von Marc Brandstetter
   

Pastörs am Ende

Die Zeit von Udo Pastörs an der NPD-Spitze ist offenbar abgelaufen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Hardliner im Herbst nicht für den Vorsitz der angeschlagenen Partei kandidieren. Eine Träne werden dem einstigen Hoffnungsträger nur wenige Funktionäre nachweinen, denn seinen Stempel konnte der 61-Jährige der NPD nicht aufdrücken. Vielmehr wirkte er – besonders nach seiner Niederlage um die Spitzenkandidatur für die Europawahl – seltsam teilnahmslos.

Noch NPD-Chef Udo Pastörs: Leerer Blick in die Zukunft (Foto: Oliver Cruzcampo)

Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern. Wahrscheinlich wird der amtierende NPD-Chef Udo Pastörs auf eine Kandidatur als Parteivorsitzender im Herbst diesen Jahres verzichten. Der 61-Jährige hatte die Führung der NPD um die Jahreswende unter turbulenten Umständen übernommen. Er trat die Nachfolge von Holger Apfel an, dem seine damaligen Mitstreiter sexuelle Übergriffe auf junge Anhänger vorwarfen. Das Ende seiner Partei-Karriere war damit eingeläutet, die „Verdienste“ des sächsischen Fraktionsvorsitzenden und NPD-Bundesvorsitzenden vergessen.

Als Wahlkampf-Manager zeichnete Apfel nicht unwesentlich für die Einzüge der NPD in die Parlamente von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. Aber ein mutmaßlicher Sexualstraftäter an der Spitze der Partei? Für die NPD, die stets mit menschenverachtender Lust Jagd auf mutmaßliche „Kinderschänder“ macht, mehr als ein Image-Problem, sondern: der Super-Gau. Ob parteiinterne Apfel-Gegner eine Palastrevolution anzettelten, um den wegen seines politischen Kurses der vermeintlich angepassten „seriösen Radikalität“ ungeliebten Kader zu „entsorgen“, ist bis heute unklar. Die von der NPD-Spitze unter Pastörs angekündigte Aufklärung blieb jedenfalls aus.

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet

„Mit harter Hand“ wollte der wegen „qualifizierter Leugnung des Holocausts“ vorbestrafte Pastörs durchgreifen. Bald, nach der Niederlage bei der Wahl zur Spitzenkandidatur der Partei zur Europawahl gegen seinen Herausforderer Udo Voigt, lockerte er die Zügel. Vorgaben für die Bundespartei kamen keine aus Schwerin, eine Vision für die Zukunft der NPD entwickelte der „völkische Taliban“, wie ihn NPD-Aussteiger Andreas Molau einst nannte, nicht. Geradezu verbittert zog sich Pastörs in seine Hausmacht Mecklenburg-Vorpommern zurück. Enttäuscht von der Partei, von den Fußtruppen, die ihm als Krönung seiner bis dato „makellosen“ NPD-Laufbahn keinen Sitz im Straßburger Parlament gönnen wollten, ließ er den Dingen seinen Lauf.

Offenbar hatte der „Hoffnungsträger“ sein Standing und seinen Einfluss in der NPD gnadenlos überschätzt. Im Bierzelt oder bei Veranstaltungen jubelte die Basis seinen radikalen Botschaften zu, mit denen er die Seele der NPD streichelte. Trotzdem blieb für viele Anhänger und Unterstützer Udo Voigt der „Parteichef der Herzen“. Die Mühe, eine Strategie zu entwerfen, die die vorherigen Amtszeiten seiner Vorgänger Apfel und Voigt auszeichneten, machte sich die 61-Jährige nicht mehr. Vielleicht war es gar sein größter Verdienst, dass die NPD in den letzten acht, neun Monaten ohne große Skandale - der Ausnahme „Peniskuchen-Affäre“ - auskam. Pastörs ist gescheitert. So laut, wie er einst angetreten war, so leise tritt er nun ab.

Nachfolge offen

Wer die Nachfolge des Schweriner Fraktionschefs, den bald ein Prozess wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz vor dem Amtsgericht Hanau erwartet, antreten wird, bleibt offen. Beobachter halten Sascha Roßmüller, den ein Zirkel der Machtzentren Dresden und Schwerin laut Medienberichten ausgeklüngelt haben soll, für wenig wahrscheinlich. Selbst die NPD wird – gerade in Zeiten des Verbotsverfahrens – ein Mitglied der als gewaltbereit eingestuften und tief in kriminelle Machenschaften verstrickten Motorrad-Rocker „Bandidos“ nicht zu ihrem Anführer machen. Diese Angriffsfläche möchten die „Köpfe“ nicht bieten. In einer Erklärung nannte Bundespressesprecher Frank Franz die Gerüchte „Hirngespinste“.

Kommentare(1)

paul.pa Donnerstag, 28.August 2014, 21:42 Uhr:
Vielleicht ist Herr Pastörs doch überschätzt worden.
 

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