von Oliver Cruzcampo
   

„Pegida-Montage“: AfD meldet Demos in Rostock an

Seit rund zwei Jahren ist das rechte Demogeschehen in Mecklenburg-Vorpommern zum Erliegen gekommen. Das liegt auch im Bedeutungsverlust der NPD, die die Mvgida-Märsche gesteuert hatte. Die entstandene Lücke will nun offenbar die AfD schließen und hat gleich zwei Demonstrationen in Rostock angemeldet. Auf die Straße gehen soll es – wie bei Pegida – jeweils an einem Montagabend.

Die letzte AfD-Demonstration in Rostock fand bereits im Oktober 2015 statt

Die AfD Mecklenburg-Vorpommern will wieder demonstrieren. Sowohl am 12. März als auch am 2. April will der Verband in Rostock zwei Versammlungen durchführen. Das Motto: „Islamisierung stoppen“. Dabei soll es durch den Stadtteil Evershagen gehen. Dort wird seit einiger Zeit über einen Gebetsraum für die Islamische Gemeinde Rostocks debattiert. Seit wenigen Tagen steht jedoch fest, dass die Einrichtung dort nicht entstehen wird, da der Eigentümer die Immobilie anderweitig nutzen möchte.

Die Alternative für Deutschland ficht dies offenbar nicht an. Denn die Demoroute soll genau an dem Gebäude, das schon mehrfach beschädigt und beschmiert wurde, vorbeigehen. Auch die Tage dürften nicht mehr Zufall gewählt worden sein. Jeweils am Montagabend will die Gliederung mit erwarteten 300 Teilnehmern durch die Straßen ziehen – genau wie Mvgida und Pegida.

Die Annäherung der Rechtspopulisten an Pegida ist derzeit omnipräsent. Fast alle ostdeutschen Landesvorsitzenden der AfD finden lobende Worte für die islamfeindliche Gruppierung. „Ich grüße die Pegida“, sagte Björn Höcke kürzlich auf dem Politischen Aschermittwoch und ergänzte: „Ihr seid Teil der Bewegung.“

Auch Parteiführung für Kooperation mit Pegida

Der Landesverband im Nordosten machte Pegida ebenso Avancen und lud in der vergangenen Woche mit Lutz Bachmann und Siegried Däbritz die zwei führenden Köpfe zu Informationsveranstaltungen ein. Der NDR titelte nach dem Besuch des Schweriner Events: „AfD und Pegida beschließen Zusammenarbeit“. Die AfD reagierte mit einer Pressemitteilung und sprach von „Fake News“.

Das Signal ist ohnehin klar: Die Partei will den Druck auch auf der Straße erhöhen und selbst die Parteiführung um Jörg Meuthen und Alexander Gauland fordert mittlerweile eine Aufhebung des Kooperationsverbotes – dabei ist dies längst zur Makulatur geworden. Bert Obereiner, Fraktionsvize in Mecklenburg-Vorpommern, kündigte bereits mehr Demonstrationen an. Der Landtagsabgeordnete, der dem nationalistischen Flügel zuzuordnen ist, nahm in der Vergangenheit bereits mehrfach an rechtsextremen Demonstrationen in Schwerin teil.


Kurzzeitig kam es nach der letzten AfD-Demo in Rostock zu Tumulten

Und auch das Vorgehen der Nordost-Gliederung scheint angepasst und deutlich offensiver geworden zu sein. Weder im Rahmen des Landtags- noch des Bundestagswahlkampfes gab es auch nur eine einzige Demonstration mit Streckenverlauf, das Mittel war stets die stationäre Kundgebung. Und auch Rostock wurde stets gemieden, nachdem es auf der letzten Route im Herbst 2015 zu kurzzeitigen Ausschreitungen kam und sich zwei NPD-Kader prominent inszenieren konnten. Zudem muss in der Hansestadt mit größerer Gegenwehr gerechnet werden. Umstände, die den Organisatoren mittlerweile allem Anschein nach in das Konzept passen.

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