scheiben der Buchhandlung eingeworfen.

Innensenator Geisel bei Solidaritätskundgebung

Seit Monaten häufen sich in dem Berliner Bezirk rechtsmotivierte Angriffe. Im vergangenen Jahr zählte die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) mindestens 24 Anschläge, darunter Angriffe auf Wohnungen und Brandanschläge. Erst vergangenes Wochenende stand das Auto der Neuköllner Sozialdemokratin und Falken-Aktivistin Mirjam Blumenthal in Flammen. (bnr.de berichtete)

Mittlerweile erfolgen allerdings auch Reaktionen auf die Anschlagsserie. Am vergangenen Donnerstag solidarisierten sich rund 150 Menschen bei einer Kundgebung in der Britzer Miningstraße mit der betroffenen SPD-Politikerin nach dem Anschlag. Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) nahm daran teil und hielt eine Rede. Aufgerufen hatte dazu unter anderem die Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“, benannt nach dem Hufeisenviertel in Britz, die sich 2012 genau wegen solcher Angriffe im Ortsteil gegründet hatte. Am Freitagabend hatten sich zudem rund 50 Nazigegner spontan vor der Wohnung des ehemaligen Neuköllner NPD-Vorsitzenden Sebastian Thom versammelt, den sie für die Anschlagsserie verantwortlich machen. Thom fiel in der Vergangenheit mehrfach mit Gewaltdelikten gegen politische Gegner auf, zeitgleich mit der Haftentlassung des vorbestraften Neonazis im Mai 2016 seien die Angriffe losgegangen, sagen die Aktivisten.

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