von Hanka Kliese
   

Pediga-Sommertour mit mäßigem Erfolg

Unter dem Titel „Geblieben um zu Siegen (sic!)“ meldete Lutz Bachmann für Montag einen „Abendspaziergang“ in Chemnitz an. Indes sprach er selbst in München und überließ die Verantwortung lokalen Akteuren, die mehr oder weniger erfolgreich versuchten, 400 Demonstrationsteilnehmer aus ganz Sachsen zu begeistern.

Teilnehmer der Pegida-Demo in Chemnitz

Immerhin 400 Personen sachsenweit fanden sich heute unweit des Karl-Marx-Kopfes (sächsisch: Nischel) für den „Abendspaziergang“ zusammen. Die Transparente zeigten ein heterogenes Bild: Neben zahlreichen Deutschland-Flaggen wurde ebenso eine Flagge mit dem Symbol der Bewegung 20. Juli mit sich geführt. Diese Anmaßung belegte sogleich die historische Unkenntnis der Fahnenträger, welche sicherlich nicht den Urheber dieses Symbols – Josef Wirmer – ehren wollten, welcher seinerzeit als linker Christdemokrat den Schulterschluss zur Sozialdemokratie suchte.

Auf der Gegenseite waren es etwa 300 Demonstranten, die sich für das Bündnis „Chemnitz nazifrei“ versammelten, unter ihnen die Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen Petra Zais und Fraktionschef Volkmar Zschocke, der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller sowie die Landtagsabgeordneten der Linken, Juliane Nagel und Nico Brünler.

Die Redebeiträge auf der Pegida-Seite verfehlten vor allem dann ihre Wirkung, wenn demokratietheoretische Themen wie das Ringen um einen Volksentscheid erörtert wurden. Aufzuwecken vermochten die Redner ihr Publikum vor allem mit der Warnung vor „Frühsexualisierung“ bei Kindern und Jugendlichen.

Da die Pegida-„Prominenz“ an diesem Abend fernblieb, mussten die Zuhörer mit der „zweiten Reihe“ vorlieb nehmen. Auf die Frage an zwei Ordner, wer da gerade eine Rede hielte, gab es nur ein Schulterzucken. Eine Rede wurde geschlossen mit dem Appell: „Richtet Euren Hass nicht gegen Flüchtlinge, richtet Euren Hass gegen die Regierenden!“

Während des „Spaziergangs“ kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen und wurde von der Gegendemonstration beobachtet, aber nicht gestört. Die unbehelmte Polizei versuchte im Anschluss, Eskalationen zu verhindern, indem sie nach Auflösung der Demonstration zum Schutz mehrerer im Park befindlicher Migrantengruppen deutlich Präsenz zeigte. Einige Provokateure aus der Neonazi-Szene versuchten immer wieder, eine physische Konfrontation zu erreichen – erfolglos. Die zwischenzeitlich aufgekommene Nachricht, es sei ein Migrant von Pegida-Demonstranten zusammengeschlagen worden, konnte bislang nicht eindeutig belegt werden.

Die Organisatoren des Abendspaziergangs bedankten sich abschließend bei den Gästen „aus Dresden und Leipzig“. Nicht alle von ihnen hatten dabei gleich den Weg auf die Demo ihrer Wahl gefunden. Trotz des unmissverständlichen Hinweises der Veranstalter „Rondell am Nischel - 50m neben dem Karl-Marx-Kopf“ zog es so einen älteren Herren zunächst auf die Demo des Bündnisses „Chemnitz nazifrei“ direkt vor dem Marx-Monument. Er sagte, er sei gern nach Chemnitz gekommen, denn man müsse das hier auch unterstützen, nicht immer nur in Dresden. Wegen der „ganzen Bimbos die hier rumlaufen“.  

Kommentare(1)

Bjørn Freitag, 24.Juli 2015, 18:16 Uhr:
Lasst mich raten:
Sie brüllen immer noch "WIR SIND DAS VOLK"
Muhaha
 

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