von Elmar Vieregge
   

Provokation als Propaganda – „Pro Köln“ und der Christopher Street Day

In Nordrhein-Westfalen erregt die rechtspopulistische Pro-Bewegung seit Jahren die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch medienwirksame Provokationen. Dies gelang nun „Pro Köln“ durch eine Anmeldung für die am 7. Juli 2013 geplante Parade zum „Christopher Street Day“ (CSD). Während dem vermeintlichen Ansinnen erwartungsgemäß eine breite Ablehnung entgegenschlug und die Anmeldung daraufhin zurückgenommen wurde, entwickelte sich eine teilweise aufgeregte Medienberichterstattung im Sinne der Gruppierung.

Sowohl die lokalpolitisch tätige Gruppierung „Pro Köln“ als auch die nach deren Vorbild landespolitisch agierende Vereinigung „Pro NRW“ geben sich nach außen lediglich als islamkritisch, unterliegen aber dem Vorwurf einer generell fremdenfeindlichen Haltung. Zudem stehen sie vor dem Problem, dass sie in der Öffentlichkeit nur begrenzt bekannt sind. Dem begegnen die personell und finanziell schwach ausgestatteten Organisationen seit längerem durch den Einsatz medienwirksamer Provokationen. Dazu machte sich „Pro NRW“ in den vergangenen Jahren die Gewaltbereitschaft islamistischer Fundamentalisten zunutze, indem sie im Verlauf mehrerer Demonstrationen Plakate mit den so genannten „Mohammed-Karikaturen“ zeigte, wobei sie sich deren stark emotionalisierender Wirkung bewusst war. Diese Provokationen führten dann nicht nur zur Ausschreitungen von Islamisten, sondern auch zu einer verstärkten Aufmerksamkeit der Medien. Während bei den Ausschreitungen einschreitende Polizisten zu Leidtragenden wurden, etwa als ein Islamist am 5. Mai 2012 in Bonn eine Beamtin und Beamten durch Messerstiche schwer verletzte, gab sich „Pro NRW“ als demokratische Verfechterin der Meinungsfreiheit. Gleichzeitig konnte die Vereinigung die Vorfälle nutzen, um den Eindruck einer nicht nur von einer fundamentaltistischen Minderheit, sondern vom Islam als solchen ausgehenden Gefahr erwecken.

Eine moderatere Provokation setzte hingegen „Pro Köln“ in ihrer Heimatstadt ein. Dazu bedurfte es lediglich der Anmeldung zur alljährlich von hunderttausenden Zuschauern beigewohnten CSD-Parade, mit der Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender in der über ein tolerantes Gesellschaftsklima verfügenden Großstadt für ihre Anliegen werben. Den Rechtspopulisten diente bei ihrer Anmeldung die unter Islamisten verbreitete aggressive Homophobie als Anknüpfungspunkt. Dadurch ergab sich die Ironie, dass eine alles andere als gesellschaftlich liberale Vereinigung die Nähe zu einer oftmals diskriminierten Minderheit suchte. Deren Reaktion war erwartungsgemäß eindeutig ablehnend. So veröffentlichten die Organisatoren der Parade eine Erklärung gegen jegliche Formen der Ausgrenzung und kündigten „gewaltfreie Antworten … gegen Rechtspopulismus“ an. In einer öffentlichen Debatte wurden sowohl rechtliche Möglichkeiten eines Ausschlusses von „Pro Köln“ als auch Blockadeabsichten und mögliche Protestaktionen diskutiert. Daraufhin zogen die Rechtpopulisten, die noch am 17. Mai in einer im Internet veröffentlichten Erklärung darauf verwiesen hatten,  für einen „medialen Aufschrei“ gesorgt zu haben, ihre Anmeldung zurück, wobei sie am 14. Juni behaupteten, mit der „medialen Debatte … politisch viel erreicht“ zu haben.

Die beiden Erklärungen hingegen deuten an, dass es „Pro Köln“ weniger um die Lage von aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung diskriminierten Menschen ging, sondern um die Erregung von Aufmerksamkeit. Die Gruppierung musste von Anfang an mit einer negativen Rektion auf die Anmeldung rechnen. In Kenntnis der lokalen Verhältnisse dürften sich deren Verantwortliche zudem bewusst gewesen sein, dass eine einvernehmliche Beteiligung an der CSD-Parade nicht zu erwarten war und sich eine über den Gerichtsweg erzwungene Teilnahme zu einem Spießrutenlauf durch die Straßen der Domstadt entwickelt hätte. Es kann deshalb angenommen werden, dass „Pro Köln“ zu keinem Zeitpunkt an einer tatsächlichen Beteiligung interessiert war, sondern lediglich Aufsehen provozieren wollte. Die in dieser Angelegenheit erfolgte Medienberichterstattung führte dann auch zu genau diesem  Aufsehen. Dadurch gestaltete sich die Anmeldung zu einem Publicity-Erfolg von „Pro Köln“.

Der offenbar kalkulierte Skandal zeigt beispielhaft die Einsatzmöglichkeiten von Provokation als Propaganda. Vor diesem Hintergrund bietet sich für die Pro-Bewegung zukünftig die Durchführung vergleichbarer Aktionen an. Vom Umfang und der Art der dabei erfolgenden Berichterstattung der Medien wird abhängen, ob diese ebenso erfolgreich sein werden.

Kommentare(3)

L.B. Donnerstag, 04.Juli 2013, 14:27 Uhr:
Wenn in der Lokal- und Regionalpresse ausreichend auf die plumpen Motive der rechten Popolisten hingewiesen wird (so wie in diesem Artikel), dürfte ein breiter Erfolg bei der Bevölkerung ausbleiben.
 
Marlies Donnerstag, 04.Juli 2013, 16:18 Uhr:
"entwickelte sich eine teilweise aufgeregte Medienberichterstattung im Sinne der Gruppierung. "

Und das ist gut so!
 
Pure Heuchelei Freitag, 05.Juli 2013, 23:26 Uhr:
Die vermeintliche "Pro-Bürgerbewegung" gibt sich aufgeklärt religionskritisch - paktiert dabei aber mit christlich-fundamentalistischen Gruppierungen (z. B. der Piusbruderschaft) und Hetzseiten.

So schrieb beispielsweise der "Pro"-Vorsitzende vor einigen Jahren für einen antisemitischen und homophoben Katholiban-Blog:

„Wird sich der Kardinal dem Homo-Perversen fügen?"

Quellen:

http://www.pb.dietmarnaeher.de/kreuz-net-meets-pro-nrw/

http://www.aktuell.pro-koeln.org/?p=2483
 

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