„Patriotische Alternative“

Schwelm – In Nordrhein-Westfalen erhalten NPD, „Die Rechte“ und „pro NRW“ zusätzliche Konkurrenz im Spektrum der Rechtsaußenparteien. Mit bisherigem Schwerpunkt im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich eine „Soziale Heimat Partei“ (SHP) gebildet.

Mittwoch, 28. November 2012
Tomas Sager

Gegründet wurde die „Soziale Heimat Partei“ (SHP) vorwiegend von ehemaligen NPDlern aus deren Kreisverband Ennepe-Ruhr/Wuppertal und den Nachbarregionen im Bergischen Land. Als eigentlichen Initiator der neuen Partei darf man Thorsten Crämer vermuten, der bis vor etwa einem Jahr dem Landesvorstand der NRW-NPD angehört hatte. Crämer galt innerhalb der nordrhein-westfälischen NPD als Vertreter eines Kurses, der sich um ein seriöseres und weniger NS-lastiges Auftreten der Partei bemühte.

Seinen Austritt aus der NPD hatte Crämer im Frühjahr vor allem mit den Kontakten begründet, die der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer ins Lager bestimmter „parteifreier“ Neonazis unterhalte: Cremer sei mit „NS-Verrückten“ verbandelt und fahre einen „Amokkurs“. Eine „Kumpanei mit Geisterbahnbesatzungen“ werde im NPD-Landesverband „zunehmend salonfähig“.

An der Spitze der SHP stehen als gleichberechtigte Vorsitzende Thorsten Crämers Vater Hans-Jörg Crämer und Carsten Jahn. Hans-Jörg Crämer war bis vor wenigen Monaten Kreisvorsitzender der NPD Ennepe-Ruhr/Wuppertal, Jahn „Stützpunktleiter“ der NPD im Oberbergischen Kreis.

Abgrenzung zu „vergangenheitsfixierten Politsekten“

Die neue Partei verfügt bereits über zwei Mandate in Kommunalvertretungen. Thorsten Crämer, der nun als Geschäftsführer der SHP fungiert, gehört dem Kreistag des Ennepe-Ruhr-Kreises an. Sascha Grunnert, der als Beisitzer im Vorstand mitarbeitet, ist Stadtratsmitglied in Gevelsberg. Ebenso wie Crämer war auch Grunnert 2009 auf dem Ticket der NPD gewählt worden.

Bisher zählt die „Soziale Heimat Partei“ nach eigenen Angaben etwas mehr als 70 Mitglieder. Man achte auf eine „gründliche Auswahl der Neumitglieder“, heißt es auf ihrer Facebook-Seite. Die Partei solle „resistent“ werden „gegen den üblichen Befall durch Agenten, Provokateure, Spinner, Selbstdarsteller, Pöstchenjäger und andere Gestalten, die wir nicht brauchen können“. Sich selbst beschreibt die Partei als „neue patriotische Oppositionspartei in Nordrhein-Westfalen“ sowie in deutlicher verbaler Abgrenzung unter anderem zu NPD, „Die Rechte“ und „pro NRW“ als „patriotische, soziale und demokratische Alternative zu den abgewirtschafteten Altparteien, populistischen Seifenblasen und vergangenheitsfixierten Politsekten“. Geplant ist eine Ausdehnung auf Landesebene.

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