von Oliver Cruzcampo
   

Pegida erstmals mit weniger Zulauf

Es war die erste Pegida-Demonstration seit der Terrorwarnung und dem Rücktritt Bachmanns. Nun soll Kathrin Oertel weiter als Gesicht der Bewegung etabliert werden – doch als Rednerin blieb sie in Dresden farblos. Die Teilnehmerzahlen waren zudem erstmals rückläufig.

Als erstes wolle sie ihre Enttäuschung über Frauke Petry zum Ausdruck bringen, so Oertel am Sonntagnachmittag in ihrem Eingangs-Statement. Die sächsische AfD-Fraktionsvorsitzende habe sie entgegen einer Spiegel Online-Nachricht bezüglich Lutz Bachmann nicht beraten. Pegida werde auch in Zukunft überparteilich bleiben, betonte die 41-Jährige erneut. Die Menge applaudiert.

Das war es dann auch mit Sticheleien gegenüber der Alternative für Deutschland. In der nachfolgenden Stunde wurden sämtliche demokratischen Parteien von Oertel und ihren nachfolgenden männlichen Rednern kritisiert. Auch die Aussage von Außenminister Steinmeier, dass Pegida dem Ansehen Deutschlands schade, sei für Pegida – verständlicherweise – kaum nachzuvollziehen. Frank Richter, dem Chef der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, wurde hingegen explizit gedankt. Der Mann hatte Pegida einen Raum für deren Pressekonferenz gestellt und wurde dafür mehrfach gerügt, auch vom Vorsitzenden der Bundeszentrale. Dieser hätte die Räumlichkeiten eher Pro Asyl zur Verfügung gestellt.

Diese vereinfachende Einteilung in Freund und Feind zog sich durch sämtliche Redebeiträge – die Menschenmenge quittierte dies jeweils mit frenetischem Beifall beziehungsweise anhaltenden Buhrufen.

Teilnehmerzahl sinkt

Rund 17.000 Anhänger fanden sich laut Polizei auf dem Theaterplatz ein – damit ist die Teilnehmerzahl der 13. Pegida-Veranstaltung erstmals rückläufig. Vor zwei Wochen waren es rund 25.000. Noch während der Redebeiträge wurde die von der Polizei verbreitete Zahl als unglaubwürdig zurückgewiesen. Die Organisatoren selber sprechen von 20.000 bis 25.000 Personen. Auf der Gegenseite hätten sich den Protesten 5.000 Pegida-Kritiker eingefunden. Doch selbst „Dresden nazifrei“ korrigiert diese auf etwa die Hälfte herunter. „Wir nehmen die Zahlen der Polizei da nicht ernst (für keine Seite) und haben es auch nicht nötig, von ihnen hoch gewertet zu werden, wenn es nicht der Realität entspricht“, heißt es in einem Statement. Spätestens seit dem Legida-Aufmarsch, während dem sich mehrere „Spaziergänger“ auf Pressefotografen stürzten und diese teilweise verletzten, stehen die von der Polizei genannten Zahlen massiv in der Kritik.

Seit Sonntag sind Pegida und Legida nun auch offiziell wieder Freunde. Zuvor hieß es aus Dresden noch: „Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen. Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen. Daher prüfen wir eine Unterlassungsklage.“ Nun seien die Differenzen aus dem Weg geräumt, verkündete Organisator Silvio Rösler in Dresden. Die Übergriffe auf Pressefotografen erwähnt der Leipziger mit keinem Wort. Laut Mopo24 soll auch am Sonntag ein Fotograf angegriffen worden sein.

Zuvor hatte Oertel auf die Vorfälle in Leipzig bereits indirekt Bezug genommen, eine konkrete Distanzierung von Neonazis und gewalttätigen Hooligans erfolgte nicht. Zudem verstieg sie sich zu der Aussage: „Linke Parteien verschweigen die Urheber der Gewalt.“ Was oder wen Oertel mit diesem Satz meint, erläutert sie nicht weiter.

Wie weiter?

Kurz nach 16 Uhr ist die erste Pegida ohne Lutz Bachmann vorüber. Vereinzelt sind „Danke Lutz“-Slogans oder Schilder mit Aufschriften wie „Trotz allem – Lutz Bachmann – Danke – Pegida ist deine Initiative“ zu sehen. Nun muss sich Oertel als neues Gesicht der Pegida-Bewegung etablieren.

Am Sonntag ist ihr dies nicht gelungen. Sie wirkte angespannt, ihre Rede las sie komplett vom Manuskript ab, nahm nur wenige Male Blickkontakt mit ihren Fans auf, um dann wieder von der Bühne zu verschwinden. Doch das stellt das geringste Problem dar. Der Zenit der Bewegung scheint erreicht. Die Zahlen der Teilnehmer gehen zurück. Wie wird Oertel die Anhänger ihrer Bewegung motivieren, weiterhin jeden Montagabend auf die Straße zu gehen?

Kommentare(2)

Gorm der Alte Montag, 26.Januar 2015, 12:27 Uhr:
Der TV Tipp für Björn und Co, heute Abend im Ersten der ARD


23:30 Night will fall - Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen Film von André Singer - Dokumentarfilm im Ersten
Tipp

Renommierte Regisseure wie Alfred Hitchcock wurden nach der Entdeckung der Konzentrationslager damit beauftragt, aus dem Filmmaterial der alliierten Truppen schonungslose Dokumente der Todeslager zu erschaffen. Doch die Fertigstellung seines Films verzögert sich und er landet bald unvollständig in den Archiven. Der Dokumentarfilm „Night Will Fall" zeigt die Wiederherstellung des Hitchcock-Films und die dafür verantwortlichen Experten und er rekonstruiert zugleich mit Hilfe von Zeitzeugen - ehemaligen Lagerinsassen ebenso wie ehemaligen Soldaten und Kameraleuten - die Befreiung der Konzentrationslager 1944/45.
 
@ Gorm Montag, 26.Januar 2015, 19:00 Uhr:
Was hat das mit dem Thema zu tun?
 

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