„Recht auf die Deutsche Heimat“

Düsseldorf – Extrem rechte Russlanddeutsche wollen verstärkt der Splitterpartei „Bund für Gesamtdeutschland“ beigetreten sein. Jene Russlanddeutschen rufen zudem zu einer Kundgebung vor dem nordrhein-westfälischen Landtag auf.

Dienstag, 10. Juli 2012
Michael Klarmann

Die rechtsextreme Kleinstpartei „Bund für Gesamtdeutschland“ (BGD) mit Postfachanschrift in Düsseldorf versteht sich auch als Partei für die nach Ende des Zweiten Weltkrieges vertriebenen Deutschen. Bundesvorsitzender ist Horst Zaborowski, der lange auch als Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Landesverbandes des BGD amtierte. Einer Veröffentlichung in dem Parteiblatt „Unsere Deutsche Heimat“ zufolge ist Zaborowski im NRW-Landesverband nun jedoch nur noch stellvertretender Vorsitzender. Als Landeschef wurde demnach am 24. März bei einem BGD-Treffen in der Stadthalle in Bonn-Bad Godesberg Johann Thießen aus Hürtgenwald gewählt.

Der Russlanddeutsche Thießen war bei den Kommunalwahlen 2009 NPD-Kandidat im Kreis Düren und gehört ebenso umstrittenen Gruppierungen rechtsextremer, fremdenfeindlicher und teils antisemitischer Spätaussiedler an. Er fungiert als Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat’ der Deutschen aus Russland e.V.“ und ist aktiv im „Freundeskreis der Russlanddeutschen Konservativen“, der auch als „Russlanddeutsche Konservative“ und als Vereinigung „National-Konservative Deutsche aus Russland“ auftritt.

Alle genannten Organisationen halten Kontakte zu bekannten Holocaust-Leugnern und waren lange eng verwoben mit dem „Arbeitskreis der Russlanddeutschen in der NPD“. So gehörte Thießen 2008 zu den Rednern im Namen des Arbeitskreises auf dem NPD-Bundesparteitag in Bamberg. Andrej Triller aus Hattingen, langjähriger Vorsitzender des „Arbeitskreises der Russlanddeutschen in der NPD“ und ebenso wie Thießen Führungsfigur in dem unüberschaubaren Geflecht aus Gruppierungen rechtsextremer Russlanddeutscher, fungiert unterdessen im NRW-Landesvorstand des BGD als Beisitzer.

Revanchistische und antisemitische „Mahnwachen“

Triller und Thießen zeichnen auch verantwortlich für die Homepage „Volksdeutsche Stimme“, auf der rechtsextreme, antisemitische und verschwörungstheoretische Beiträge erscheinen. Thießen teilte dort mit, die „Russlanddeutschen Konservativen“ hätten lange nach einer Partei gesucht, die ihre Anliegen vertreten würde. Da Vertriebene und „Volksdeutsche“ aus Russland vieles gemeinsam hätten, habe man sich nun dem BGD angeschlossen. Ende 2011 war Thießen noch Redner auf einem Treffen militanter Neonazis in Köln, auf dem ursprünglich auch der US-Rechtsextremist David Duke referieren sollte (bnr.de berichtete).

Thießens Russlanddeutsche haben sich unter anderem auch mit revanchistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Kundgebungen und „Mahnwachen“ hervor getan, zuletzt etwa an Ostern in Essen (bnr.de berichtete) und in den Jahren 2008 und 2009 vor dem Landtag in Düsseldorf. Dabei traten Holocaust-Leugner wie Ursula Haverbeck-Wetzel, NPD-Landeschef Claus Cremer und andere Rechtsextremisten als Redner auf.

Am 4. August um 12.00 Uhr soll nun abermals in Düsseldorf vor dem Landtag eine Kundgebung stattfinden. Forderung diesmal: die Einrichtung eines „Nationalen Gedenktages für die Opfer von Vertreibung“. Motto der Kundgebung: „Das Deutsche Volk hat ein Recht auf die Deutsche Heimat“. Als Anmelder und Veranstalter werden dieses Mal die „National-Konservative Bewegung der Deutschen aus Russland“ genannt.

 

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