von Redaktion
   

Rassistische Bürgerinitiativen kündigen „heißen Demo-Herbst“ für M-V an

Die selbsternannten patriotischen Bürgerinitiativen in Mecklenburg-Vorpommern legen in diesen Tagen eine hohe Aktivitäts-Schlagzahl vor. Bereits am kommenden Samstag ist in Schwerin die nächste größere Demonstration angekündigt, gleichzeitig treffen sich „besorgte Bürger“ abends im Stadtteil Lankow zum Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Ihre Facebook-Seiten nutzen die verschiedenen Gruppen derweil für Angriffe auf unliebsame Journalisten oder zur Sammlung von Fotos von Gegendemonstranten.

Am letzten Samstag versammelten sich Anhänger vermeintlicher Bürgerinitiativen in Schwerin. In der Mitte David Bühring (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Schwerin am 19., Stralsund am 25., Wismar am 16. und am 26. September – für die nächsten beiden Wochen haben die verschiedenen rassistischen Bürgerinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern, die freilich alle untereinander zusammenhängen und vernetzt sind, eine Reihe größerer Aktionen geplant. Darüber hinaus ruft „Schwerin wehrt sich“ zum täglichen Protest gegen eine neue Asylbewerberunterkunft im Stadtteil Lankow auf. Am Sonnabend kursierte zeitweise das sich nicht bestätigende Gerücht, verhinderte Teilnehmer des verbotenen „Tages der deutschen Patrioten“ in Hamburg könnten die örtlichen Flüchtlings-Gegner unterstützen. Auch wenn die erhoffte Verstärkung ausblieb, fanden sich trotzdem mehrere Dutzend Personen im Norden Schwerins ein.

Schlag auf Schlag

Bereits am Sonntagnachmittag waren nach Angaben von Beobachtern ungefähr 80 Rassisten dem Aufruf von „Wismar wehrt sich“ zu einem kurzfristig beworbenen Aufmarsch gefolgt. Da sie auf einen breiten Widerstand gestoßen seien, habe sich die Truppe im Gegensatz zu der von Pöbeleien und verbalen Angriffen auf die Presse geprägten Premiere am 5. September relativ ruhig verhalten. Erneut sei der Wismarer NPD-Stadtvertreter Rainer Schütt mit an Bord gewesen. Die Polizei schloss zwei „Wismar wehrt sich“-Anhänger aus, da sie Symbole verfassungswidriger Organisationen – also beispielsweise den Hitlergruß oder das Hakenkreuz – gezeigt hätten. Die Ermittlungen seien bereits angelaufen, hieß es dazu aus der Polizeiinspektion der Hansestadt.

In Schwerin fanden sich ebenfalls Teilnehmer der Samstags-Demonstration ein, darunter Torsten Schramke, der bei den Mvgida-Aufmärschen im Winter eine herausragende Rolle spielte, der immer mehr in die Öffentlichkeit drängende David Bühring oder Enrico Naumann, Ex-Kopf von Mvgida und mittlerweile Motor der „MV Patrioten“. Dort war der Stralsunder, der stets eine extrem rechte Gesinnung von sich wies, ausgestiegen, weil er die „Bewegung“ nicht habe in der Mitte der Gesellschaft verankern können. Selbst die Schweriner Stadtspitze beugte sich dem Druck und fand sich vor Ort ein. Oberbürgermeistern Angelika Gramkow diskutierte mit den vorgeblich „besorgten Bürgern“ – was mancherorts auf Unverständnis stieß. Zu der anstehenden Demonstration in Schwerin am 16. September haben die Organisatoren im Internet gezielt rechtsextremistische Zusammenschlüsse eingeladen.

Fahndung und Pranger

Zugehörig fühlen sich Gruppen wie „Schwerin wehrt sich“ oder „Wismar wehrt sich“ einem angeblichen Dachverband „Deutschland wehrt sich“. Bis vor wenigen Tagen trat die Gruppe nach außen als Verein auf, mittlerweile ist das „e. V.“ sowohl auf den Plakaten, als auch im Internet zu den Akten gelegt. Ihre Facebook-Seiten nutzen die Hetzer nicht nur zu Propagandazwecken, sondern ebenfalls für die gezielte „Fahndung“ nach bestimmten Teilnehmern einer Blockade Anfang September. Die Unterstützer der Seite werden aufgefordert, ihre Fotos und Videos einzusenden, von denen einige dann veröffentlicht werden. Warum die Initiative auf der Suche nach dieser Person ist, verrät sie nicht.

Neben Flüchtlingen und Politikern erklären die selbsternannten Bürgerbewegungen insbesondere die (lokale) Presse zum Feindbild. Einerseits werden Journalisten als „Lügenpresse“ diffamiert, andererseits werden verschiedene Artikel, wenn sie denn zufälligerweise die Meinung der Rassisten wiedergeben, zur Bestätigung der eigenen Argumentation genutzt – was sie kaum glaubwürdiger macht. Entspricht die Darstellung indes nicht ihrer Sichtweise, stellen sie Medienvertreter öffentlich an den Pranger. Wie einen Redakteur eines Schweriner Lokal-Portals, abfällig als „Schreiberling“ tituliert, von dessen Facebook-Profil „Schwerin wehrt sich“ kürzlich zwei Screenshots postete. Mittlerweile sind die Einträge gelöscht.

Antje Mentzel in Wismar (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

NPD (noch) zurückhaltend

Einer offiziellen Meldung zufolge soll sich bald der hiesige Pegida-Ableger, Mvgida, mit eigenen Aktionen zurückmelden. Nicht zuletzt wegen der starken NPD-Präsenz hatte die Anziehungskraft der erklärten Patrioten nachgelassen, zuletzt versammelten sich fast ausschließlich Partei-Anhänger. Zwar reihten sich in Wismar (ehemalige) Führungsfiguren wie Sven Krüger oder die Landesvorsitzende des Rings Nationaler Frauen, Antje Mentzel, in den Zug ein, sie übernahmen allerdings offensichtlich nicht die tragenden Rollen.

An der Ostsee bleibt die Partei auffällig unauffällig. Anders als in Sachsen oder Thüringen, wo die NPD in den letzten Tagen und Wochen zahlreiche Anti-Flüchtlings-Demonstrationen auf die Beine stellte, setzten die „Köpfe“ bislang auf kleinere, regional begrenzte Aktivitäten. Womöglich eine taktische Zurückhaltung, damit die „Bürgerinitiativen“ nicht schon jetzt ihre angebliche Unabhängigkeit verlieren, und scheitern. Oder die Partei spart ihre Kräfte für den kommenden Wahlkampf.

Kommentare(20)

Roichi Dienstag, 15.September 2015, 13:38 Uhr:
Die Kamerraden sind also erholt aus Malle zurückgekehrt.
Dann kann ja wieder marschiert und weitergesoffen werden.
 
Heinz Schwäbig Dienstag, 15.September 2015, 16:12 Uhr:
Solange Patrioten sich mit dem eigenen Land und Volk identifizieren, ohne dieses über andere zu stellen und andere Völker implizit abzuwerten ist das ok ! Alles andere sind Faschisten bzw. Nationalsozialisten ! Also hat diese angebliche patriotische Bürgerinitiative nichts mit Patriotismus zu tun hört sich unter dem Deckmantel ( Namen )nur besser an .
 
B aus MV Dienstag, 15.September 2015, 17:16 Uhr:
@ Roichi
Sag doch nicht so was!
Das ist die deutsche Elite. Das sind die Fachkräfte und Kulturbewahrer. Gruselig ...
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 16.September 2015, 07:53 Uhr:
Jene Ekel-Kampf-Genossen aus der faschistisch-rassistischen Ecke können sich dann über den Empfang der Demokraten, - die sie ja als Volkstod-Bringer betrachten, - freuen, den eine bunte Vielfalt mit zum Himmel steigenden Luftballons zum Beispiel.
Nur bitte nicht vergessen, auch müssen ja dann braune Luftballons dabei sein!
Mal im Ernst: Glaubt man denn immer noch, diesen ekeligen Hass-Gespenster-Märschen mit Friede-Freude-Eierkuchen-Festen begegnen zu können, um die "Demokratie zu verteidigen" ?
Dies auch vor dem Hintergrund, dass selbst einuge Politiker vor neuem Terror von rechts inzwischen warnen?
Es ist nicht mehr " 5 vor 12" !
 
Roichi Mittwoch, 16.September 2015, 13:12 Uhr:
@ B

Natürlich ist das die Elite des "deutschen Volkes" und in ihrem Fach sowas wie Kräfte, auch wenn sie nicht so ganz wissen, was sie da kulturbewahren wollen, das Sternburg, die Gewalt oder die Parolen.
 
Kurth Mittwoch, 16.September 2015, 20:07 Uhr:
@Roichi

Wobei: Sternburg kann man ja sogar noch verstehen, das wars dann aber auch ;)
 
Insider wissen mehr! Mittwoch, 16.September 2015, 20:18 Uhr:
Die Truppe um „Samen-Kanonier“ Pastörs und „Geheimrat“ Köster scheint sich wohl in aller Stille auf den ersten historischen Auszug aus dem Schweriner Landtag vorzubereiten!
 
Martin Mittwoch, 16.September 2015, 21:29 Uhr:
Was ist denn das für eine Demokratie, die Ihr verteidigt?

Eine Oligarchie, in dem die Interessen der Menschen immer mehr und immer radikaler hinter denen der wenigen Reichen zurückgestellt werden.

Und um das Volk zu lenken, gibt es Presse, die immer das schreibt, was die Oligarchen wollen und einen Teil des Volkes gegen den nächsten stellt.

Und wer sind sogenannten Anti-Faschisten, die sich von den Reichen Ihre Flyer und Feste finanzieren lässen, wenn der unterdrückte Teil der Bevölkerung dann doch mal auf die Straße geht?

Als Sozialpädagoge habe ich mich an dem Tag dem Protest des Volkes angeschlossen, als ich das teure nicht selbst hergestellte Infomaterial mit pauschalen Verunglimpfungen gesehen habe. Folge dem Geld und Du wirst sehen, welcher Oranisation Du angehörst.

Ja die Menschen sind wütend, und sie sehen nicht aus wie die auf der Sonnenseite.

Aber der Protest ist mehr als berechtigt und die pauschale Diffamierung und Hetze gegen diesen Protest, wird die Wut nicht besänftigen.

Menschen, die Ihr Gesicht zeigen, und werden von Vermumten fotografiert und hier anonym verunglimpft - ihre Wirtschaftliche Existenz angegriffen und manche sogar massiv bedroht.

Aus der Geschichte kennen wir das und es zeigt, wer tatsächlich die selbst ernannten Anti-Faschisten sind.

Gewaltsam die Unzufriedenen im Auftrag der Oligarchen unterdrücken und attackieren. Lasst Euch nicht missbrauchen.

Ich lasse mich von denen hinter Euch nicht einschüchtern.
 
B aus MV Donnerstag, 17.September 2015, 15:06 Uhr:
@ Martin
He, du hast vergessen, deinen Kommentar als Ironie zu kennzeichnen. Fast hätte man glauben können, du meinst das ernst.
 
Roichi Donnerstag, 17.September 2015, 15:24 Uhr:
@ Martin

Na da hast du aber ein schönes Bündel rechten Verschwörungsgeblubbers abgesondert. Kannst du auch mehr, als Parolen?
Aber immerhin scheinst du bei Rechten, Rassisten, "besorgten Bürgern" und Verschwörungstheoretikern gut auf gehoben.
Nur lass dir bloß nicht die Realität in die Quere kommen. Die zerpflügt dir dein gesamtes Weltbild und dann stehst du so ahnungslos und merkbefreit da, wie du offensichtlich bist.
 
Martin Freitag, 18.September 2015, 11:59 Uhr:
Danke für die Veröffentlichung!

Man braucht sich nur die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung anzusehen, um zu wissen, dass Demokratie keine Regierungsform für das Volk ist.

Zudem sollte sich jeder, der für unbegrenzte ungeregelte Migration ist, einmal zwei Fakten stellen:

1. Gesellschaften mit viel Ungleichheit - auch durch Migration - werden unsozialer. Das ein wissenschaftlicher Fakt. Je homogener eine Gesellschaft, desto bereitwilliger stehen Menschen für einander ein und desto sozialer ist die Gesetzgebung und kleiner ist die Armut.

2. Eine Migration über einem gewissen Maß verhindert die Entwicklung von ärmeren Ländern, weil die Fachkräfte für eine wirtschaftliche Entwicklung fehlen. Dieses verstärkt die Armut und sorgt für mehr Flüchtlinge.

Von Masseneinwanderung profitieren weder die Länder, wo die Leute ankommen, noch die Menschen, die nicht das Geld für eine Flucht haben, in den Herkunftsländern.

Und wenn Ihr das Verschwörungsblubber seht, dann ist Euch nicht mehr zu helfen.

Fakt ist, dass man sich die vielen Milliarden für die Unterbringung der Flüchtlinge ganz sicher nicht bei den internationalen Konzernen holen wird, die jetzt schon Lobbismus betreiben, um den Mindestlohn wegen der Flüchtlinge abzuschaffen oder auszuhöhlen.

Und als letztes soll gesagt sein:
Art 16a sagt klar, wer sich auf das Asylrecht berufen kann.
Und ca. 95-99% der diesjährigen Asylantragsteller gehören definitiv nicht dazu.
 
nur mal nachgefragt Freitag, 18.September 2015, 16:31 Uhr:
@ Martin

"Als Sozialpädagoge habe ich mich an dem Tag dem Protest des Volkes angeschlossen, als ich das teure nicht selbst hergestellte Infomaterial mit pauschalen Verunglimpfungen gesehen habe."

Wieviel hält man eigentlich von seinen Mitmenschen, wenn man diese Zungenrausstrecker, Stinkefingerzeiger und Hassparolenschreier als DAS Volk bezeichnet?
Sollte man als Sozialpädagoge nicht mithelfen, diese Leute ein Stückchen in Richtung Sonnenseite zu bringen? Hilfe beim Ausstieg, bei Schulabschluss oder Ausbildung? Oder beim Antrag auf Zahnersatz vielleicht oder auch ein bisschen Stilberatung organisieren?
Hab ich jetzt etwa pauschal verunglimpft? Dürfen das nur unsere wackeren "Patrioten"?
Fragen über Fragen ...
 
Roichi Freitag, 18.September 2015, 21:57 Uhr:
@ Martin

Erster Absatz: Parolen ohne Fakten.
Der Zusammenhang bleibt deine Behauptung. Mehr nicht.

zu 1.)
Auch wieder nur eine Behauptung.
Du darfst gerne wissenschaftliche Quellen nachreichen, oder solche, die sich auf entsprechende Quellen stützen.
Zu deiner zweiten Behauptung bleibt gleiches nachzureichen.

zu 2.)
Schöner Allgemeinplatz.
Und nun? Sollen sich die Fachkräfte wegbomben, oder sich foltern und einsperren lassen?
Ist jetzt auch nicht so hilfreich.
Und, was hat das jetzt mit der Debatte zu tun?

Abgesehen davon, bleibt noch deine Behauptung einer ungeregelten Migration, für die Leute wären.
Wer diese Leute seni sollen, ist wohl nur dir klar. In der Debatte jedenfalls gibt es diese Stimmen fast nicht.
Zugegeben, um das herauszufinden gehört etwas mehr Differenzierungsfähigkeit, als du oben gezeigt hast.

Ende TEil 1
 
Roichi Freitag, 18.September 2015, 21:57 Uhr:
Teil 2


"Von Masseneinwanderung profitieren weder die Länder, wo die Leute ankommen, noch die Menschen, die nicht das Geld für eine Flucht haben, in den Herkunftsländern."

Sagst du. Hast du dafür irgendeinen Beleg?
Ausländer, und das sind noch nichtmal alle Migranten, erwirtschaften hierzulande Steuern, die weit über den Ausgaben für Migranten liegen.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-zur-einwanderung-der-staat-profitiert-von-migranten.37860aeb-e3b8-4f53-9cf0-371b9991ba13.html
und hier die Studie dazu
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/der-beitrag-von-auslaendern-und-kuenftiger-zuwanderung-zum-deutschen-staatshaushalt/
Das ist jetzt zwar irgendwie doof für deine Behauptung, aber das ist Fakt. Du darfst dich gerne damit auseinandersetzen, wenn du das schon forderst.

"Und wenn Ihr das Verschwörungsblubber seht, dann ist Euch nicht mehr zu helfen."

Mir ist schon zu helfen. Allerdings braucht es dafür mehr als Parolen und Behauptungen.

Ende Teil 2
 
Roichi Freitag, 18.September 2015, 22:00 Uhr:
Teil 3

"Fakt ist..."

...dass es dir nicht um Migranten und deren Rechte geht, sondern um deine krude Weltsicht voller Verschwörungskram.
Da sind Migranten Schuld, wenn du keinen Arbeitsplatz bekommst und die Konzerne sollen deinen Flachbildfernseher bezahlen.
Ganz viel mimimimimi. Das kannst du. Aber Fakten bringst du nicht. Nur Parolen und Behauptungen.

"Und als letztes soll gesagt sein"

Dass du nicht in der Lage bist, mit Begriffen umzugehen.
Du wirfst einfach Migranten und Aslybewerber mal eben wild durcheinander. So wird das aber nichts.

Und wo wir grad beim Schluss sind. Auch deine letzte Behauptung hat ein Faktenproblem:
http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/sonstige-1/artikel/bekannte-forderungen-alfa-lucke-mischt-sich-in-asyl-debatte-ein.html
Auch hiermit darfst du dich gerne mal auseinandersetzen.
Und vorher vielleicht einmal in die entsprechenden Rechtsgrundlagen reinlesen.

So jedenfalls waren das nur mal wieder Parolen von dir.
 
Erik Montag, 21.September 2015, 10:40 Uhr:
@ Roichi

"Sagst du. Hast du dafür irgendeinen Beleg?
Ausländer, und das sind noch nichtmal alle Migranten, erwirtschaften hierzulande Steuern, die weit über den Ausgaben für Migranten liegen.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-zur-einwanderung-der-staat-profitiert-von-migranten.37860aeb-e3b8-4f53-9cf0-371b9991ba13.html
und hier die Studie dazu
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/der-beitrag-von-auslaendern-und-kuenftiger-zuwanderung-zum-deutschen-staatshaushalt/"

Nur blöd, dass diese Studie nicht aktuell ist.
Das Ifo-Institut hat da mal genau nachgerechnet. Demnach kostet ein Migrant pro Jahr 1800 Euro mehr als er einbringt. Siehe hierzu:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/ifo-chef-sinn-migration-ist-verlustgeschaeft-fuer-deutschland-13344263.html

(Die Langfassung der Analyse ist im Artikel verlinkt.)
 
Roichi Montag, 21.September 2015, 16:59 Uhr:
@ Erik

"Nur blöd, dass diese Studie nicht aktuell ist. "

Sowas braucht ja auch etwas Zeit und Arbeit. Die Aussagen sind allerdings weiterhin gültig.
Und auch dein verlinkter Artikel beruft sich auf Zahlen von 2012 bzw. genau auf die gleiche Studie.

Sehen wir uns deinen Artikel aber mal etwas genauer an.
Zunächst trifft der Herr Sinn eine Feststellung, dass Deutschland die zweitgrößte Zuwanderung hat. Basierend auf einer OECD Studie.
Setzt man das allerdings in Relation zur Bevölkerungszahl, bleibt davon nicht mehr viel übrig. Platz 60 nämlich: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2112rank.html
Stellt sich die Frage, was er mit der absoluten Zahl bezwecken will.

Weiter lässt er sich daürber aus, dass die Einheimischen nicht genug Kinder bekommen, um das Rentenniveau zu halten (keine neue Erkenntnis) und dass es 32 Millionen Zuwanderer bräuchte, um dsa zu erreichen. Wobei er vorher schon darauf abgestellt hat, dass ja nur ein drittel davon ausreichend qualifiziert, für das wirtschaftsnahe Institut also verwertbar (so hart gemeint, wie es klingt) ist. Der Rest soll dann dazu dienen, den Mindestlohn, der ja ohnehin Teufelszeug ist wieder abzuschaffen.
Er beschreibt es etwas blumiger, die Aussage steht aber da.
Dann bezieht er sich für die fiskalischen Effekte auf eine Studie seines Insituts von 2001 mit Zahlen von 1997.
War dir oben nicht noch 2014 mit Zahlen von 2012 zu alt?

Ende Teil1
 
Roichi Montag, 21.September 2015, 17:00 Uhr:
Teil 2

Er geht nun auf die Bertelsmann-Studie ein.
Dabei gibt er an, dass gewisse Kosten dort nicht berücksichtigt seien, diese aber bei ihm eingerechnet wären.
Das nimmt er auch aus der Bertelsmann-Studie und rechnet dann mit der Annahme, dass diese allgemeinen Kosten entsprechend umgelegt gehören.
Daraufhin erstellt er einige Rechnungen mit unterschiedlichen Zahlen.

Sein Schluss allerdigns ist, nicht überraschend, Migration nach Verwertbarkeit zu steuern.
Und natürlich ist der Sozialstaat der ultimative Anreiz für Migranten. Dabei lässt er natürlich die Asylgründe außen vor. Dass dies ein erheblicher Anteil der Migranten ist, entgeht ihm wohl.
Weiterhin sind seine Vorschläge zum Umgang mit Migration nicht nur zynisch, sondern allein wirtschaftspolitisch gedacht. Sozialabbau, Grenzen zu, außer für verwertbare Menschen, und Ungleichbehandlung.
Er scheint auch nicht zu wissen, wann Migranten Zugang zum Sozialsystem bekommen. Dabei legt er sich auch gleich noch mit EU-Recht an.
Denn auch dort ist die Menschenwürde vorhanden.

Schlussendlich geht er mit keinem Wort darauf ein, dass gerade die große Gruppe der Asylbewerber und Asylanten schlicht nicht oder nur erschwert arbeiten darf. Also keinen Beitrag leisten kann.
Vermutlich fällt das bei ihm dann unter die Konkurrenz mit den hiesigen Geringqualifizierten, die sich doch bitte für die Abschaffung ihres Mindestlohnes einsetzen sollen, damit sie dann zum Amt rennen dürfen, um sich aufstocken zu lassen.

Ende Teil 2
 
Roichi Montag, 21.September 2015, 17:00 Uhr:
Teil 3


Spannend ist natürlich auch noch der Unterschied Migrant zu Ausländer, der nur unzureichend differenziert wird.
Und nicht zuletzt kommt er nicht mit Zahlen um die Ecke. Das wäre noch gut gewesen.

Nachdem das jetzt also geklärt ist, bleibt noch die Frage, ob wirtschaftliche Verwertbarkeit über Menschenrechten stehen sollte.
Und nicht zuletzt schweifen wir dann langsam ganz schön vom Thema ab. Was war das noch?
Martins Parolen und deren mangelnde Belege.

Nun, du hast einen Beitrag dazu gebracht. Ob das jetzt als Beleg für Martins Parolen zu werten ist, wage ich zu bezweifeln.

Ende Kommentar
 
Pommern Montag, 21.September 2015, 20:25 Uhr:
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/gutachten/ZEW_BeitragZuwanderungStaatshaushalt2014.pdf
So das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung, verbreitet durch die deutschen Medien.

Habe ich mich verlesen oder steht in der Studie (Seite 3):

"Stellt man alle allgemeinen Staatsausgaben, etwa für Verteidigung oder Straßenbau, mit in Rechnung, schlägt für jeden lebenden Ausländer ein langfristiges Staatsdefizit von 79.100 Euro, für jeden lebenden Deutschen von 3.100 Euro zu Buche."

Und weiterhin auf Seite 30:

"Ausländer, die 2012 geboren wurden, werden unter Status-quo-Bedingungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Gegenwartswert durchschnittlich rund 44.100 Euro mehr an Transfers erhalten, als sie an Steuern und Beiträgen zahlen. Dagegen erbringen die 2012 geborenen Deutschen einen deutlich positiven Finanzierungsbeitrag zu den öffentlichen Haushalten. Sie zahlen im Lebensverlauf durchschnittlich rund 110.800 Euro mehr an Steuern und Beiträgen, als sie an individuell zurechenbaren Transfers empfangen."
 

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