von Roland Sauer
   

Prozessbeginn gegen „Weiße Wölfe Terrorcrew“

Am Mittwoch hat vor dem Landgericht Bamberg der auf 26 Verhandlungstage angesetzte Prozess gegen vier Beschuldigte begonnen. Sie sollen der Gruppe „Weiße Wölfe Terrorcrew“ angehört und mit Anschlägen auf eine Asylunterkunft gedroht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen vor.

Der erste Prozesstag am Landgericht Bamberg beschränkte sich auf das Verlesen der – bedingt durch die Vielzahl der Einzeltaten – doch recht umfangreiche Anklageschrift und die Angaben der Angeklagten zur Person und zur Sache.

Der angeklagte Andreas G.(24) ließ durch seine Anwälte erklären, dass er weder zu seiner Person noch zu den Anklagepunkte Angaben machen werde. Vertreten wird G. – wie alle Angeklagten – durch zwei Verteidiger, einer der beiden Männer, Maik Bunzel, gilt als Szene-Anwalt. Die Causa sorgte 2016 für Aufsehen, da der jetzige AfD-Landtagsabgeordnete Ralph Weber den Mann promovierte.

Sprengstoffe nur für Silvester gedacht

Nadine H. wollte sich nur zu ihrer Person äußern, sie schilderte ihren Werdegang bis 2008 in Thüringen und ab 2008 in Bamberg, wo die 38-Jährige dann den ebenfalls angeklagten Patrick H.-K. kennenlernte.

Ausführlich äußerte sich hingegen Marcel D. Die ihm zur Last gelegten Punkte aus der Anklageschrift räumte er großteils ein, gab jedoch an, dass die ihm auch zur Last gelegte Beschaffung von Sprengmitteln für Silvester gedacht gewesen sei; er versuchte, sich als begeisterten Feuerwerker darzustellen.

Der angeklagte Andreas G. auf der Anklagebank, Foto: Roland Sauer

Außerdem ließ er durch seinen Anwalt bezüglich der Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung Belege für einen Täter-Opfer-Ausgleich mit drei der Betroffenen vorlegen, in diesen hatte er sich mit den drei Personen gegen Zahlungen von 2.500 bzw. 1.000 Euro außergerichtlich geeinigt. Des Weiteren gab er an, dass die Verhaftung 2015 für ihn ein Warnschuss war, und er umgehend aus allen rechten Organisationen ausgetreten sei. Die Weiße Wölfe Terrorcrew will er nur als eine Art Fan-Club für eine Musikgruppe mit diesem Namen gesehen haben. Er habe zudem mit Polizei und Staatsanwalt kooperiert.

Bezugnahme auf Pogrom von Rostock-Lichtenhagen

Patrick H.-K. macht ausführliche Angaben zu seinem Werdegang, korrigierte gar Angaben seiner Noch-Ehefrau zu ihrer gemeinsamen Biographie. Der 32-Jährige saß wegen der ihm zur Last gelegten Straftaten bereits ein Jahr in U-Haft, aktuell befindet er sich seit Jahresbeginn wegen einer anderen Sache erneut in Gefängnis. Der Mann beruft sich immer wieder auf Erinnerungslücken, auf die Mitangeklagten will er nicht eingehen.

Die vier Personen sollen der seit März 2016 verbotenen Neonazi-Gruppe „Weiße Wölfe Terrorcrew“ angehört haben. Laut Staatsanwaltschaft sei ihr Ziel gewesen, gegen den politischen Gegner und Ausländer vorzugehen. Zwei der Angeklagten sollen zudem mit einem Angriff auf eine Asylunterkunft in Bamberg gedroht haben. Sie sollen weiterhin Bezug auf das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992 genommen haben.

Bis Ende Januar sind derzeit 26 weitere Verhandlungstage angesetzt.

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