von Oliver Cruzcampo
   

Nur 150 Teilnehmer folgen Demoaufruf der Identitären „Bewegung“

Erstmals hatte die Identitäre Bewegung offen zu einer deutschlandweiten Demonstration aufgerufen. Rund 400 Teilnehmer waren in Berlin erwartet worden – am Ende schlossen sich lediglich 150 Personen dem hippen Aufmarsch an. Kurz vor Ende kam es dann noch zu einer Blockade.

Über zu wenig mediale Aufmerksamkeit – eines ihrer wichtigsten Instrumente – können sich die Anhänger der Identitären Bewegung (IB) in den letzten Wochen nicht beschweren. Vergangenes Wochenende zogen bis zu 1000 Anhänger durch Wien, es kam zu Ausschreitungen und Verletzten, auch in Deutschland erreichte der Aufzug die Medien. Zudem verbreitete sich rasant die Meldung, dass der Verfassungsschutz die IB in mehreren Bundesländern beobachten würde.

Dieser Umstand dürfte wohl auch einige Sympathisanten davon abgehalten haben, sich der Demonstration in Berlin anzuschließen. Bis zu 400 Teilnehmer sollten es nach dem Willen der Organisatoren werden, rund 150 wurden es letztendlich. Zum Treffpunkt nahe der Berliner Friedrichstraße fanden sich anfangs lediglich einige Dutzend Identitäre ein, die im Platzregen ein eher klägliches Bild abgaben. Als schließlich die Wolkendecke aufbrach, formierte sich die Gruppierung, um auf der rund anderthalb Kilometer langen Strecke Richtung Potsdamer Platz aufzubrechen.

Martin Sellner, Kopf der österreichischen Identitären und vorab als einziger Redner angekündigt, stimmte immer wieder Sprechgesänge an. Mal hieß es: „Europa - Jugend – Reconquista“, dann der aus linken Kreisen abgewandelte Spruch „Pro border - pro nation - stop immigration“; immer wieder wurde auch „Berlin ist unsere Stadt“ angestimmt. Eine kuriose Inszenierung angesichts der Tatsache, das der Anteil der Berliner Identitären lediglich im unteren zweistelligen Bereich anzusiedeln sein dürfte.

Entlang der Route hatten sich Hunderte Gegendemonstranten positioniert und die vorbeiziehenden Identitären lauthals ausgepfiffen. Auf die Strecke gelangte bis auf einzelne Personen jedoch keine größere Gruppe. Lediglich am Potsdamer Platz und somit direkt am Endpunkt der geplanten Strecke blockierten rund 30 Gegner ein Weiterkommen, direkt dahinter hatten sich weit über 100 Personen positioniert.

So endete die Demo der hippen Identitären nicht ganz unpassend am Platz des Volksaufstandes von 1953. Die Gruppierung hatte sich den 17. Juni für ihren Aufzug ausgewählt, „um friedlich auf die aktuellen Entwicklungen hinzuweisen, die unser Land und Europa gleichermaßen bedrohen.“ Angesichts „verantwortungsloser Politik der Massen-Einwanderung“ sei es Aufgabe der Identitären, „für Frieden und Freiheit einzutreten“. Wer dem Aufruf folgen wollte, musste sich allerdings an zahlreiche Einschränkungen halten. Sprechchöre und Parolen waren nur nach Vorgabe erlaubt, auch eigene Fahnen und Transparente waren verboten. Symbole, Tattoos oder Kleidung aus der rechtsextremen Szene würden zum Ausschluss führen. Solche eher strikten Auflagen sind vor allem von Aufmärschen der rechtsextremen Szene bekannt.

Erfahrungen mit solchen Auflagen dürften noch einige Teilnehmer aus der Vergangenheit haben. So war am Sonnabend der ehemalige NPD-Funktionär Daniel Fiß aus Rostock nicht nur maßgeblich in die Organisation der Demonstration eingebunden, sondern trat auch als Redner auf. Auch der Thüringer Kevin Schulhauser, der noch bei der letzten Bundestagswahl für die NPD antrat, lief am Sonnabend bei den Identitären mit und scheint dort seine neue politische Heimat gefunden zu haben. Mit Jannik Brämer war zudem ein Mitglied des Landesvorstands der „Jungen Alternative“, der AfD-Jugendorganisation auf der Demo vertreten. Prominent lief der Mann mit Ordnerbinde neben dem Demotross.

Ein Sprecher des Berliner Ablegers der rechtsextremen Gruppierung versprach zum Ende: „Das wird in Zukunft noch viel, viel besser werden.“ Zudem wolle man sich „die Öffentlichkeit zurückholen“ und erneut auf die Straße gehen. Die eher überschaubare Teilnehmerzahl zeigt auch, dass die Identitäre Bewegung sich zwar medial recht geschickt und jugendaffin zu inszenieren weiß – anhand der überschaubaren Anzahl der Anhänger und öffentlichen Auftritte derzeit kaum von einer „Bewegung“ die Rede sein kann.

Kommentare(10)

Gunnar Samstag, 18.Juni 2016, 18:27 Uhr:
"Symbole, Tattoos oder Kleidung aus der rechtsextremen Szene würden zum Ausschluss führen. Solche eher strikten Auflagen sind vor allem von Aufmärschen der rechtsextremen Szene bekannt."

Erstklassig getrollt Freunde... wer sich also als Identitärer von Neonazis klar abgrenzen will, macht sich dadurch selber zum Nazi. Darauf muss man erstmal kommen!

Die IB macht keine taktischen Distanzierungen, sondern nur solche, die aus Überzeugung erfolgen, egal was linksextreme "Experten" wie Frau Strobl sagen mögen. Bei der IB gibt es kein Geld, keine Pöstchen und keine Wahlen zu gewinnen, hier ist alles echt und hier wird endlich eine Lücke gefüllt, und zwar die grosse Lücke zwischen national-liberal und nationalsozialistisch.
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 19.Juni 2016, 10:06 Uhr:
@Gunnar:

Ja, eben deshalb m u s s die Grupierung auch als Demokratie-feindlich angesehen werden.
Nationale Parteien, Gruppen oder auch nur Grüppchen - als nationale Lückenfüller - haben in einer DEMOKRATISCHEN GESELLSCHAFT gerade wegen ihrer rassistischen Propaganda, Ausgrenzungen und Hetze nun mal nichts zu suchen.
 
Roichi Sonntag, 19.Juni 2016, 11:33 Uhr:
@ Gunnar

Nur weil ihr unbezahlte echte Nazis seid, seid ihr trotzdem Nazis.
Wenn auch mit vermeintlich schicker Aufmachung. Die Inhalte sind die gleichen. Und darauf kommt es an.
 
Berlinerin Sonntag, 19.Juni 2016, 19:41 Uhr:
@ Gunnar

Welche Ansichten haben denn Leute, die "die grosse Lücke zwischen national-liberal und nationalsozialistisch" füllen wollen z.B. zur Meinungs- und Religionsfreiheit?
Vor deiner Antwort gruselt es mich jetzt schon.

Im Übrigen: 150 aus der ganzen Republik zusammengetrommelte Leutchen sind schon eine wahnsinnige "Bewegung" ;o)
Und dafür haben die ganz Berlin mit ihren Aufklebern zugekleistert, die Dreckspatzen.
 
Thorsten Sonntag, 19.Juni 2016, 22:02 Uhr:
"Vergangenes Wochenende zogen bis zu 1000 Anhänger durch Wien, es kam zu Ausschreitungen und Verletzten, auch in Deutschland erreichte der Aufzug die Medien." - Einer der Verletzten ist ein Identitäter, der mit einem Pflasterstein am Kopf getroffen wurde und einen Tag im Koma lag. - Inzwischen wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Tut mir leid liebe Leute, mein Widerstand gegen diese "Bewegung" ist seit diesem Tag zu Ende. Mit Euresgleichen möchte ich nicht mehr zusammen auf die Straße gehen.
 
Rostockä Montag, 20.Juni 2016, 11:03 Uhr:
Wenn man bedenkt, dass es bei der letzten Demo der Identitären in Wien zu schweren Gewalttaten von Linken kam, wobei mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt wurden und nur mit Glück überlebten, ist es nicht verwunderlich, dass sich nicht jeder traut an so einer Demo teilzunehmen.

Gerade auch in Berlin, wo die linke Szene für ihre Menschenverachtung und Gewaltbereitschaft bekannt ist. Daß die Medien diese Gewalt weitgehend verschweigen ist auch nicht neu. Die Diskrepanz zwischen den Zahlen des Verfassungsschutzes ( acht linke Tötungsversuche alleine 2015) und dem medialen Widerhall, spricht Bände.

Und so feiern es vermeintlich gemäßigte Linke, dass die Gewalt ihrer radikalen Gesinnungsgenossen die Grundrechte Andersdenkender aushöhlen. Denn wenn die Menschen aus Angst vor Schaden an Leib und Leben nicht mehr ihr verbrieftes Grundrecht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen, dann ist dieses Grundrecht faktisch abgeschafft.
Auch die vom Staat tolerierten Versuche Demonstrationen von Nicht-Linken zu verhindern ist ein Bauteil in der Einschüchterungsstrategie der Anti-Rechts-Faschisten.

Und Antidemokraten, wie Frau Mensah-Schramm, die genau solche Anschläge auf Grundrechte immer wieder fordern, werden vom Regime mit namenlosen Preisen überhäuft.

Ihr seid schon ein paar "Demokraten".
 
Roichi Montag, 20.Juni 2016, 16:26 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Die üblichen Verschwörungstheorien und Ausreden kannst du gut aufsagen. Kannst du auch mehr?
Achso, wo du doch so darauf abstellst: "wenn die Menschen aus Angst vor Schaden an Leib und Leben "
Was sagst du dann dazu:
http://www.fr-online.de/hanau-und-main-kinzig/landrat-pipa-pipa-hoert-nach-drohungen-auf,1472866,34393892,view,asFirstTeaser.html
Oder
http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/politik/artikel/rechte-gewalt-im-april-58-verletzte-kein-haftbefehl.html
Um nur zwei Beispiele zu nennen.
Da herrscht bei dir wie immer Schweigen und Relativierung der Taten.
Deine Doppelmoral hilft dir nicht. Deine Parolen auch nicht.

"Ihr seid schon ein paar "Demokraten". "

Sind wir, aber ohne Anführungszeichen, da Demokraten und nicht rechte Parolenwiederholer und Kriminelle. Da brauchst du auch nicht mit weiteren Behauptungen kommen.
 
Berlinerin Montag, 20.Juni 2016, 18:36 Uhr:
@ Björn

Nimmst du mal wieder die Opferrolle ein? Die steht dir wirklich gut ;op
Weil im Ausland Idioten gegen andere Idioten Gewalttaten ausgeübt haben, kommen in Berlin nur 150 Männchen zur Identitären-Demo? Liegt es nicht eher daran, dass diese Verschwörungstheoretiker keinen Blumentopf in der Bevölkerung gewinnen können?

Hinsichtlich deiner neidischen Anspielung auf Frau Mensah-Schramm:
Du hast doch vor einiger Zeit hier großspurig angekündigt, Protestbriefchen an die für ihre Auszeichnungen Verantwortlichen zu schicken. Erzähl uns davon. Hast du dich getraut? Haben sie dich ausgelacht?
 
münchhausen Mittwoch, 22.Juni 2016, 16:58 Uhr:
"Die Diskrepanz zwischen den Zahlen des Verfassungsschutzes ( acht linke Tötungsversuche alleine 2015) und dem medialen Widerhall, spricht Bände."

Und acht Tötungsversuche "PMK rechts".

Einen Mangel an medialen Widerhall kann ich nicht erkennen, zumindest findet alleine die google-news-Suche zu linksradikaler bzw. -extremer Gewalt alleine 321.000 Treffer: https://goo.gl/pvzv0Z
Zugegeben hat mich überrascht, dass die gleiche Suche nach den Stichworten rechtsradikaler bzw. rechtsextremer Gewalt "nur" 267.000 Ergebnisse hervorbringt: https://goo.gl/1Gga8h

Zu linksradikaler Gewalt findet die Suchmaschine also in den Nachrichtenquellen 54.000 mehr Treffer.
 
Roichi Mittwoch, 22.Juni 2016, 21:32 Uhr:
@ münchhausen

Jetzt mach dem Björn doch seine Opferpose nicht kaputt. Sonst hat er doch nichts mehr.
 

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