von Marc Brandstetter
   

Pro Deutschland startet eigene „Deutschlandfahrt“

Ähnlich wie die NPD plant die rechtspopulistische Splitterpartei pro Deutschland für den Bundestagswahlkampf eine Tour durch die Republik. Mehr als 100 Stationen möchte die Truppe um Parteichef Manfred Rouhs ansteuern. Ihr Kalkül ist so einfach wie bekannt: Gezielte Provokationen sollen den ansonsten selten wahrgenommenen Islamfeinden Aufmerksamkeit sichern.  

Kommenden Mittwoch möchte auch die selbsternannte „Bürgerbewegung pro Deutschland“ mit Volldampf in den Wahlkampf einsteigen. Nachdem die „Hobby-Politiker“ zunächst einige Probleme hatten, die für einen Antritt am 22. September notwendigen Unterstützungsunterschriften zu sammeln, wollen die Wahlkämpfer nun die Zeichen auf Sturm stellen. Ziel der mehr als 100 Stopps umfassenden Tour, die die Islamfeinde an „die dunklen Orte unseres Landes“ führen soll, ist es, der ansonsten kaum wahrnehmbaren Truppe Aufmerksamkeit zu sichern.

Bereits in der Vergangenheit setzte die Splitterpartei auf provokante Veranstaltungen. Einige ihrer Kundgebungen im nordrhein-westfälischen Wahlkampf wurden von Auseinandersetzungen zwischen radikalislamistischen Salafisten und der Polizei begleitet. Zuvor hatten die Teilnehmer u. a. umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt. Mit der NPD hatte sich die Kleinstpartei gar einen „Provokationswettlauf“ geliefert, bei dem für beide Organisationen allerdings nichts Zählbares heraussprang.

Mit ihrer Wahlkampfrundreise tritt pro Deutschland auch in diesem Jahr in Konkurrenz zur NPD, die ihrerseits in diesen Tagen mit ihrem „Flaggschiff“ rund 90 Städte ansteuern will. Wenngleich NPD-Chef Holger Apfel seinen Unterstützern bei jeder Gelegenheit Erfolgsmeldungen verkündet, reiht sich bislang Fehlschlag an Fehlschlag. Während bei der Premiere in Rostock die Lautsprecheranlage ihren Dienst verweigerte, verpasste die „Flaggschiff“-Besatzung in Hamburg ihre eigene Kundgebung. Neumünster wurde aus Zeitgründen gar nicht erst angesteuert und in Bremen löste die Polizei den NPD-Stand auf, noch bevor die Hetzer-Truppe ein Wort gesagt hatte. Offensichtlich waren in der Hansestadt behördliche Auflagen verletzt worden.

Im Gegensatz zur NPD möchte pro Deutschland die eigenen Auftritte nicht auf zentralen Plätzen, sondern vor islamischen Zentren, in der Nähe von Asylbewerberwohnheimen oder Treffpunkten der linken Szene absolvieren. Selbst die Redaktionsstuben einiger linker Zeitungen und Zeitschriften möchten die „Hobby-Politiker“ in ihr Navigationssystem eingeben. Der Startschuss fällt kommenden Mittwoch in Berlin, wo die Reise am 21. September auch enden soll.

Zwischen 9.30 Uhr und 11.30 Uhr möchten die Islamfeinde in Berlin-Hellersdorf demonstrieren, wo die Unterbringungen von Flüchtlingen heftige Diskussionen ausgelöst hat. Dort hat auch die NPD versucht, an den gesellschaftlichen Diskurs anzudocken und die vorhandenen rassistischen Ressentiments für sich zu instrumentalisieren. 50 Personen seien für Mittwoch angekündigt. Laut der taz mobilisiert die Initiative „Hellersdorf hilft Asylbewerbern“ zu Gegenprotesten. Am Donnerstag stehen Parteiangaben zufolge dann das Neue Deutschland, die Junge Welt und die taz auf dem Programm.

Angeblich verteilen pro-Aktivisten im Kiez 20.000 Flugschriften, um die Auftaktkundgebung, bei der Parteichef Manfred Rouhs dabei sein wird, vorzubereiten. Darin wird die bestehenden Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen weitere Nahrung geliefert. Trotzdem legt pro Deutschland großen Wert darauf, dass „Rechtsextremisten“ (ebenso wie „Linksextremisten“) unerwünscht seien. „Spinner und Provokateure“ setzte man umgehend vor die Tür.

Für Mecklenburg-Vorpommern haben die Organisatoren bislang zwei Termine anberaumt. Am 19. September werden die Islamfeinde in Schwerin und Rostock ihr Rednerpult jeweils zwei Mal aufbauen. Eine vollständige Tourübersicht gibt es hier.

Kommentare(13)

Alexander Montag, 19.August 2013, 10:59 Uhr:
Egal, was man PRO vorwerfen kann:
Man kann gar nicht hoch genug einschätzen, dass sie das Problem der Salafisten ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt haben, welches - besonders von der NRW-Regierung - totgeschwiegen wurde und dadurch prächtig gedeihen konnte.
 
Gorm der Alte Montag, 19.August 2013, 15:19 Uhr:
Widerspruch, PRO ob Köln/NRW/Deutschland schürt subtil religiösen Hass, so wie die Katholiban von Gloria.tv oder Kreuz.net. Die letztgenannten Extremisten stehen auch nicht für alle Katholiken. So kenne ich hier im Norden einige Salafisten die strenggläubig UND friedfertig seit Jahren integriert leben mit den Attentätern vom 11.9. nichts gemein haben wollen und seit einigen Monaten wg. der undifferenzierten Sichtweise vieler Deutscher in verständlicher Unsicherheit leben. Das ist den üblen Kampagnen der Rechten gleich welcher Coleur geschuldet und nicht akzeptabel aus meiner Sicht. Millionen von Muslimen haben bei uns eine Heimat gefunden, sehr viele ihrer Interlektuellen beteiligen sich ehrlich am interreligiösem Dialog, arbeiten für ein wechselseitiges Verstehen und ein friedfertiges nachbarschaftliches Miteinander. Das gilt es zu fördern nicht den unterschwelligen oder offenen Hass auf Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln. Es sei an dieser Stelle auch an Nordirland in den 50ger Jahren erinnert. Sowas brauchen wir in Mitteleuropa nicht mehr und für einige doch eher wenige militante Extremisten haben wir den VS und den Staatsschutz der Polizei da braucht es solche Scharfmacher von Rechts welcher Art auch immer nicht, weder von der NPD noch von PRO noch von den Identitären.
 
herbert müller Montag, 19.August 2013, 16:02 Uhr:
Pro Deutschland ist die einzige Partei, welche über den Islamismus aufklärt und sich wirklich um das Wohl und die Sicherheit der Bevölkerung kümmert
All die linken Schreihälse, welche glauben den Islamismus verteidigen zu müssen, wären sehr schnell hinter Schloss und Riegel würden diese wie in Ägypten an die macht kommen.
Deswegen alle Hochachtung vor Pro Deutschland welche die Probleme anspricht , wozu die anderen zu feig sind.
 
Roichi Montag, 19.August 2013, 19:48 Uhr:
@ Alexander

Naja, bei Leuten wie dir mag das ziehen.
Bei Menschen, die ein wenig mehr Ahnung haben fällt auf, dass die Prolls nur Provokation betreiben und nebenbei noch ganz tief im rechten Sumpf wühlen.
Mehr konnten und können sie nicht.

Mal sehen, was sie in Hellersdorf so auf die Beine stellen.
Ich geh da mal hin und guck mir das an.
 
M.Brandstetter Dienstag, 20.August 2013, 09:22 Uhr:
Sehr geehrter Herr Faust,

dann stelle ich Ihnen die Frage, warum die Hamburger Kundgebung verlegt wurde. Wie mir die Einsatzleiterin in Bergedorf versicherte, sei dies geschehen, da der NPD-Wahlkmapftross die Innenstadt nur mit erheblicher Verspätung erreicht hätte. Damit platzte die ursprüngliche Veranstaltung - (auch) wegen einer desolaten Organisation.

In Bergedorf sprachen die NPD-Vertreter zwischen 30 und 40 Minuten. Im nahliegenden Cafe und um den Kundgebungsort hatten sich nach meiner Zählung (ich war vor Ort) ca. 40 Personen versammelt, von denen sich mindestens zwei Drittel als Gegner Ihrer Partei zu erkennen gaben und laut ("Nazis raus") ihren Unmut äußerten.

Wenn Sie also eine kurze Ersatzveranstaltung am Stadtrand als Erfog verbuchen möchten, dann gerne. Glaubhaft werden Sie dadurch nicht. Aber die NPD-Durchhalteparolen sind ja bekannt.
 
Seltener_Gast Mittwoch, 21.August 2013, 05:22 Uhr:
Einer kleinen Partei, der jeder Zugang zu den Medien versperrt ist, deren Vertreter weder im Fernsehen auftreten, noch in den Printmedien objektiv zu Wort kommen dürfen, bleibt als letztes Mittel nur noch die (friedliche) Provokation, um auf ihre Anliegen aufmerksam machen zu können. Wer ihnen selbst das verwehren will, wäre besser in Diktaturen wie Weißrußland oder Nordkorea aufgehoben. Aber vielleicht steuert ja inzwischen dieser angeblich "freieste und demokratischste deutsche Staat" genau dorthin...
 
Zipfelmütz Mittwoch, 21.August 2013, 08:22 Uhr:
@Gast
"....Wer ihnen selbst das verwehren will, wäre besser in Diktaturen wie Weißrußland oder Nordkorea aufgehoben. Aber vielleicht steuert ja inzwischen dieser angeblich "freieste und demokratischste deutsche Staat" genau dorthin..."
Wer untersagt diesen Spinnern irgendwas?
Und gerade weil wir hier keine Diktatur haben, müssen die Herrn damit rechnen, dass es auch andere Meinungen gibt, und da bin ich ganz optimistisch, diese den Herren auch kundgetan wird.
 
Roichi Mittwoch, 21.August 2013, 10:25 Uhr:
Kleiner Zwischenstand vom Auftakt.
Die PROlls haben erfolgreich ein paar Büsche und den Asphalt einer Kreuzung bequatscht, sie nicht zu wählen.

Das war ja mal echt eine peinliche Veranstaltung.
 
Seltener_Gast Mittwoch, 21.August 2013, 10:55 Uhr:
@Zipfelmütz
wer am lautesten schreit, hat nicht immer recht. Und das linke Spektrum ist dasjenige, welches immer am lautesten schreit und herumkrakeelt. Wozu eigentlich? Wenn Linke auf Provokationen so reagieren, dann bedeutet dies doch, daß sie ihrer Sache doch nicht so sicher sind, wie sie immer behaupten, daß sie nicht so souverän sind, wie sie scheinen und daß sie innerlich den Rechten vielleicht doch heimlich zustimmen, dies aber nicht zugeben können. Daher kommen dann diese aggressiven, wütenden und dünnhäutigen Reaktionen auf solche "Provokationen".
 
Amtsträger Mittwoch, 21.August 2013, 12:50 Uhr:
Lieber "Gast",

"wer am lautesten schreit, hat nicht immer recht..."

Bei dem Satz musste ich spontan an die vielen rechtsextremen Wortbeiträge bei Versammlungen denken, die ich hören musste.

Daraus soll ich jetzt Ihren Schluss ziehen?
 
Zipfelmütz Mittwoch, 21.August 2013, 13:09 Uhr:
@Gast
man, man, so heiß ist es doch draußen garnicht....

"...daß sie nicht so souverän sind, wie sie scheinen und daß sie innerlich den Rechten vielleicht doch heimlich zustimmen, dies aber nicht zugeben können..."

Ja, natürlich doch "tätschel"
Aber um mal auf deine Behauptung zurück zu kommen
"Wer ihnen selbst das verwehren will"
Was wird den Pro-Hanseln verwehrt?
 
Roichi Mittwoch, 21.August 2013, 20:10 Uhr:
@ Gast

Außer deinen absurden Schlussfolgerungen hast du aber auch wirklich nichts anzubringen.
So wird das aber nichts mit "recht haben", oder zumindest argumentieren.
Übrigens, warum schreit Pastörs eigentlich immer so?
 
John Donnerstag, 22.August 2013, 07:42 Uhr:
@Roichi

"Übrigens, warum schreit Pastörs eigentlich immer so?"

Ich muss dabei immer wieder an den grotesken Pastörs Auftritt in Wolgast denken, wo traditionell die Technik versagte. Sudel-Udo glänzte dort mit der Aussage "Eine deutsche Stimme braucht kein Mikrofon". Hammer :)
 

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