von Redaktion
   

Ohne den „Führer“ läuft nichts: Die Janusköpfigkeit der NPD

Trotz des neuen Kurses der „seriösen Radikalität“ soll die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel heute bei einer Veranstaltung der Leipziger NPD sprechen – an Adolf Hitlers Geburtstag.  

Als Holger Apfel im Jahr 2011 zum neuen Vorsitzenden der NPD gewählt wurde, verkündete er, dass er die Partei durch „seriöse Radikalität“ zum Erfolg führen werde. Der neue Kurs setzt auf eine gemäßigtere Außendarstellung, er bricht aber keinesfalls mit den Grundüberzeugungen der NPD.

Wie ENDSTATION RECHTS berichtete, hat die NPD sogar personelle Maßnahmen getroffen, um dieses Bild der „Seriösität“ zu inszenieren. Unliebsame „Kameraden“, wie den ehemaligen Landeschef von Sachsen-Anhalt, Mathias Heyder, setzte man kurzerhand vor die Tür oder verhängte ihnen ein Schreibverbot in der Parteizeitung Deutsche Stimme (Axel Reitz) bzw. Redeverbot auf Demonstrationen (Martin Wiese).

Dass es aber einen eklatanten Widerspruch zwischen der bürgerlich angepassten Außendarstellung und dem tatsächlichen Handeln der NPD gibt, zeigt nun eine Veranstaltung der Leipziger NPD am 20. April, dem sogenannten Führergeburtstages: Man trifft sich zum „gemütlichen Beisammensein“ im „Nationalen Zentrum“ in der Odemannstraße.

Hier soll Ursula Haverbeck-Wetzel einen Vortrag zum „Wirtschaftswunder der 30er Jahre“ halten, so berichtet der Blog „Gamma“.

Eine Veranstaltung mit einer bundesweit bekannten Holocaustleugnerin passt wohl kaum ins Bild der „seriösen Radikalität“. Und zeigt, dass die NPD nicht ohne NS-Anleihen und NS-Verherrlichung auskommen will.

Haverbeck-Wetzel, Jahrgang 1928, soll bereits öfter Vorträge in dem Leipziger Zentrum gehalten haben; zuletzt im Jahr 2010 zum Thema „Volksgemeinschaft contra Individualismus“. Wie „Gamma“ berichtet, wurde sie anschließend vom Leipziger Kreisverband gelobt, „sie sei eine der prononciertesten Vertreterinnen des historischen Revisionismus, eine unerschockene Kämpferin für die Wahrheit.“ Tatsächlich hat Haverbeck-Wetzel Berichte über die Shoah als „Erfindungen und Lügen“ bezeichnet.“

Außerdem leitete sie das „Collegium Humanum“. Dieser Verein organisierte sogenannte Geschichtwerkstätten, um geschichtsrevisionistische Ansichten zu verbreiten. Im Mai 2008 wurde die Vereinigung verboten.

Haverbeck-Wetzel ist bereits wegen Volksverhetzung vorbestraft, da sie öffentlich den Holocaust leugnete. In einem Brief an die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, schrieb sie unter anderem: „Machen Sie so weiter wie bisher, dann könnte sich ein neues Pogrom ereignen, das entsetzlich würde.“ Laut der Leipziger Internetzeitung wurde Haverbeck-Wetzel auch für diese Äußerung verurteilt. Der „Ring Nationaler Frauen“, die NPD-Frauenorganisation, wählte sie trotzdem zur „Frau des Jahres“ 2011.

Die Leipziger Veranstaltung wird mutmaßlich von Nils Larisch organisiert. Der NPD-Fraktionsmitarbeiter ist bisweilen als Leibwächter Holger Apfels aufgetreten und Szene-Insidern bereits durch die Hooligan-Szene um den Fußballverein Lokomotive Leipzig bekannt. Seit geraumer Zeit soll er die Organisation von Veranstaltungen im „Nationalen Zentrum“ Leipzig übernommen haben. Laut „Gamma“ organisiere der 34-Jährige aus dem Stadtteil Mockau seit Jahren u.a. „Zeitzeugenveranstaltungen“, zu denen mitunter konspirativ und unter Tarnbezeichnungen („Geschichtlicher Gesprächskreis“) eingeladen worden ist.“

Kommentare(9)

Amtsträger Freitag, 20.April 2012, 11:32 Uhr:
"Machen Sie so weiter wie bisher, dann könnte sich ein neues Pogrom ereignen, das entsetzlich würde."

Da hat aber jemand den Mund ziemlich voll genommen. Und dann dafür bezahlt :)
 
Andrea Freitag, 20.April 2012, 13:50 Uhr:
Man kann sich auch was einbilden.

Ich prüfe ab heute, welche Politiker (egal welcher Couleur) in der dt. Geschichte wann geboren wurde, getorben ist oder geheiratet hat.

Nicht, dass ich auch auf ER lande :D

Also bitte.

- Andrea
 
E Leibzscher Samstag, 21.April 2012, 00:03 Uhr:
Schaut mal auf "LVZ online".
Steinwürfe über Mauern, Verletzte, demolierte Autos. Versuchter Mord.
Ist das Kampf gegen Rechts?
Wann fabrizieren die vermummten Gestalten die ersten Toten?
Ich denke, dass heute hier eine Grenze überschritten worden ist. Diese Steinewerfer sind keine demokratischen Antifaschisten, nein, das sind Kriminelle. Und davon sollten wir uns distanzieren!
 
Amtsträger Samstag, 21.April 2012, 07:22 Uhr:
Lieber Leibzscher,

ich habe den Artikel und die dazugehörigen Kommentare gelesen. Ein versucher Mord hat dort nicht stattgefunden. Selbst Dolut eventualis (billigendes Inkaufnehmen) lässt sich dort nicht begründen, auch wenn ein Kommentator das vermutet. *Hier wäre eine längere Begründung über die Vorhersehbarkeit nötig, die ich mir erspare.*

Das es Straftaten sind ist natürlich völlig klar. Und das hier Niemand Straftaten in einer politischen Auseinandersetzung akzeptiert ist auch klar!
 
WW Samstag, 21.April 2012, 08:54 Uhr:
Leibzscher...

"Ist das der Kampf gegen Rechts?"

Mutet es wie ein Kampf an?

"Wann fabrizieren die vermummten Gestalten die ersten Toten?"

Wenn es so weitergeht wie bisher - vermutlich nie :-)

"Diese Steinewerfer sind keine demokratischen Antifaschisten, nein, das sind Kriminelle. Und davon sollten wir uns distanzieren!"

Gemäß Ihrer politischen Einstellung würden Sie sich wohl von - nach Ihren Maßstäben - "demokratischen" Antifaschisten ebenso distanzieren.
 
E.Leibzscher Sonntag, 22.April 2012, 22:05 Uhr:
@ WW:
Ja, es mutete wie Kampf an, wenn Steine fliegen.

Ja, es hätte einen Toten geben können, wenn der Stein etwa 10 cm höher den Menschen getroffen hatte - RTW vor Ort.

Ja, wer Steine auf Menschen schmeißt, Brandsätze, Baustelleneinrichtungen, ist für mich ein krimineller Mordbrenner. So hart sage ich das.

Nein, Ihre letzte demagogische Totschlag-Argumentation können Sie stecken lassen. Wenn Sie keine weitern sachlichen Argumente haben, wird sofort die Nazikeule geschwungen. Warum keine argumentative Auseinanderstzung?

Und ja, wieso kann man sich nicht wie Menschen, also in Gesprächen und mit Worten auseinandersetzen? Mal ganz in Ruhe. Ja, ich bin naiv
 
Amtsträger Montag, 23.April 2012, 07:17 Uhr:
Lieber Leibzischer,

für einen Mord muss der Täter auch Tötungsvorsatz haben, wie ich oben bereits geschrieben habe. Nach lebensnaher Auslegung (65 Jahre Steinewerfen ohne Todesfall) muss der Täter nicht mit dem tot eines Menschen rechnen, wenn er mit Steinen auf ihn wirft. Nicht einmal die schwächste Form des Vorsatz, Dolus Eventualis oder bedingter Vorsatz, lässt sich begründen.

Es hat keinen versuchten Mord bzw. Totschlag gegeben.

Wer das trotzdem behauptet will die Situation dramatisch erscheinen lassen um die Täter stärker zu kriminalisieren als es angemessen wäre.

In meinem täglichen Lagebild der situation, die den Anzeigentext in kurz beinhaltet und alle angezeigten Tatbestände aufführt, steht nichts von geworfenen Brandsätzen.

Warum versuchen Sie also die Situation dramatischer aussehen zu lassen? Reicht die Wahrheit nicht, dass die Täter mit Steinen auf Personen geworfen haben?
 
Chewie Montag, 23.April 2012, 09:27 Uhr:
@ Leibzscher:

"Ja, wer Steine auf Menschen schmeißt, Brandsätze, Baustelleneinrichtungen, ist für mich ein krimineller Mordbrenner. So hart sage ich das."

Irrer MORDBRENNER wirft BAUSTEWLLENEINRICHTUNG!!! Derart billiger und polemischer BILD-Jargon steht in absolutem Widerspruch zu der Ihrerseits gleich im nächsten Atemzug eingeforderten "argumentative[n] Auseinandersetzung". Und in selbigem bezichtigen Sie dann irrerweise auch noch andere der Demagogie:

"Nein, Ihre letzte demagogische Totschlag-Argumentation können Sie stecken lassen. Wenn Sie keine weitern sachlichen Argumente haben, wird sofort die Nazikeule geschwungen. Warum keine argumentative Auseinanderstzung?"

DAs sollten Sie sich selbst fragen.
 
WW Montag, 23.April 2012, 17:43 Uhr:
"Ja, es mutete wie Kampf an, wenn Steine fliegen."

Na also, was fragen Sie dann noch?

"Warum keine argumentative Auseinanderstzung?"

Ihre hochemotionale Stellungnahme lässt kein Interesse an einer sachlichen Erwiderung erkennen.

"Ja, wer Steine auf Menschen schmeißt, Brandsätze, Baustelleneinrichtungen, ist für mich ein krimineller Mordbrenner."

Bittschön. Aber für wen ist Ihre Meinung so relevant, dass Sie sich berufen fühlen, sie coram publico kund zu tun?
Hat Sie jemand gefragt, oder wollten Sie einfach nur provozieren?


"Wenn Sie keine weitern sachlichen Argumente haben, wird sofort die Nazikeule geschwungen."

Dieses Wort habe ich bewusst vermieden, um Ihnen als erstem die Gelegenheit zu geben, sich zu bezichtigen.
Keine Ursache.
 

Die Diskussion wurde geschlossen