von Tim Schulz
   

Plauen: Fackelmarsch an Gedenktag

Am Montagabend zog der Dritte Weg erneut durch das vogtländische Plauen. Der Neonazi-Aufmarsch sorgte schon im Vorfeld für Aufsehen, da eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Deportation der Plauener Juden aufgrund von Sicherheitsbedenken abgesagt werden musste. Letztlich folgten dem Aufruf der Kleinstpartei nur etwa 150 Personen, während der Gegenprotest mindestens doppelt so viele Menschen auf die Straße brachte. Trotzdem drohen die Rechtsextremisten an Einfluss in der Region zu gewinnen und auch „Normalbürger“ schließen sich ihnen zunehmend an.

Etwa 150 Teilnehmer marschierten die kurze Strecke durch Plauen, Foto: Tim Mönch

Im üblichen Pathos kündigte der Dritte Weg vor einigen Wochen einen Aufmarsch in Plauen an. Man wolle ein Zeichen setzen gegen „Überfremdung“ und Kriminalität, von einem „Feuersturm“, der „dieses Volk erwachen lässt“, ist die Rede. Ob der neonazistische Fackelmarsch allerdings diesem Anspruch gerecht wurde, ist mehr als fraglich. Gerade einmal etwa 150 Teilnehmer versammelten sich am Montagabend in der Plauener Innenstadt. Neben den Reisekadern Tony Gentsch und Matthias Fischer beteiligten sich auch thüringische und sächsische Parteigänger wie Michel Fischer, der zuvor im Umfeld von Die Rechte aktiv war. 

Holocaust-Gedenken weicht rechtsextremem Aufmarsch

Außerhalb der Regionalpresse wäre die Neonazi-Demonstration wohl eine Randnotiz geblieben - wäre da nicht das historische Datum. Der 29. Oktober ist nicht nur der Geburtstag von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, sondern markiert auch die Deportation dutzender jüdisch-polnischer Familien aus der vogtländischen Stadt. Eine Gedenkveranstaltung, auf der Schüler die Namen der Opfer der sogenannten Polenaktion verlesen sollten, wurde kurzerhand abgesagt. Zu brisant sei die Sicherheitssituation angesichts der militanten Rechtsextremisten. Eine Intervention des Plauener Oberbürgermeisters Ralf Oberdorfer blieb erfolglos. Der zuständige Landrat lehnte ein Verbot des Aufmarsches mangels Rechtsgrundlage ab.

Einen historischen Bezug wollte Versammlungsleiter Tony Gentsch derweil nicht sehen. Dass die Partei nicht wie üblich am Wochenende aufmarschiere, sei reiner Zufall. Ganz verkneifen konnte man sich die einschlägigen Anspielungen angesichts des speziellen Datums wohl aber trotzdem nicht. So hieß es von Matthias Fischer, Leiter des „Gebietsverbands Mitte“, in Richtung der Gegendemonstranten, diese würden „erst das Schreien und Winseln anfangen, wenn der Zug bereits abgefahren ist“. 

„Besorgte Bürger“ und Neonazis

Der rechtsextreme Auflauf zog allerdings nicht nur die regionale Neonazi-Szene an, sondern auch Viele, die zumindest äußerlich einen bürgerlichen Eindruck machten. Kein Einzelfall: Bereits bei einer Demonstration der Partei am 1. September - kurz nach den Ausschreitungen in Chemnitz - marschierten auffällig viele, scheinbar normale Bürger an der Seite der militanten Neonazis. An die 800 Teilnehmer brachte der Dritte Weg damals auf die Straße - ein Zulauf der sonst massive bundesweite Mobilisierung erfordert.

Dass man am Montag nicht „die Zahlen hatte“, wie Gentsch monierte, darf nicht über die wachsende Verankerung der Partei im Vogtland hinwegtäuschen. Spätestens mit der Eröffnung des ersten und bisher einzigen Parteibüros der neonazistischen Gruppierung in Plauen nahmen deren Aktivitäten in der Region deutlich zu. Und anscheinend auch deren Anschlussfähigkeit in der Bürgerschaft. Selbst einige Kinder würden die Rechtsextremisten mittlerweile kennen und ihnen sogar zujubeln, schildert einer der Redner des Gegenprotests.

Punk-Konzert für den Dritten Weg

Gegen den rechtsextremen Aufmarsch mobilisierten gleich mehrere Initiativen. Auf einer Kundgebung unter dem Motto „Nie wieder Faschismus“ wurde neben Redebeiträgen auch eine Gedenk-Aktion für die deportierten Juden und Jüdinnen abgehalten. Etwa 150 Personen beteiligten sich. Zusammen mit Teilnehmern einer Kundgebung des „Runden Tisch“, eines lokalen Demokratie-Bündnisses, sorgten diese für lautstarken Protest in direkter Nähe zum rechtsextremen Aufzug. Bis zu 500 Demonstranten übertönten schließlich die Endkundgebung des Dritten Weges mit Punk-Klassikern und Sprechchören. Den eigenen Wutreden konnten die Neonazis so kaum folgen.

Kommentare(1)

Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 31.Oktober 2018, 08:43 Uhr:
So wie man nun agiert hat in Plauen, aus Angst vor den Nazis eine Gedenkfeier zum
Gedenktag abzusagen, so wundert es mich für Plauen ohnehin nicht.
Ähnlicher Erfahrungen konnte ich dort auch machen. Aber nicht nur dort, Zwickau, Greiz und Gera ebenso.
Im Saarland hatten die Schulen sogar Angst vor mir und meinen Projekten!
Es ist einfach nur noch mehr als peinlich!
 

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