von Oliver Cruzcampo
   

Polizei verhindert Aktion der Identitären in Greifswald

Konspirativ planen Mitglieder der Identitären Bewegung für gewöhnlich ihre flashmobartigen Vorhaben, so werden Gegenproteste und eine mögliche Strafverfolgung umgangen. Heute misslang jedoch ein Plan in Greifswald. Sechs Personen wurden in flagranti von der Polizei erwischt, auf die Rechtsextremen kommen nun Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zu.

Die Ausbeute der heutigen Aktion der Identitären war lediglich eine Anzeige durch die Polizei; Symbolfoto

Gegen 10 Uhr hätten am Donnerstagvormittag sechs Personen der Identitären Bewegung in der Hansestadt Greifswald versucht, ein Banner am alten Speicher in Greifswald aufzuhängen. Doch die Polizei ertappte die IB-Mitglieder auf frischer Tat, noch bevor das Transparent entrollt werden konnte. Laut Pressemitteilung der Polizei erwartet die sechs Personen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren nun nicht nur eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, auch der Verdacht des Hausfriedensbruchs werde geprüft.

Die eigentichen Aktionen führt die Identitäre Bewegung häufig im Verborgenen durch, erst durch die Verbreitung in den sozialen Netzwerken macht die medienaffine Gruppierung darauf aufmerksam. Doch bereits letzten Sommer scheiterte anfangs ein Vorhaben der Rechtsextremen in Schwerin. Dort sollte vor der Staatskanzlei ein Autowrack abgestellt werden, die Schweriner Volkszeitung bekam jedoch Wind davon, die Identitären bliesen ihr Vorhaben ab. Allerdings konnte die Truppe um den Landesvorsitzenden Hannes Krünägel das Wrack nur einen Tag später dort abstellen. Die Aktion warf kein gutes Licht auf die Polizei, deren nächste Station nur wenige Meter entfernt war und trotz „Vorankündigung“ nicht unterbunden werden konnte.

Dünne Personaldecke

Das heutige Vorhaben sollte anhand eines Banners wohl die Aufmerksamkeit auf Ernst Moritz Arndt lenken, bereits vor knapp einem Jahr thematisierten die Identitären den umstrittenen Namenspatron der Universität Greifswald. Noch bis morgen läuft an der Einrichtung eine Urabstimmung über den Namenszusatz. Im Februar 2016 fand in der Hansestadt bereits eine Demonstration statt, organisiert von einer rechten Bürgerinitiative und unterstützt von der AfD. An der Veranstaltung beteiligten sich neben Rednern der AfD auch Kader der NPD und IB.

Die IB-Gliederung aus dem Nordosten befindet sich seit einigen Monaten im Winterschlaf. Die Frequenz der Aktionen ging deutlich zurück, ein Indiz auf die dünne Personaldecke der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe. In Rostock können IB-Kader seit Längerem auf eine Immobilie zurückgreifen, die ein Aktivist angemietet hat und als Rückzugsraum dient. Dagegen macht seit einigen Monaten eine Gruppierung namens „Résistance“ mobil und fordert deren Schließung.

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