Pegidas Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

Im Internet kursieren Gerüchte über eine Sommerpause von Pegida ab Anfang Juni. Während die Ableger gescheitert sind, gehen bei der Mutterorganisation die Teilnehmerzahlen seit Wochen weiter zurück. Für die Gründer angeblich kein Grund, die Spaziergänge einzustellen.

Donnerstag, 21. Mai 2015
Redaktion
Pegida- Am Ende
Pegida- Am Ende
Seit Oktober des vergangenen Jahres ziehen die Anhänger von Pegida durch die Straßen der sächsischen Landeshauptstadt und konnten zu Hochzeiten rund 25.000 „Spaziergänger“ mobilisieren. Damit soll bald Schluss sein, verkündet Götz Kubitschek, der bei zahlreichen Veranstaltungen der Asylkritiker als Redner auftrat. In einem Online-Artikel der Sezession, deren Chefredakteur Kubitschek ist, stellt er fest: „Man kann nicht über den Sommer hinweg spazierengehen, es wird eine Pause geben müssen und zuvor einen großen Abschluss.“ Dieser Abschluss soll ein großes Sommerfest während der Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni sein, bei der Pegida mit der ehemaligen AfD-Politikerin Tatjana Festerling antritt. Radikalisierung führt zu weniger Teilnehmern Einen weiteren Grund für das geplante Aus nennt Kubitschek nicht. Klar ist, dass es seit längerem Diskussionen über die Zukunft von Pegida gibt und immer mehr Teilnehmer ein neues Konzept fordern. Es liegt außerdem die Vermutung nahe, dass Bachmann und Co. einem Ende durch eine verlorene Wahl oder fehlende Teilnehmer entgehen wollen. Nach der Abspaltung von Kathrin Oertel und weiteren Mitgliedern des „Orgateams“ im Januar waren die Teilnehmerzahlen kontinuierlich zurückgegangen. Ein Besuch des Rechtspopulisten Geert Wilders sollte Mitte April für neuen Aufwind sorgen. Doch konnte sein Auftritt nur 10.000 statt den erhofften 30.000 Besucher anlocken. Mittlerweile gehen jede Woche rund 3.000 Menschen für Pegida auf die Straße, so die Sächsische Zeitung. Auch die weitere Radikalisierung nach Rechts sorgte bei vielen „Spaziergängern“ für Zweifel. Vergangene Woche sorgte Siegfried Däbritz, seit Beginn Mitglied des Pegida-Orgateams, für einen Eklat, als er für ein Erinnerungsfoto mit NPD-Chef Fank Franz und dem Ex-NPD-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer posierte. Außerhalb Dresdens kein Anklang Hinzu kommt, dass die Ableger von Pegida in fast allen anderen Städten bereits gescheitert sind. Die „Bewegung“ ist fast vollständig aus den Medien verschwunden und kann nur in Einzelfällen mehr als 200 Teilnehmer mobilisieren. In Leipzig legt Legida seit Anfang Mai eine vier-wöchige Pause ein. Zuletzt waren zu den Märschen noch rund 300 Menschen erschienen, von denen viele der rechtsextremen Szene in der Region angehören. Nach der Pause soll es laut einer Facebookmeldung bis Oktober im monatlichen Takt weitergehen, anschließend angeblich wieder wöchentlich. Der Ableger „Pegida Chemnitz-Erzgebirge“ versucht, durch „Spaziergänge“ in Chemnitz und verschiedenen Kleinstädten der Region nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Wie die Freie Presse berichtet, gelingt es aber dadurch nicht, mehr als 200 Menschen zu mobilisieren. Eine ähnliche Strategie verfolgte Mvgida, die mit einer Kundgebung aller vier Wochen in verschiedenen Orten Mecklenburg-Vorpommerns Sympathisanten gewinnen wollten. Bei der letzten Veranstaltung Ende April kamen allerdings nur 200 Menschen. Wann die nächste Aktion stattfinden soll, ist unklar. Auch in München, Nürnberg oder Würzburg ist die Anhängerzahl auf diesem Niveau. Am vergangenen Montag sahen sich in Stuttgart 200 Islamkritiker mit rund 4.000 Gegendemonstranten konfrontiert. In Köln wurde am Mittwoch Abend sogar die Demonstration abgesagt, da nur elf Sympathisanten erschienen. Pegida dementiert Die „Köpfe“ der Mutterorganisation sehen ihr Ende noch nicht gekommen. Über Facebook verkündet das „Orgateam“, es plane nicht, das Handtuch zu werfen. „Und sollten wir jemals über so etwas nachdenken, dann erfahrt ihr es hier und nicht aus der Presse.“ Offensichtlich sind sich Kubitschek und das Orgateam uneinig oder haben sich, was die Veröffentlichung der Pläne zur Sommerpause angeht, nicht abgesprochen. Vermutlich hat das „Orgateam“ eingesehen, dass die Ankündigung des Endes mitten im OB-Wahlkampf nicht vorteilhaft ist, wenn Festerling neue Stimmen gewinnen will. Wie es tatsächlich mit Pegida weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Freie Presse weiß aber zu berichten, dass der Stadt Dresden nur noch für den 25. Mai die Anmeldung einer Kundgebung vorliegt.
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