Nur deutsche Vorfahren

Erzkonservative studentische Verbindungen, in denen rechtsextremes Gedankengut verbreitet ist, wollen die Macht in der Deutschen Burschenschaft (DB) übernehmen.

Dienstag, 12. Juli 2011
Helmut Lölhöffel

Die „Frankfurter Rundschau“/„Berliner Zeitung“ berichtete am Dienstag aufgrund ihr vorliegender Dokumente, dass die extrem rechte Burschenschaftliche Gemeinschaft einen „Putsch“ plane. Anlass ist eine interne Auseinandersetzung auf dem jüngsten Burschentag im Juni in Eisenach um Ariernachweise zur Aufnahme neuer Mitglieder. Hintergrund des Konflikts ist die politische Ausrichtung der Deutschen Burschenschaft, dem mit 120 Mitgliedsbünden größten und ältesten Dachverband der Studentenverbindungen.

In der Burschenschaftlichen Gemeinschaft zusammengeschlossene rechtslastige Verbindungen, die sich in dieser Woche zu einem Festkommers (hochoffizielle Feier) in München treffen, haben nach Kenntnis der „Frankfurter Rundschau“/„Berliner Zeitung“ eine Strategie vorbereitet, wie sie auf dem Burschentag 2012 alle Verbandsämter übernehmen. Das Konfliktthema ist nach Angaben der Zeitung: „Es geht um die Frage, welcher Abstammung man sein muss, um Verbindungsbruder zu werden.“

„Einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung zugehörig“

Entzündet hatte sich der Streit vor einigen Wochen an einem Mitglied der Burschenschaft Hansea zu Mannheim: Der junge Mann ist in Mannheim geboren und nach eigener Auskunft „stolz, Deutscher zu sein“. Geht es jedoch nach der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, hätte er niemals in der Hansea aufgenommen werden dürfen. Denn seine Eltern stammen aus China.

Den rechten Bundesbrüdern ist das unannehmbar. Schon in Eisenach legte die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks Anträge vor, die den Ausschluss der Hansea aus der DB forderten und die Abstammung als Aufnahmekriterium präzisieren sollten. In der Begründung hieß es: „Beispielsweise weist eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie auf die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht deutsche Abstammung hin.“

„Übernehmen wir halt den Laden“

Unter gemäßigteren Burschen sorgte das für einigen Widerstand. Ein Gutachten des Verbands, dass die Abstammung ebenfalls als maßgeblich zur Aufnahme von Mitgliedern bezeichnet hatte, wurde aufgehoben und durch eine modifizierte Variante ersetzt, nach der aber die Aufnahme von Bewerbern mit nicht-deutschstämmigen Eltern weiterhin in letzter Instanz vom Verband geprüft werden muss. Die Raczeks zogen ihren Antrag zurück.

Nach dem Strategiepapier, aus dem die „Frankfurter Rundschau“/„Berliner Zeitung“ zitiert, arbeitet die Karlsruher Burschenschaft Tuiskonia gemeinsam mit den Raczeks daran, die Führung im Verband an sich zu reißen („...übernehmen wir halt den Laden...“). So brauche es eine „konsequente Fokussierung auf unsere Ziele“, ein „Schattenkabinett“ und ein „Soll-Tätigkeitsprofil für jedes Amt“. Nötig sei auch eine „klare Strategie“, wie sich die Burschenschaftliche Gemeinschaft verhalte, wenn der umstrittene Mannheimer Verbindungsbruder 2012 für ein Verbandsamt kandidiere. „Da wir ja erlebt haben, dass der linke Mob die Diskussion gar nicht annimmt, (...) müssen wir davon ausgehen, dass wir 2012 (...) alle Ämter besetzen müssen/werden.“ Mit dem „linken Mob“ sind offenbar die gemäßigten Burschen gemeint.

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