von Marc Brandstetter
   

Priebke-Geburtstag: Neonazis liefern sich Scharmützel mit Gegendemonstranten und Polizei

Die Neonazi-Szene hat zum 100. Geburtstag des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke zahlreiche Aktionen geplant. In Saarbrücken wollten Aktivisten vor das italienische Konsulat ziehen, was Gegendemonstranten allerdings verhinderten. In der Innenstadt kam es daraufhin zu Zusammenstößen. Unterdessen wurden auch aus Rom Rangeleien gemeldet.

Bereits frühzeitig hatten die Gegendemonstranten den Plänen des „Freundeskreises-Erich-Priebke“ und der „Kameradschaft Zweibrücken“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Neonazis wollten nämlich vor dem italienischen Konsulat in Saarbrücken auf das Schicksal des nach ihrer Lesart „letzten Kriegsgefangenen“ aufmerksam zu machen. Der ehemalige SS-Offizier Erich Priebke steht in Rom unter Hausarrest, ein Militärgericht hatte ihn in den neunziger Jahren für schuldig befunden, an der Erschießung von Zivilisten beteiligt gewesen zu sein, was der 100-Jährige eingeräumt hatte. Aufgrund seines Gesundheitszustandes verbüßt der verurteilte Mörder die Strafe allerdings nicht hinter Gittern, sondern unter Arrest, in dem er einige Freiheiten wie Spaziergänge oder die Arbeit im Büro seines Anwaltes genießen kann.

Vor dem Konsularbüro in der saarländischen Hauptstadt fanden sich gegen 13.00 Uhr rund 120 Personen zu einer „spontanen Versammlung“ ein. Der ähnlich wie in Rostock – Eier auf den Neonazi-Trupp geworfen haben, der auf Rat des Einsatzleiters gerade den Weg zum nahen Hauptbahnhof angetreten hatte. Als Polizeibeamte einschritten, soll der Mann auch diese geschlagen haben. Nicht die einzige Konfrontation an diesem Tage – laut Saarbrücker Zeitung fanden noch weitere Scharmützel statt. Die Rechtsextremisten wurden schließlich in einem Bus unter Polizeischutz abtransportiert.

Trotzdem feiert die Szene ihre Propagandaaktion als „Erfolg“. Christian Hehl, Landesvorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen NPD, teilte über Facebook mit, es seien 1.000 Flugblätter verteilt und Gespräche mit „interessierten Bürgern“ geführt worden. An anderer Stelle trägt der einstige Aktivist des verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerkes dick auf: „Trotz vielfacher Übermacht“ sei „durch ein geschlossenes Auftreten der feige Angriff von rund 200 Linksextremisten“ abgewehrt worden. Doch dieser „Heldenmut“ wird selbst von den eigenen „Kameraden“ relativiert. Der „Freundeskreis-Eich-Priebke“ schreibt in einem auf dem rechtsextremistischen Internetportal „Altermedia“ veröffentlichten Bericht: „Selbst ein halbherziger Konfrontationsversuch kam nicht über spätpubertäre Verbalattacken und harmlose Rempeleien mit der Polizei hinaus.“  

Die saarländische NPD – momentan ohnehin weitgehend inaktiv – hielt sich mit einer Teilnahme zurück. Kein Wunder: Berichten Beobachter doch, dass nach dem niederschmetternden Wahlergebnis von 1,2 Prozent das Verhältnis des von NPD-Generalsekretär Peter Marx geleiteten Landesverbandes zu den „Freien Kräften“ deutlich abgekühlt sein soll. Dafür waren Vertreter der NPD Rheinland-Pfalz vor Ort, die einen engen Schulterschluss mit den militanten Kameradschaften pflegen.  

In Rom kam es vor dem Haus von Priebe ebenfalls zu Tumulten. Sieben Neonazis wurden laut N 24 in der italienischen Hauptstadt festgenommen, da sie an einer „nichtgenehmigten Demonstration“ teilgenommen hätten. Die Anwesenheit eines Verwandten, der mit einer Champagner-Flasche auf den Geburtstag des SS-Schergen anstoßen wollte, löste weitere Handgreiflichkeiten aus. Die Carabinieri brachten den Mann in einem Auto aus dem Gefahrenbereich.

Kommentare(1)

Philipp Weis Mittwoch, 31.Juli 2013, 10:26 Uhr:
Freundschaft,

ich war bei der Spontankundgebung vor Ort. Die war tatsächlich sehr spontan, da die Mahnwache erst Samstags öffentlich bekannt wurde und somit eine formelle Anmeldung nicht möglich gewesen wäre.

Auch ohne die Antifa Saar besonders zu mögen muss man konstatieren, dass sie extrem gut mobilisiert hat. Hilfe gab es auch von der gut vernetzten Facebook-Seite des alternativ geprägten Nauwieser Viertels in Saarbrücken. Als Jusos haben wir es dann noch mit einer Terminankündigung in die Presse geschaft. Das alles zusammen hat eine - für Saarländische Verhältnisse - recht große Zahl von Demonstranten angelockt.

Bei der Spontanversammlung am Konsulat habe ich 150 bis 200 Personen gesehen.

Die saarländischen Neo-Nazis sind übrigens abend noch in gleicher Besetzung in Trier aufgeschlagen. Dort waren dann auch weitere Neo-Nazis aus der Westpfalz. Das korrespondiert mit der Info aus der SZ, dass das Grüppchen in Burbach in einen Zug gestiegen sein soll.

Liebe Grüße,
@PhilippWeis
 

Die Diskussion wurde geschlossen