von Oliver Cruzcampo
   

Politikverdrossenheit bei der NPD? NPD-Spitzenmann Bräuniger erklärt Parteiaustritt

Gestern war es zuerst nur ein Gerücht, am späten Abend kam die Bestätigung über die Facebook-Seite von Holger Apfel: Eckart Bräuniger, langjähriger NPD-Führungskader, ist aus der NPD ausgetreten. Was den einstigen Geschäftsführer der Deutschen Stimme zu diesem Schritt bewog, ist unklar – verschiedene Versionen machen die Runde. Bräuniger hingegen schweigt.

Der Aderlass der NPD geht weiter. Wie am Rande des gemeinsamen Neujahrsempfangs der NPD-Fraktionen von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, der in diesem Jahr unter konspirativen Umständen in Schwerin stattfand, bekannt wurde, hat der langjährige Parteispitzenfunktionär Eckart Bräuniger die NPD verlassen. Nach Angaben von Parteichef Holger Apfel, der auf seiner Facebookseite zu dem Gerücht zähneknirschend Stellung genommen hat, wolle sich Bräuniger „ohne Krach, ohne Aufsehen, ohne Zwist“ ins Privatleben zurückziehen. Er habe der NPD mitgeteilt, nach „über 20 Jahren persönlichen Einsatzes“ fühle er sich „dauerhaft gesundheitlich angeschlagen, zum Thema Politik erschöpft und innerlich ausgebrannt“. Politikverdrossenheit à la NPD sozusagen. Eine Stellungnahme von Bräuniger steht bislang noch aus. 

Der ehemalige Berliner Landesvorsitzende galt selbst in der NPD als „harter Hund“ und war dem Hardliner-Flügel zuzuordnen. Bevor er bei der NPD anheuerte, war er bei der verbotenen, neonazistischen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) aktiv. Weitere Sporen verdiente sich der 41-Jährige als Söldner im Balkan-Krieg.

Zuletzt zog er als Geschäftsführer die Fäden des angeschlagenen Deutsche Stimme-Verlages. Mit der Sanierung war der Neonazi, der im Machtkampf Apfel versus Voigt trotz seines neonationalsozialistischen Vorlaufes den „gemäßigteren“ Herausforderer Apfel unterstützte, offensichtlich überfordert – er konnte das sinkende Schiff nicht mehr auf Kurs bringen und musste seinen Hut nehmen: Der Verlag schrieb 2010 rote Zahlen, die Bilanz wies ein Minus von satten 35.000 Euro aus. Nach dem Bräuniger-Debakel liegt die Verantwortung nun in den Händen des sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Andreas Storr und des Fraktionsmitarbeiters Peter Schreiber. Damit baut das heimliche Machtzentrum der NPD, die Dresdner Parlamentsfraktion, ihren Einfluss auf die DS deutlich aus.

Wie die braune Hetzseite „Altermedia“ berichtet, sei die Abberufung bei Holger Apfel auf Wohlwollen gestoßen. Der sächsische Fraktionsvorsitzende habe Bräuniger als „unzuverlässig, wankelmütig und gewalttätig“ eingestuft. Ferner habe das Parteiurgestein mit seiner „unverantwortlichen Ausgabenpolitik dem Verlag und damit der Partei schweren Schaden zugefügt und die ohnehin schon schwierige Situation weiter verschärft.“ „Altermedia“ beruft sich auf Informationen, die aus einem NPD-Landesverband zugesandt worden seien. Vor diesem Hintergrund – und falls die Angaben der Wahrheit entsprächen – sind Apfels Worte, der Austritt Bräunigers mache ihn „traurig“ und dem „Kameraden“ stehe „die Tür immer offen“ kaum glaubhaft. 

Auch hierzu nimmt Apfel Stellung. Die Aussagen wären „ohne Überprüfung der Authentizität“ von einer „für ihre Desinformation berüchtigten Netzseite“ (gemeint ist „Altermedia“, die Red.) „wohlwissend, daß dortiger Szenetratsch nur allzu gern von linken Schmierfinken aufgegriffen wird“, veröffentlicht worden. Dabei passe zwischen ihn und Bräuniger kein Stück Papier, sie verbinde ein „freundschaftliches Verhältnis“. Eine solche Unterstellung entbehre jeder Grundlage und sei „ein allzu offensichtlich gesteuerter Akt der Zersetzungsarbeit. Seid also wachsam, wenn irgendwelche Latrinenparolen verbreitet werden, gebt Spitzeln, Spaltern und Provokateuren keine Chance!“

Erwartungsgemäß geht es bei „Altermedia“ in den Kommentarspalten hoch her. Ein User meint „Der VS zieht halt seine Leute ab, mehr nicht“, was von anderen aufs Heftigste bestritten wird. Bräuniger sei sogar „der beste Landesvorsitzende, den die NPD jemals hatte“ gewesen. Vielmehr wird Holger Apfel angegriffen, er habe die NPD in die „schwerste Krise seit 40 Jahren manövriert“. Die Partei einwickele sich zurück, in machen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt habe sie kaum noch Kräfte. Der Kommentator „Trinkaus“ hält Apfel für den „Totengräber der NPD“. Man brauche keine weitere Systempartei auf Weichspülkurs, heißt es dazu. 

Kommentare(20)

Don Geraldo Dienstag, 08.Januar 2013, 08:53 Uhr:
War Bräuninger nicht einer der radikalsten Verbalextremisten, dessen Äußerungen immer wieder die VS-Berichte zierten ?
Wahrscheinlich spielen seine Äußerungen auch im Verbotsverfahren eine Rolle. Sein Austritt läßt immerhin zwei Interpretationsmöglichkeiten zu:

1.) Ein Hundertprozentiger will seine Partei durch den Austritt schützen.

2.) Ein V-Mann wird abgezogen.

Auf jeden Fall wird man den Verbotsantrag überarbeiten müssen.
 
Roichi Dienstag, 08.Januar 2013, 10:00 Uhr:
@ Don

Wie wäre es den Artikel zu Ende zu lesen, bevor du dort gegebene Zitate von Altermedia einfach wiederholst?

Und wieso sollte der Verbotsantrag überarbeitet werden müssen?
Wenn Aussagen von ihm drin sind, dann wurden diese zu einem Zeitpunkt getätigt, zu dem er eine Parteifunktion hatte.
 
Don Geraldo Dienstag, 08.Januar 2013, 11:19 Uhr:
@ Roichi

Das Verbotsverfahren (ist es eigentlich schon offiziell eingeleitet worden ?) soll die Frage klären, ob von der NPD eine Gefahr für die sogenannte "freiheitich-demokratische Grundordnung" ausgeht. Was auch immer von Bräuninger in Zukunft ausgeht oder mal ausging, die NPD von heute kann man dafür nicht verantwortlich machen.

Daher ist der Verbotsantrag auf jeden Fall zu überarbeiten, wenn darin Äußerungen zu finden sind, die der heutigen NPD nicht zuzuordnen sind.
 
Dennis Dienstag, 08.Januar 2013, 11:36 Uhr:
@Don:

Es gibt auch noch eine dritte Möglichkeit.
Vielleicht hat er einfach erkannt, dass die gesamte Nazi-Ideologie einfach nur Schwachsinn ist.
 
Dieter Dienstag, 08.Januar 2013, 12:45 Uhr:
Warum,Weshalb,Weswegen? Seit doch froh das er gegangen ist! Er wird vielen fehlen,seinen Freunden und seinen Feinden!Stellt euch vor wenn alle gehen!
 
bc Dienstag, 08.Januar 2013, 13:03 Uhr:
@don geraldo
"Was auch immer von Bräuninger in Zukunft ausgeht oder mal ausging, die NPD von heute kann man dafür nicht verantwortlich machen."

wunschdenken? fuer die zukunft keine frage. fuer die vergangenheit wird es natuerlich wie immer vom einzelfall abhaengen. prinzipiell ist es ja nicht die NPD, die braeuniger ausgeschlossen hat, weil er zu verfassungsfeindlich ist. vor diesem hintergrund und vor dem hintergrund seiner fuehrungsposition/funktion waeren moegliche aktivitaeten sicher durchaus relevant.
 
Roichi Dienstag, 08.Januar 2013, 13:21 Uhr:
@ Don

Das Verbotsverfahren ist noch nicht eingeleitet.
Deine Begründung, warum jetzt die Aussagen eines Funktionärs in seiner aktiven Zeit nicht herangezogen werden dürften ist allerdings nicht wirklich stichhaltig.
Demnach wäre die Partei allein eine Summe ihrer Mitglieder. Sie ist allerdings mehr als das. Und die Duldung, bzw. Zustimmung zu gewissen Aussagen kann auch Aufshcluss über den Wesensgehalt der Partei als Ganzes geben.
Da zählen dann auch Aussagen von ehemaligen Funktionären in ihrer aktiven Zeit dazu.
 
Don Geraldo Dienstag, 08.Januar 2013, 14:13 Uhr:
@ Dennis

Das wäre vielleicht bei einem Mitläufer möglich, aber nicht bei einem Hardcore-Adolfinger wie Bräuninger.
 
JayBee Dienstag, 08.Januar 2013, 14:31 Uhr:
@ Don Geraldo

"Was auch immer von Bräuninger in Zukunft ausgeht oder mal ausging, die NPD von heute kann man dafür nicht verantwortlich machen."

Eben nicht. Alles was er als Funktionär der NPD getan hat, bleibt relevant, da er es ja als Funktionär der NPD getan hat. Nicht mehr von Relevanz wären hingegen die Dinge, die er jetzt tut, insofern stimmt nur der erste Teil deines Satzes.
Aber das hatte roichi ja auch schon versucht, Dir klarzumachen.
 
Karl_Murx Dienstag, 08.Januar 2013, 23:02 Uhr:
@Don Geraldo

"Sein Austritt läßt immerhin zwei Interpretationsmöglichkeiten zu:

1.) Ein Hundertprozentiger will seine Partei durch den Austritt schützen.

2.) Ein V-Mann wird abgezogen."

Die Frage scheint mir in diesem Artikel schon beantwortet:


@Zitat Altermedia:

"Ein User meint „Der VS zieht halt seine Leute ab, mehr nicht“"

Das dürfte wohl auch demnächst der Weg für V-Leute in den NPD-Führungsgremien sein, sich elegant zu verabschieden.
 
paul.pa Mittwoch, 09.Januar 2013, 00:29 Uhr:
Ich glaube nicht, dass Herr Br. so bedeutsam für die NPD gewesen ist. Er schien doch einem guten Trunk nicht so ganz abgeneigt gewesen zu sein, was vielleicht ja einiges erklärt.
 
Roichi Mittwoch, 09.Januar 2013, 10:50 Uhr:
@ Karl

Du glaubst also alles, was irgendwer als Kommentar auf Altermedia hinterlässt, solange es nur in dein Weltbild passt.
Etwas einfältig, meinst du nicht?


@ Paul

Du kannst also deinen Glauben nicht weiter begründen, führst ihn aber als Ausrede an.
Etwas schwach.
 
bc Mittwoch, 09.Januar 2013, 12:50 Uhr:
beim thema v-mann fuehlt sich hier jemand zum experten berufen? who knows why... ;o)
 
nur mal angemerkt Mittwoch, 09.Januar 2013, 12:58 Uhr:
@roichi
Du glaubst also alles, was irgendwer als Kommentar auf ER hinterlässt, solange es nur in dein Weltbild passt.
Etwas einfältig, meinst du nicht?
 
bc Mittwoch, 09.Januar 2013, 13:50 Uhr:
@nur mal angemerkt
roichi hatte einen konkreten anlass. sie sind hingegen vermeintlich originell.
nachvolziehbare zusammenhaenge braucht es da nicht.
schoen dass sie uns so zeugnis ihrer witzschichkeit liefern.
hat noch jemand einen beitrag zum thema einfalt?
 
Paul.Pa. Mittwoch, 09.Januar 2013, 17:36 Uhr:
@Roichi
wieso Ausrede? Was habe ich bitte schön mit diesem Herrn zu tun?
Ich beantworte Ihnen meine Frage gerne.
Genauso wenig wie mit Ihnen.
Allerdings wurde diese Tatsache, die ich wieder gegeben habe auf verschiedenen "rechten"Blogs unwidersprochen kolportiert.
So einfach ist das.
 
John Mittwoch, 09.Januar 2013, 19:28 Uhr:
Köstlich Kalle, dass Du dich auf irgendwelche braune Kommentatoren auf altermedia verlässt - ein weiterer tiefer Einblick in die Qualität der Quellen, mit denen Du dir dein Gaga-Weltbild erklärst. Rundet das Bild gerade ziemlich ab...
 
Roichi Mittwoch, 09.Januar 2013, 22:58 Uhr:
@ bc

Danke.
Erspart mir einen Kommentar diesbezüglich.


@ Paul

"wieso Ausrede? "

Weil du seine Bedeutung herunterspielen willst, indem du auf sein Trinkverhalten abstellst, sonst aber nichts für deinen Glauben einer geringen Bedeutung vorbringen kannst.
Vielmehr war er Spitzenfunktionär. Das wird man nicht einfach so. Auch nicht in der NPD.
Deine Erwähnung des Trinkverhaltens kann also nur eine Ausrede sein, um die Bedeutung seines Abgangs zu verringern.
Ob diese Information jetzt aus Blogs, Kommentaren, oder woher auch immer stammt, sie ist hier einfach unerheblich.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen.
 
nur mal angemerkt Donnerstag, 10.Januar 2013, 19:00 Uhr:
@bc
"hat noch jemand einen beitrag zum thema einfalt?"
ja, wie immer der bc!
 
WW Donnerstag, 10.Januar 2013, 23:44 Uhr:
angemerkt, eine stupide Retourkutsche ist zwar nicht komisch, beantwortet aber immerhin die Frage von BC.
 

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