von Redaktion
   

Ohne Rudolf Heß kann die NPD nicht

Unter ihrem Vorsitzenden Frank Franz versucht sich die NPD, das Image einer modernen Rechtspartei zu geben. Alte ideologische Zöpfe, die beim Wähler wenig Anklang versprechen, sollen abgeschnitten und durch aktuellere Themen ersetzt werden. Wie sehr diese Partei zur Identifikation allerdings den Nationalsozialismus braucht, zeigt ein Blick in die NPD-Postille Deutsche Stimme. In der Mai-Ausgabe wird – wieder einmal – der Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß glorifiziert.

Aufkleber "Mord an Rudolf Heß" (Foto: Thomas Witzgall, Archiv)

„Der nachfolge Beitrag geht ausschließlich der Frage nach, ob der Einsatz von Rudolf Heß dazu geeignet war, Europa vor der Ausweitung des Krieges zu bewahren. Eine Bewertung der Rolle von Rudolf Heß beim Aufstieg der NS-Bewegung und innerhalb des NS-Herrschaftsapparates ist damit nicht verbunden“, umreist Moritz Altmann bereits im Teaser die Stoßrichtung seines in der Mai-Ausgabe der Deutschen Stimme (DS) veröffentlichten Artikels „Frieden unerwünscht“. Dass der Autor die Verstrickungen des „Führer-Stellvertreters“ in die nationalsozialistischen Jahrhundertverbrechen wie selbstverständlich ausgeblendet, werden die Leser des NPD-Sprachrohres kaum hinterfragen. Altmann – dieser Name taucht im Zusammenhang mit der NPD nur als DS-Autor auf – sei Historiker, ist auf der „Weltnetz“-Seite der Deutschen Stimme zu lesen.

„Friedensflieger“ Heß 

Der bekannten NPD-Geschichtsinterpretation folgend, zeichnet Altmann von Heß ein wohlwollendes Bild. Nach dem Ende des I. Weltkrieges habe Heß „in München mit dem Freikorps Epp gegen umstürzlerische Kommunisten“ gekämpft. In diesem Freicorps sammelten sich einst zahlreiche spätere NS-Größen, der Namensgeber Franz Xaxer Epp machte in Hitlers Staat Karriere. Die Geschichtswissenschaft spricht vom „Freicorps Epp“ als „eine der Geburtszellen der NS-Bewegung“.

Heß` Flug nach Großbritannien sei ein „gescheiterter Versuch gewesen, den germanischen Bruderkrieg“ zu beenden, konstatiert Altmann. Womöglich sei Heß dabei in eine Falle des britischen Geheimdienstes getappt, „um ihm Informationen über die weiteren Absichten Hitlers zu entlocken“.

Selbstredend kommt der Autor in seinem einseitigen Artikel nicht um die bekannten Verschwörungstheorien herum. „Es gibt Hinweise darauf, dass der Greis nicht Selbstmord beging, sondern von einem Kommando des britischen Geheimdienstes liquidiert wurde, nachdem die Sowjets unter Gorbatschow die Entlassung des Häftlings erwogen hatten“, schreibt Altmann mit Bezug auf den Tod von Heß im Spandauer Gefängnis 1987. Damit sei ein Zeitzeuge für den „unbedingten Kriegswillen der damaligen britischen Regierung“ beseitigt worden. Diese These vertritt im Übrigen der Dokumentarfilm „Geheimakte Heß“, an dessen Entstehung der NPD-Funktionär Olaf Rose beteiligt war. Außerdem spreche einiges, so Altmann, für die „sogenannte Präventivkriegsthese“, nach der Hitler einem Erstschlag des „roten Diktators“ Josef Stalin – ein „brauner Diktator“ wird in dem Text nicht erwähnt – zuvor gekommen sei.

Die NPD kann nicht aus ihrer Haut

Im laufenden Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht spielte das Gutachten des Münchner Institutes für Zeitgeschichte, das der NPD eine Wesensverwandtschaft mit der NSDAP unterstellt, keine Rolle. Wie dem auch sei, die NPD kann sich von dieser Weltanschauung nicht lösen, die „Vergangenheistbewältigung“ in ihrem Sinne beschäftigt die Partei auf vielfältige Art und Weise. In ihrem Parteiprogramm fordern die Rechtsextremisten, den „Schuldkult“ zu beenden. 

Egal, ob Claus Schenk Graf von Stauffenberg „Hochverrat“ unterstellt wird, der frühere Parteichef Udo Voigt in einem Interview mit der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit Adolf Hitler einen „großen deutschen Staatsmann“ nannte, durch „Trauermärsche“ nur der deutschen Opfer gedacht werden soll – oder eben Heß moralisch verteidigt wird. Da kann der amtierende NPD-Chef Frank Franz noch so sehr eine „moderne“ Ausrichtung mit einer Orientierung an den Bedürfnissen der Wähler fordern. Ihre menschenverachtenden Wurzeln legt die NPD selbst frei.  

Kommentare(5)

Rostockä Donnerstag, 02.Juni 2016, 10:54 Uhr:
Inwiefern widerspricht es einer modernen Rechtspartei über historische Begebenheiten, wie den Friedensflug von Rudolf Hess, zu berichten?

Ihr Linken seht euch doch auch als modern an und arbeitet euch trotzdem zu großen Teilen an der deutschen Geschichte ab.
 
Dennis Donnerstag, 02.Juni 2016, 13:37 Uhr:
@Björn:

Hess war kein Friedensflieger, er war ein Kriegsverbrecher. Kapieren Sie das irgendwann mal?
 
Roichi Donnerstag, 02.Juni 2016, 15:58 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Über rechte Mythologie wird im Artikel schon berichtet. Auch über den Fkt, dass das nur Mythos und keine Tatsache ist.

"Ihr Linken seht euch doch auch als modern an und arbeitet euch trotzdem zu großen Teilen an der deutschen Geschichte ab. "

Könnte geographisch naheliegend sein.
Oder du bist wie deine Kamerraden einfach zu sehr auf deutsche Geschichte fixiert, um andere historische Diskurse einfach zu ignorieren.
Aber wie immer ist ja nicht der Kamerrad die Ursache, sondern "die Linken". Das Weltbild muss ja stimmen.
 
Insider wissen mehr! Donnerstag, 02.Juni 2016, 19:21 Uhr:
Ach herrje, auch das noch! Der „Firle-Franz“ könnte einem fast schon leid tun!
 
Redaktion Samstag, 04.Juni 2016, 11:56 Uhr:
Anmerkung der Redaktion:

Wir werden hier keine Kommentare veröffentlichen, in denen die Schuldfrage relativiert und deutsche Kriegsverbrechen verharmlost werden.

Die Redaktion
 

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