Propagandamaterial für „nationale Aktivisten“

Siegen – Wegen Volksverhetzung muss sich am Freitag ein Neonazi aus dem siegerländischen Wilnsdorf vor einem Schöffengericht in Siegen verantworten.

Mittwoch, 04. Juli 2012
Tomas Sager

Dem 1983 geborenen Alexander St. wird vorgeworfen, über seinen Internethandel „Wieland-Versand“ CDs mit volksverhetzenden, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Inhalten vertrieben zu haben. Zahlreiche Titel seien zudem als jugendgefährdend indiziert gewesen. Auch über das Neonazi-Forum „Thiazi“, das Mitte Juni Ziel einer Razzia war, soll St. CDs angeboten haben.

Sein Versandhandel fiel erstmals Anfang Februar 2009 öffentlich auf. Erhältlich waren dort neben Musik-CDs auch Aufkleber, Fahnen und antiquarische Bücher mit NS-Bezug, darunter Hitler-Reden. Neonazi-Gruppen konnten beim „Wieland-Versand“ zudem eigene Aufkleber drucken lassen. „Unser Ziel ist es für alle aktiven, nationalen Kräfte gutes und günstiges Propagandamaterial zur Verfügung stellen zu können“, hieß es in einer Selbstdarstellung. Und unter der Überschrift „Wer sind wir?“: „Wir sind eine Gruppe nationaler Aktivisten aus dem Raum Siegerland und Umgebung. Diese Gruppe besteht überwiegend aus Freien Kräften des Nationalen Widerstandes, aber auch aus Mitgliedern der NPD.“

Für die NPD als Kandidat angetreten

Anfang September 2010 war die Polizei bei St. zu einer Hausdurchsuchung angerückt. Die Beamten stellten dabei Geschäftsunterlagen sowie rund 100 Bücher, CDs und DVDs sicher. Die Ermittlungen kamen offenbar voran. Bereits vier Monate nach der Razzia wurde Anklage erhoben. Doch dauerte es dann noch einmal eineinhalb Jahre, ehe die Vorwürfe nun vor Gericht verhandelt werden.

St. wird der Neonazi-Gruppierung „Freie Nationalisten Siegerland“ (FNSI) zugerechnet. Sie arbeitete insbesondere vor den Kommunalwahlen 2009 und unmittelbar danach eng mit der regionalen NPD unter der Regie des inzwischen aus der Partei ausgetretenen Ex-Kreisvorsitzenden Stephan Flug zusammen. St. kandidierte in seinem Heimatort Wilnsdorf bei der Wahl des Gemeinderates 2009 als Listen-Erster für die NPD. Auch bei der Kreistagswahl in Siegen-Wittgenstein trat er für die NPD an. Gemeinsam mit Flug war Alexander St. einem Bericht der „Westfälischen Rundschau“ zufolge auch Veranstalter eines Neonazi-Treffens, bei dem Anfang November 2010 unter anderem Axel Reitz als Redner auftrat.

 

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