von Tim Mönch, Tim Schulz
   

„Oi for Saxony“: Konspiratives Rechtsrock-Konzert

Unter dem Titel „Oi for Saxony“ fand am Samstag ein Konzert in Neukirchen im Landkreis Leipzig statt. Die Bands, die dort vor Skinhead-Publikum spielten, geben sich zwar unpolitisch, nicht wenige von ihnen pflegen jedoch enge Verbindungen in die Rechtsrock-Szene. Zu der konspirativen Veranstaltung reisten knapp 100 Teilnehmer aus dem Umland sowie aus einigen weiteren Bundesländern an.

Wenngleich das Konzert schon seit Monaten offensiv beworben wurde, waren die Organisatoren um Diskretion bemüht: Die Lokalität der klandestinen Veranstaltung sollte möglichst geheim gehalten werden. So wurden die Teilnehmer der Veranstaltung nicht direkt in das „Dancehouse Zeche II“ in Neukirchen, sondern zunächst auf einen abgelegenen Parkplatz in Borna gelotst, von wo die weitere Anreise dann gemeinsam erfolgte.

Szene-Veranstaltung in beliebter Party-Location

Dabei war lange Zeit unklar, wo genau der rechte Skinhead-Treff stattfinden soll. Mutmaßungen reichten von Chemnitz bis Döbeln. Zwischenzeitlich wurde auf Facebook verkündet, dass die ursprünglich geplante Location, ein nicht weiter bezeichneter Steinbruch, „abgebrannt und verwüstet wurde“. Mit der „Zeche II“ wurde dann schließlich ein Veranstaltungsort in der sächsischen Provinz ausgewählt, in dem sonst Partys stattfinden und der für Hochzeiten und ähnliches gebucht werden kann. Doch auch für das Rechtsrock-Konzert bot sich das abgeschiedene und kaum einsehbare Areal am Rande des Ortes an, da es die nötige Privatsphäre bot.

Die alte Brikettfabrik in der sich auch die "Zeche II" befindet, Foto: Tim Mönch

Gerade Sachsen stellt eine Hochburg für rechtsextreme Musikveranstaltungen dar. Die Anzahl solcher Veranstaltungen steigt, auch wenn nur wenige Konzerte Ausmaße wie das Rechtsrock-Festival in Ostritz annehmen. Die meisten einschlägigen Konzerte finden im kleinen Rahmen statt, konspirativ organisiert, oftmals im Schutz von Szeneimmobilien. Durchschnittlich 150 Teilnehmer zählen derartige Musikveranstaltungen laut dem aktuellen sächsischen Verfassungsschutzbericht. Der ländliche Raum im Freistaat stellt für solche Veranstaltungen einen wichtigen Rückzugsraum dar. So verdoppelte sich die Zahl entsprechender Veranstaltungen im Jahr 2017 auf 46, wie sich einer Kleinen Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz entnehmen lässt.

"Unpolitische" Rechtsrocker

Fraglich ist allerdings, inwiefern das „Oi for Saxony“ in der Statistik des Innenministeriums auftauchen wird, schließlich treten die Bands nicht offen rechtsextrem auf, sondern geben sich lieber ein unpolitisches Oi-Image. Dabei bewegen sich einige der Gruppen klar im Umfeld der Rechtsrockszene. Dies zeigt sich beispielsweise bei den vom Verfassungsschutz beobachteten „Prolligans“ aus dem Allgäu. Der Headliner des Abends steht bei Subcultural Records unter Vertrag. Das Label gehört dem Neonazi Benjamin Einsiedler, der wiederum der Skinhead-Kameradschaft „Voice of Anger“ angehört. So überrascht es nicht, dass die „Prolligans“ im vergangenen Jahr auch bei einer Veranstaltung namens „Oi im Gau“ auftreten wollten.

Einsiedler betreibt außerdem ein zweites Label namens Oldschool Records, dass auf der eigenen Website unter anderem den Vertrieb von CDs der Genres „Rock against Communism“ und „National Socialist Black Metal“ anpreist. Beim gleichen Label sind auch die „Angry Bootboys“ unter Vertrag, deren Auftritt beim „Oi for Saxony“ kurzfristig abgesagt wurde. Außerdem traten die Bands „Kotten“ und „Skinfront“ auf.

Die Teilnehmer beim „Oi for Saxony“ waren fast ausschließlich dem Skinheadspektrum zuzuordnen. Hier zeigte sich die Strategie der Veranstalter, Rechtsrock-Bands mit einem vermeintlich unpolitischen Publikum zu vermischen.

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