Pyrotechniker verurteilt

Das Landgericht Aachen hat am Montag einen Heranwachsenden und einen jungen Mann wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung verurteilt.

Montag, 21. Februar 2011
Michael Klarmann



Beide waren zum Tatzeitpunkt Mitglieder der Neonazi-Szene und saßen seit September in Untersuchungshaft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Falko W. (20) und Daniel T. (25) Sprengkörper aus pyrotechnischen Gegenständen und Glasscherben gebaut haben, die am 1. Mai 2010 in Berlin bei einem Neonazi-Aufmarsch möglicherweise gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden sollten.

Während W. bei dieser Tat federführend gewesen sei, so die Kammer, sei T. Haupttäter bei rechten Schmieraktionen Anfang August in Aachen gewesen. Dabei waren Hakenkreuze und rechte Parolen unter anderem auf Parteibüros und an die Wand des jüdischen Friedhofes geschmiert worden. Neben anderen Parolen hatte T. dabei auch über rund 15 Meter und in fast zwei Meter hohen Buchstaben die Parole „Juden den Gashahn aufdrehen“ auf die Mauer geschmiert. W., lange Zeit Mitglied der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), hatte zudem im Mai zwei Molotow-Cocktails auf das „Autonome Zentrum“ (AZ) in Aachen geworfen.Weil er das in einem Luftschutzbunker liegende AZ indes so nicht in Brand habe setzen könne, fand die Kammer, werde er deswegen nur wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt.

Bewährung in der Aussteiger-Wohngruppe


Der bisher strafrechtlich noch nicht aufgefallene T. wurde wegen der Taten zu zwei Jahren Haft verurteilt, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Der seit seinem 15. Lebensjahr mehrfach strafrechtlich aufgefallene W. wurde nach Jugendstrafrecht unter Einbeziehung eines früheren Urteils wegen Körperverletzung insgesamt zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Indes gewährte das Gericht dem Heranwachsenden, der Kontakt zu Aussteiger- und Antirassismus-Programmen aufgenommen hatte und sich selbst als Aussteiger darstellte, eine Vorbewährung. W. soll sich nun sechs Monate in einer Aussteiger-Wohngruppe bewähren. Gelingt ihm das, könnte heute gegen ihn verhängte Haftstrafe später in eine Bewährungsstrafe umgewandelt werden. Anders als bei T. wird bei W. jedoch die sechsmonatige Untersuchungshaft nicht auf die Gesamthaftstrafe angerechnet.

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