„Oi“-Band im Visier der Behörden

Für Ende Mai ist ein Konzert mit den „Prolligans“ angekündigt. Der genaue Ort allerdings bleibt geheim. Jüngst wurde bekannt, dass der bayerische Verfassungsschutz die vorgeblich unpolitische Band als rechtsextrem führt.

Dienstag, 27. März 2018
Sebastian Lipp

Unter dem Titel „Oifach Oi! Teil II“ sollen am 25. Mai die „Prolligans“ als Headliner mit den „Bombecks“ und „Kotten“ auf einer Bühne irgendwo in Baden-Württemberg auftreten. Das geht aus einem Flyer hervor, den das Portal „Allgäu ⇏ rechtsaußen“ am heutigen Dienstag veröffentlichte. Online solle die Information nicht verbreitet werden, wie aus dem Dokument hervor geht.

Bereits im April vergangen Jahres traten die „Prolligans“ mit der baden-württembergischen Cover-Band „Oifach Oi!“ bei einem Konzert in einem Pub in Mühlacker bei Pforzheim auf. (bnr.de berichtete) Doch offenbar soll diesmal der genaue Ort nicht im Vorfeld bekannt werden. Nur wer Karten über eine speziell für das Event erstellte Emailadresse bestelle, so „Allgäu ⇏ rechtsaußen“, erfahre Näheres. Diese Verfahrensweise ist von klassischen Neonazi-Konzerten bekannt. So sollen Protest, kritische Berichterstattung und behördliche Intervention erschwert werden.

Den Sicherheitsbehörden ist die Veranstaltung tatsächlich nicht bekannt. „Zu dem von Ihnen erwähnten Konzert liegen derzeit keine Erkenntnisse vor“, erklärte ein Sprecher des Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg auf Anfrage. Aus dem für Pforzheim zuständigen Polizeipräsidium Karlsruhe heißt es entsprechend: „bislang ist uns noch nichts über eine derartige Veranstaltung bekannt.“

„Unpolitische“ Skinhead-Szene mit Neonazi-Bands

Die „Prolligans“ geben sich als unpolitische „Oi!“-Band aus. Auch ihr Label „Subcultural Records“ gibt sich harmlos und unpolitisch. Tatsächlich spielen bei den „Prolligans“ mehrere Personen, die zuvor bei einschlägigen Neonazi-Bands mitgewirkt haben: „Faustrecht“, „Hard As Nails“ und –  bis vor kurzem – „Smart Violence“. Sämtlich wurden diese Bands von Oldschool Records produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall – hinter „Oldschool Records“ und „Subcultural Records“ steht derselbe Betreiber, der offenbar gezielt versucht, eine sich als unpolitisch verstehende Skinhead-Szene mit Neonazi-Bands zusammen zu bringen. Gleichzeitig gilt der Plattenproduzent Benjamin Einsiedler als Führungsfigur der Neonazi-Kameradschaft „Voice of Anger“. (bnr.de berichtete)

Inzwischen führt auch der Verfassungsschutz in Bayern die „Prolligans“ als rechtsextreme Band. Das geht aus der Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine schriftliche Anfrage des Landtagsabgeordneten Christoph Rabenstein (SPD) hervor. Der SPD-Politiker fragte nach dem Kenntnisstand des Bayerischen Innenministeriums zu Bands aus dem Rechtsrock-Bereich.

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