von Marc Brandstetter
   

NSU-Prozess: Ex-NPD-Funktionär Wohlleben als Strippenzieher im Hintergrund?

Bislang bestand der Münchner NSU-Prozess vor allem aus juristischem Fingerhakeln. Nun könnte es zum ersten Mal spannend werden. Der Angeklagte Carsten S. will auspacken, seine Aussage wird wahrscheinlich den Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben schwer belasten. Unterdessen wurde bekannt, dass die Vergangenheit von Wohllebens Anwältin Nicole Schneider brauner ist, als bislang angenommen.

Vor Gericht sitzen sie einträchtig nebeneinander, wirken vertraut. Ein Eindruck, der nicht täuscht. Denn der im Münchner NSU-Prozess als Mitverschwörer angeklagte Ralf Wohlleben und seine Anwältin Nicole Schneider teilen eine gemeinsame Vergangenheit. Beide kennen sich aus der Thüringer Neonazi-Szene, Schneider gehörte sogar für eine kurze Zeit zum Vorstand der Jenaer NPD – als Stellvertreterin des Vorsitzenden Wohlleben. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist sie nach eigener Aussage kein Parteimitglied mehr. 

Laut dem Stern wollte das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz Schneider, die derzeit auch einen Anklagten im Prozess gegen das als kriminelle Vereinigung eingestufte Neonazi-Netzwerk „AG Mittelrhein“ vertritt, 2003 als Quelle gewinnen. Das Blatt beruft sich auf vorliegende Akten. Informationen hätte die spätere Anwältin sicherlich liefern können: Bereits als 16-Jährige habe sie ihre ersten Gehversuche in der Szene gemacht, damals als Besucherin einer Veranstaltung der später verbotenen FAP.

Schneider blieb umtriebig, der Inlandsgeheimdienst stufte sie als Anhängerin der „Kameradschaft Karlsruhe“, einer der aktivsten Gruppierungen im Südwesten, ein. Zeitweise, genauer bis Ende 2011, arbeitete die gebürtige Pfedelbacherin (Hohenlohekreis) in der Kanzlei „H3“, zusammen mit dem ehemaligen Sänger der Rechtsrockband „Noie Werte“, Steffen Hammer, sowie Alexander Heinig. Heinig ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Er war Frontmann der Neonazi-Kapelle „Ultima Ratio“, der eine Nähe zum militanten Neonazi-Netzwerk „Blood&Honour“ nachgesagt wurde.   

Für Aufregung sorgt derweil die Ankündigung von Wohllebens Mitangeklagtem Carsten S., vor Gericht auszusagen. Einige belastende Aussagen sind bereits durchgesickert und liegen dem Focus vor. Demnach sei der Ex-NPD-Vize von Thüringen in die Aktionen der rechtsterroristischen Gruppierung NSU eingebunden gewesen. Die 2.500 DM für die von S. besorgte und übergebene Waffe, mit der neun Menschen getötet worden sein sollen, kamen S. zufolge von Wohlleben. Laut dem Nachrichtenmagazin umfassen die Aussagen von S., der später Sozialpädagogik studierte und sich 2001 von der Szene abgewandt haben will, 50 Seiten. Der mutmaßliche NSU-Unterstützer fährt schweres Geschütz auf: „Jeder Auftrag des Trios [an S., die Red.] hat die Einbindung und Entscheidung des Ralf Wohlleben bedingt“, sagte er dem BKA.

Bestätigen sich diese Aussagen, könnte Wohhleben als Drahtzieher im Hintergrund angesehen werden. Der 38-Jährige sitzt derzeit, ebenso wie die Hauptangeklagte Beate Zschäpe, in U-Haft. Drei weitere Beschuldigte befinden sich auf freiem Fuß. Die Szene hingegen unterstützt Wohlleben weiterhin, trotz der neuen Vorwürfe, die auch ein bezeichnendes Licht auf die NPD werfen.

Foto: Thomas Witzgall

Kommentare(28)

Paul.Pa. Montag, 03.Juni 2013, 09:44 Uhr:
Ob Herr Wohlleben näher in diese Umtriebe involviert ist, wird sich u.U.zeigen.
Wieso das dann allerdings bezeichnend für die NPD sein sollte verstehe ich nicht.
In Dortmund werden zur Zeit 2 SPD Funktionäre, die sich auch im Kampf gegen rechts hervor getan haben, der Unterschlagung von erheblichen Summen bezichtigt.
Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, würfe das auch kein bezeichnendes Licht auf die SPD und den Kampf gegen rechts, sondern nur auf zwei Mitglieder der SPD.
 
Björn Montag, 03.Juni 2013, 11:51 Uhr:
"Die Szene hingegen unterstützt Wohlleben weiterhin, trotz der neuen Vorwürfe, die auch ein bezeichnendes Licht auf die NPD werfen."

Was für ein bezeichnendes Licht werfen die Vorwürfe auf die NPD? Versucht ihr wieder das gemutmaßte Verhalten eines einzelnen ehemaligen Mitglieds auf alle anderen zu übertragen?

Im übrigen, auf Veranstaltungen der Linkspartei traten schon öfter verurteilte RAF-Terroristen auf. Wohlgemerkt nach der Verurteilung. Wirft das auch ein bezeichnendes Licht auf die Linkspartei oder ist das wieder gaaaaanz was anderes?
 
Ein Nienhagener Montag, 03.Juni 2013, 15:27 Uhr:
" Versucht ihr wieder das gemutmaßte Verhalten eines einzelnen ehemaligen Mitglieds auf alle anderen zu übertragen?"

Schreibt derjenige, der u.a. mir anlastet, dass andere Rechte für A..löcher halten.

Also wirklich, Björn. Sie sind sind mir schon ein Schelm und Possenreißer!

"...oder ist das wieder gaaaaanz was anderes?"
Natürlich. Und zwar aus mehreren Gründen. Nur verstehen werden Sie die nicht...
 
Roichi Montag, 03.Juni 2013, 16:45 Uhr:
@ Paul und Björn

"Was für ein bezeichnendes Licht werfen die Vorwürfe auf die NPD?"

Das ein hoher Funktionär der Partei eine Terrororganisation wissentlich unterstützt.
Aber ich nehm euch nicht übel, dass ihr das nicht wahrhaben wollt.

"oder ist das wieder gaaaaanz was anderes"

Jup. Oder waren das Funktionäre der Partei, während ihrer Taten?
Diese Ablenkung funktioniert nicht.
 
qual Montag, 03.Juni 2013, 16:58 Uhr:
lieber björn
"Versucht ihr wieder das gemutmaßte Verhalten eines einzelnen ehemaligen Mitglieds auf alle anderen zu übertragen?"
Gääääähn. Ihre Kommentare über die bösen Ausländer lassen diesen Schluss zu.Also hören Sie endlich mit dem herum Geheule auf.
Wer die nachfolge Partei der SED wählt ist genauso krank im Kopf wie die Wähler der nachfolge Partei der NSDAP.Das ist gaaaaanz genau das gleiche.
 
nurmalso Dienstag, 04.Juni 2013, 06:41 Uhr:
@Roichi "Das ein hoher Funktionär der Partei eine Terrororganisation wissentlich unterstützt."

Auweh, willst Du nicht erst die Aussagen der Beteiligten abwarten, dann mal tief Luft holen und den Schaum vor dem Mund abwischen und erst dann die neuen Fakten nüchtern abwägen??
Es ist doch noch gar nichts bewiesen, weder eine Terrororganisation noch eine Unterstützung derselben!

Die Beteiligten:
- eine schweigende Zschäpe
- ein "Kronzeuge" der seinen Kopf auf Kosten anderer aus der Schlinge ziehen will
- ein Beschuldigter der alles abstreiten wird
- Aussagen Dritter (Hörensagen!)
- Druckmittel Medien: http://www.faz.net/aktuell/politik/nsu-prozess/nsu-prozess-zschaepe-anwaelte-fordern-aussetzung-12183438-b3.html
 
Roichi Dienstag, 04.Juni 2013, 11:19 Uhr:
@ nurmalso

"Es ist doch noch gar nichts bewiesen, weder eine Terrororganisation noch eine Unterstützung derselben! "

Was ist denn gezielte Gewalt zur Umsetzung politischer Ziele?
Es gibt dafür ein Wort: Terror.
Und dass genau das getan wurde, wirst du nicht abstreiten können. Es gibt ja auch ein Selbstbekenntnis.
Interessant ist jetzt nur noch, dass gewisse Sachverhalte bestimmten Personen zugeordnet werden müssen. Ohne das keine Strafe.
die Taten selbst sind ja nicht zu leugnen.
 
Samuel Bernstein Dienstag, 04.Juni 2013, 13:01 Uhr:
@ Roichi

"Das ein hoher Funktionär der Partei eine Terrororganisation wissentlich unterstützt."

Fragen Sie mal Ihren Gesinnungsgenossen Hans-Christian Ströbele,der kennt sich mit der Unterstützung von Terroristen besonders gut aus.
 
Mathilda Dienstag, 04.Juni 2013, 20:03 Uhr:
...bin auch mal wieder hier, und bestimmt bald wieder weg. Andere Blogs oder auch Foren und vor allem deren Kommentatoren gehen einfach objektiver mit den Sachverhalten um.

@ Roichi

"Was ist denn gezielte Gewalt zur Umsetzung politischer Ziele?
Es gibt dafür ein Wort: Terror."

Es gab aber weder gezielte Gewalt noch wurden damit irgendwelche (klar) erkennbaren Ziele erreicht. Um durch Gewalt einen politischen Einfluß zu erwirken, sollte man vielleicht direkt mit der Bekanntgabe der eigenen Zielstellung beginnen. Wie beim Geheimdienstpendant RAF zum Beispiel. Im Fall NSU wirkt alles konstuiert und zusammenhanglos, da mußte wirklich in aller Eile ein Märchen geschrieben und umgeschrieben werden - heute als Pannen etcpp bekannt.

"Und dass genau das getan wurde, wirst du nicht abstreiten können."

Schonmal was von Unschuldsvermutung gehört? Schonmal davon gehört, daß letzten Endes alles ganz anders kam? Das die Morde von vorn bis hinten viel eher andere Schlüsse zulassen und jahrelang ließen?


"Es gibt ja auch ein Selbstbekenntnis."

Ja genau, ein Selbstbekenntnis ohne Bekenner. Schau dir das Transkript dazu an. Zudem (aus welchen Gründen gleich nochmal?) hat die Rechte daran das apabiz, ein Haufen linker Weltverbesserer.

"Interessant ist jetzt nur noch, dass gewisse Sachverhalte bestimmten Personen zugeordnet werden müssen."

Genau, und da liegt der Hase im Pfeffer. Und solang brauchst Du auch nicht von politischen Morden bzw. Terror faseln.

Die Taten gab es, sicher. Auch viel mehr Beweise bzw handfeste Indizien für ganz andere Zusammenhänge. Aber die möchtest Du bzw. die Journaille nicht sehen und auch nicht darüber diskutieren - weil für euch alles so schön paßt. Sind halt doch alles nur Verschwörungen, ne?
 
Amtsträger Mittwoch, 05.Juni 2013, 06:03 Uhr:
Man wird solange auf eine fehlende Verurteilung hinweisen, bis es zu einer Verurteilung gekommen ist. Anschließend wird man auf ein ungerechtes Verfahren, Geheimdienste und verlogene Zeugen hinweisen.

Und das alles nur um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass der eigenen Gruppierung Massenmörder und Terroristen entsprungen sind...

P.S.: Der "Kronzeuge" zieht seinen Kopf nicht aus der Schlinge, da er unter anderem sich selbst belastet. Er zeigt durch ein offenes Geständnis Reue.

Das jeder Beschuldigte den Weg für sich selbst wählt, an dessem Ende die geringste Strafe wartet, ist nicht nur verständlich, sondern von unserem Rechtssystem gewünscht. Nur deshalb darf eine Hauptangeklagte überhaupt schweigen oder lügen.
 
nurmalso Mittwoch, 05.Juni 2013, 06:56 Uhr:
@Roichi „Was ist denn gezielte Gewalt zur Umsetzung politischer Ziele?
Es gibt dafür ein Wort: Terror.“

korrekt, dann sind aber auch überall dort wo man Steine etc. auf Andersdenkende schmeißt, ebenfalls Terroristen am Werk.


„Und dass genau das getan wurde, wirst du nicht abstreiten können.“

Die feigen Morde werden von mir nicht in Abrede gestellt. Aber wer die Morde begangen hat, ist doch noch gar nicht zweifelsfrei geklärt.
Ein Hufeisen in deinem Wohnzimmer dürfte als Beweis für den Besitz eines Pferdes nicht ausreichen.


„Es gibt ja auch ein Selbstbekenntnis.“

Ein Geständnis von den Tätern verfasst? Wo??
Komm mir nicht mit dem Pantherchen-Video.


„Interessant ist jetzt nur noch …“

Ich weiß, es fehlt nur noch das Urteil. Merkt ER was????
 
Mathilda Mittwoch, 05.Juni 2013, 18:23 Uhr:
@ Amtsträger

"Man wird solange auf eine fehlende Verurteilung hinweisen, bis es zu einer Verurteilung gekommen ist. Anschließend wird man auf ein ungerechtes Verfahren, Geheimdienste und verlogene Zeugen hinweisen."

Ja, weil man innerlich stets hofft und es eigentlich weiß, daß Justiz und parlamentarische Untersuchungsausschüsse so blind nicht sein können. Tatsächlich können sie es. Sie wischen Hinweise beiseite und klammern sich an Nebensächlichkeiten. Carsten S. sagt nicht viel aus, auch am heutigen Tage nicht - aber was er sagt, ist noch weniger. Zumindest bei den wichtigen Fragen scheint er auszuweichen, abzublocken, die Erinnerung ist angeblich getrübt.

Letzten Endes ist er Kronzeuge zumindest mit dem Verdacht, einst Spitzel (womöglich "Tusche") gewesen zu sein. Durch seinen "glaubhaften Ausstieg" und einen Psychologen, der ihm attestieren wird, damals als Jugendlicher gehandelt zu haben, hat er eine relativ geringe Strafe zu erwarten. Zumal niemals wirklich geklärt werden kann, ob die übergebene Waffe tatsächlich als Mordwaffe benutzt wurde. Auch son Ding, was Medien überhaupt nicht thematisieren.

Terroristen, Massenmörder - nichts ist auch nur ansatzweise wirklich stichfest bewiesen. Amtsträger scheinen von Hause aus zu jeglicher Kritik außerstande, wenn eine Staatsräson durchgewunken werden muß.

"P.S.: Der "Kronzeuge" zieht seinen Kopf nicht aus der Schlinge, da er unter anderem sich selbst belastet. Er zeigt durch ein offenes Geständnis Reue. "

Wir sind gespannt, wie sich der Prozeß entwickelt ...

"
Das jeder Beschuldigte den Weg für sich selbst wählt, an dessem Ende die geringste Strafe wartet, ist nicht nur verständlich, sondern von unserem Rechtssystem gewünscht. "

Aber nicht unter der Maßgabe, Falschaussagen zu machen - soviel sollte noch gesagt werden. Die erste wäre es jedenfalls lange nicht, und lang auch nicht die letzte.

@ nurmalso

"Ein Hufeisen in deinem Wohnzimmer dürfte als Beweis für den Besitz eines Pferdes nicht ausreichen."

Aber eine Jogginghose mit Blut von einer ermordeten Polizistin auf jeden Fall. Zum Glück befindet sich auch in einer Tasche ein Taschentuch mit Mundlos-DNA. Und zudem liegt diese ominöse Hose fast fünf Jahre ungewaschen im Schrank - klar.
 
Roichi Mittwoch, 05.Juni 2013, 21:44 Uhr:
@ Samuel

"Fragen Sie mal Ihren Gesinnungsgenossen Hans-Christian Ströbele,der kennt sich mit der Unterstützung von Terroristen besonders gut aus."

Geht es vielleicht etwas genauer?
Was genau wirfst du Ströbele denn vor? Und welche Position hatte er damals in einer Partei?
Weiterhin, welche Belege hast du für deine Anschuldigungen?
Und zuletzt: Was hat das hier mit dem Thema zu tun, außer abzulenken?

Dann mal los.


@ Mathilda

"Es gab aber weder gezielte Gewalt noch wurden damit irgendwelche (klar) erkennbaren Ziele erreicht."

Nur weil du das nicht wahrhaben willst, oder wie?
Es gab gezielte Gewalt, gegen ausländische Kleinunternehmer. Kopfschüsse sind ja wohl eine sehr gezielte Form der Gewalt.
Ebenso sind die Ziele klar. Ausländer sollten sich hier gefährdet und bedroht fühlen und abhauen. Diese Ziele wurden teilweise auch erreicht, wenn man sich mal die entsprechenden Angehörigen, bzw. Leute in ähnlichen Situationen ansieht, die sich geäußert haben.
Dazu beigrtragen hat dann noch die staatliche Unfähigkeit und Diskriminierung, die aber bewusst einkalkuliert wurde. Spätestens nach einigen Morden.
Womit wir dann auch shcon bei deinem Punkt der Bekanntgabe wären.
Terror findet immer neue Formen. Und die nichtvorhandene Bekanntgabe mag ungewöhnlich sein, ändert aber weder am Ziel, der Ausführung, noch an der Wirkung etwas.
Insofern ist die Verschickung mit Auffliegen nur konsequent, denn spätestens dann musste ein Bekenntnis erfolgen, sonst wäre man nicht so sichtbar gewesen.
Daher auch die Verschickungsaktion.

"sollte man vielleicht direkt mit der Bekanntgabe der eigenen Zielstellung beginnen"

Warum das?
Damit die Behörden wissen, wen sie jagen müssen?
Dann wäre man aber ganz schnell im Bau gelandet.
Die Leute waren wohl cleverer als du.

"Wie beim Geheimdienstpendant RAF zum Beispiel."

Mal wieder ablenken?

" Im Fall NSU wirkt alles konstuiert und zusammenhanglos,"

Nur für einen Rechten, der mit Märchen hantieren muss, um sich unangenehme Fragen zu ersparen, die die Ideologie zerbröseln könnten.
Ansonsten fehlen zwar noch Stücke, aber das ist weder ungewöhnlich, noch problematisch bei solch einem Sachverhalt.

"Schonmal was von Unschuldsvermutung gehört?"

Ja. Gegenfrage, ist nur schuldig, wer vor Gericht verurteilt wurde? Und gibt es unterschiedliche Formen der Schuld?
Achso: Können Tote verurteilt werden?

"Schonmal davon gehört, daß letzten Endes alles ganz anders kam?"

Ja. Ist aber hier unwahrscheinlich.

"Das die Morde von vorn bis hinten viel eher andere Schlüsse zulassen und jahrelang ließen?"

Ja. Wird gerne in rechten Kreisen bemüht, um nicht die eigene Ideologie infrage stellen zu müssen.
Dazu muss man sich dann an Dingen langhangeln, die längst überholt, oder konstruiert sind. Karl hat das immer sehr ausführlich getan.
Sinnvoll ist das nicht.

"Genau, und da liegt der Hase im Pfeffer."

Die Sachverhalte bestreitest du also nicht?
Eben klang das noch anders. Aber mahc dir nichts draus. Da hat nur mal wieder die Ideologie der Vernunft diktiert, was du schreiben sollst. Dabei kommt dann sowas rum.

"Auch viel mehr Beweise bzw handfeste Indizien für ganz andere Zusammenhänge."

Die allesamt widerlegt wurden. Durch neuere und sichere Erkenntnisse.
Sowas wie eine Tatwaffe, oder ein Bekennervideo ist schon härter, als irgendwelche Mutmaßungen.

" auch nicht darüber diskutieren - "

Das wurde hier auf der Seite lang und breit getan.
Das Ergebnis ist für dich aber nicht sehr positiv ausgefallen.

"Sind halt doch alles nur Verschwörungen, ne?"

Ja. Mehr war nicht dran. Da muss ich dich nunmal enttäuschen.
Fakten richten sich nicht nach Ideologien.


@ nurmalso

"korrekt, dann sind aber auch überall dort wo man Steine etc. auf Andersdenkende schmeißt, ebenfalls Terroristen am Werk."

Interessant. Wo ist denn da ein politisches Ziel dahinter?
Wie soll das das Ziel umsetzen?
So einfach ist es eben doch nicht, wie du dir das hier machst.

"Aber wer die Morde begangen hat, ist doch noch gar nicht zweifelsfrei geklärt. "

Nicht?
Eigentlich schon. Nur können Tote nicht angeklagt werden. Also auch nicht verurteilt. In juristischer Sicht.

"Ein Hufeisen in deinem Wohnzimmer dürfte als Beweis für den Besitz eines Pferdes nicht ausreichen."

Viel dämlicher geht es nicht mit Vergleichen. Danke für das Beispiel.
Aber damit du auch noch waszu grübeln hast: 95% aller Mörder essen vor ihrer Tat Brot. Brot macht Menschen zu Mördern.
Hat genausoviel mit dem Thema zu tun, wie dein Einwurf.

"Komm mir nicht mit dem Pantherchen-Video."

Was dir nicht passt wird eben geleugnet. Wär ja auch zu doof, wenn Fakten plötzlich der Ideologie entgegenstünden.

"Ich weiß, es fehlt nur noch das Urteil. Merkt ER was?"

Merkst du was?
Wohl nicht. Dann soll das wohl so bleiben.
 
Amtsträger Donnerstag, 06.Juni 2013, 08:49 Uhr:
Das Video beinhaltet explizites Täterwissen. Die Umstände der Produktion und Veröffentlichung sind asermittelt und werden Gegenstand der Verhandlung werden.
 
Roichi Donnerstag, 06.Juni 2013, 11:28 Uhr:
@ Mathilda

"Sie wischen Hinweise beiseite und klammern sich an Nebensächlichkeiten."

Interessant, dass du entscheidest, was nebensächlich ist.

"Letzten Endes ist er Kronzeuge zumindest mit dem Verdacht, einst Spitzel (womöglich "Tusche") gewesen zu sein."

Wie? Ohne irgendeinen Beleg? Einfach so, soll er auf einmal Spitzel gewesen sein. Damit du dein Gewissen nicht belasten brauchst und eine einfache Erklärung hast.
Dann sind natürlich die Fakten plötzlich "nebensächlich".

"Durch seinen "glaubhaften Ausstieg""

Der Ausstieg ist tatsächlich glaubhaft, hat er doch seit über zehn Jahren ein Leben außerhalb der Szene geführt.

"hat er eine relativ geringe Strafe zu erwarten"

Beihilfe zum Mord in mehreren Fällen. Da wird es schon heftig werden.

"Zumal niemals wirklich geklärt werden kann, ob die übergebene Waffe tatsächlich als Mordwaffe benutzt wurde."

Warum denn nicht?
Schonmal was von der Wissenschaft der Ballistik gehört?
Jede Waffe hinterlässt eindeutige Spuren.
Aber was dir nicht gefällt, existiert nicht.

"Terroristen, Massenmörder - nichts ist auch nur ansatzweise wirklich stichfest bewiesen."

Weil du es nicht wahrhaben willst, oder wie?
Die Fakten wirst du damit nicht entkräften können.

"Aber nicht unter der Maßgabe, Falschaussagen zu machen"

Aber natürlich darf ein Beschuldigter auch Lügen.
Es liegt im Prozess die Wahrheit zu finden.

"Und zudem liegt diese ominöse Hose fast fünf Jahre ungewaschen im Schrank - klar."

Soll vorkommen. Nicht wahrscheinlich, aber möglich. Und wenn die Leute so dumm sind, das zu machen, dann ist das nunmal ihr Problem.

Zusammenfassend wilst du immernoch die Fakten an deine Ideologie anpassen, auch wen ndas nicht möglich ist. Dann wird eben negiert.
Nur gehorchen Fakten keine Ideologie, sondern sind einfach da.
Insofern ist deine Ankündigung den Prozess mit Spannung zu verfolgen wohl eher als Scherz zu sehen. Die Antworten hast du ja schon längst aus deiner Ideologie heraus.
Alles, was dem Widerspricht ist Geheimdienstkram, gefälscht, oder manipuliert. So einfach machst du es dir. Und damit wären wir wieder bei den Verschwörungstheorien.
 
nurmalso Donnerstag, 06.Juni 2013, 12:03 Uhr:
@Roichi
Also wenn hier jemandem Fakten ignoriert, dann Du!
Ohne Tatzeugen und Täter-DNA am Tatort Urteile fällen sind linke Methoden und erinnern an Lynchjustiz.
Beweise erst mal, dass diese oder jene Tatwaffe durch besagte Personen am Tatort abgefeuert wurden. Der Besitz einer Tatwaffe reicht hierfür nicht.



@Amstträger "Das Video beinhaltet explizites Täterwissen"

Das Video, und??? Täterwissen kann über mehrere Hände gehen, und dann?
Gilt auch für die Tatwaffe.
 
Amtsträger Donnerstag, 06.Juni 2013, 22:10 Uhr:
Liebe Mathilda,

das folgende hab ich übersehen:

"Aber eine Jogginghose mit Blut von einer ermordeten Polizistin auf jeden Fall. Zum Glück befindet sich auch in einer Tasche ein Taschentuch mit Mundlos-DNA. Und zudem liegt diese ominöse Hose fast fünf Jahre ungewaschen im Schrank - klar"

Wieso ungewaschen? Serologische Spuren werden selbst durch Kochwäsche nicht zerstört. Deswegen nutzen Profis Amoniak oder Bleiche, um solche Spuren zu vernichten. Unverdünnt und hochdosiert...

Ihr höchstpersönliches Unwissen sollten Sie nicht länger als Entlastungsargument benutzen... Das wirkt ziemlich peinlich!
 
nurmalso Freitag, 07.Juni 2013, 07:52 Uhr:
"Sie unterstellt den Beamten, nach Razzien ihrem Sohn angebliche Funde untergejubelt zu haben - darunter drei Dolche, eine Armbrust. Auch sollen Beamte in die Wohnung eingedrungen sein, wenn keiner zu Hause war. Ihr Misstrauen ist heute so stark, dass sie gar den Sprengstofff bezweifelt. "Auch der Vater von Uwe Mundlos glaubt, dass das getürkt sei.""
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/brigitte-boehnhardt-sagt-im-nsu-ausschuss-ueber-sohn-uwe-aus-a-904168.html

Roichi, die NSO-Story Geschichte ist noch nicht gegessen.
 
Roichi Freitag, 07.Juni 2013, 09:02 Uhr:
@ nurmalso

"Ohne Tatzeugen und Täter-DNA am Tatort Urteile fällen sind linke Methoden und erinnern an Lynchjustiz. "

Du solltest dir weniger Fernsehserien als Maßstab nehemn, als wirkliche Verfahren.
Mordprozesse ohne Tatzeugen und DNA sind nun nicht so außergewöhnlich.

"Beweise erst mal, dass diese oder jene Tatwaffe durch besagte Personen am Tatort abgefeuert wurden. Der Besitz einer Tatwaffe reicht hierfür nicht. "

Das ist Aufgabe des Gerichts.
Mit den Vorliegenden Beweisen dürfte das allerdings nicht schwer fallen.
Immerhin liegt ja ein Selbstbekennntnis vor.
 
Roichi Freitag, 07.Juni 2013, 10:43 Uhr:
@ nurmalso

"Roichi, die NSO-Story Geschichte ist noch nicht gegessen."

Weil du und die Eltern daran glauben wollen?
Damit wirst du wohl nicht überzeugen können.
 
JayBee Freitag, 07.Juni 2013, 10:52 Uhr:
@ nurmalso

"Roichi, die NSO-Story Geschichte ist noch nicht gegessen.2

Also mal abgesehen davon, daß der Prozess ja läuft und deswegen die ganze Geschichte tatsächlich noch nicht gegessen ist: In dem von Dir verlinkten Artikel werden die Empfindungen von Böhnhardts Mutter wiedergegeben. Die sind für Dich jetzt wahrscheinlich unschlagbare und eindeutige Argumente? Deshalb steht der Prozess jetzt wahrscheinlich kurz vor dem Aus?
 
Hans Krafft Freitag, 07.Juni 2013, 11:25 Uhr:
@ Roichi

"Mit den Vorliegenden Beweisen dürfte das allerdings nicht schwer fallen."

Welche Beweise denn?
 
Don Geraldo Freitag, 07.Juni 2013, 13:04 Uhr:
@ Roichi

"Zumal niemals wirklich geklärt werden kann, ob die übergebene Waffe tatsächlich als Mordwaffe benutzt wurde."

Warum denn nicht?
Schonmal was von der Wissenschaft der Ballistik gehört?
Jede Waffe hinterlässt eindeutige Spuren.
Aber was dir nicht gefällt, existiert nicht.

Weißt Du was, was wir nicht wissen ?
Mit der Waffe, die in Pressefotos als angebliche Tatwaffe präsentiert wird lassen sich bestimmt keine ballistischen Untersuchungen mehr machen.
 
Samuel Bernstein Freitag, 07.Juni 2013, 19:44 Uhr:
@ Roichi

"Geht es vielleicht etwas genauer?
Was genau wirfst du Ströbele denn vor? Und welche Position hatte er damals in einer Partei?"

Ich werfe ihm vor,daß er eine kriminelle Vereinigung unterstützt hat und dafür auch verurteilt wurde. Er hat sich bis heute nicht von dieser Tat distanziert und nennt die Terroristen sogar noch "Genossen". Wirft sowas etwa kein schlechtes Licht auf die rot/grünen "Demokraten",wenn ein Bundestagsabgeortneter Terroristen unterstützt hat und dieser Abgeortnete sich noch heute mit diesen Verbrechern solidarisiert?
Weshalb sollte sich die NPD von Ralf Wohlleben distanzieren,der noch nichtmal verurteilt worden ist und auch kein Mitglied der NPD ist,wenn sich die "Grünen" nicht von Ströbele distanzieren,der rechtskräftig verurteilt worden ist und heute noch stolz auf seine Taten zu sein scheint?

"Und zuletzt: Was hat das hier mit dem Thema zu tun, außer abzulenken?"

Ihr schreit laut auf,weil Herr Wohlleben irgendwann mal Mitglied in der NPD war,aber in den eigenen Reihen duldet ihr Terroristen-Unterstützer.
Das nennt man Heuchelei. Wasser predigen und Wein saufen.
 
Roichi Freitag, 07.Juni 2013, 20:28 Uhr:
@ Hans

Lies doch nochmal oben die Kommentare.
Ich muss ja nicht ständig alles wiederholen, wenn noch ein Pseudonym eines bekannten Schreibers auftaucht.


@ Don

"Mit der Waffe, die in Pressefotos als angebliche Tatwaffe präsentiert wird lassen sich bestimmt keine ballistischen Untersuchungen mehr machen."

Du bist also Kriminaltechniker mit Ballistik-Spezialisierung?
Wohl eher nicht.
Mit der Waffe lassen sich noch so einige Sachen ermitteln. Immerhin sieht sie auf den Bildern doch noch ganz gut aus.

Auch wenn du das nicht weißt. Aber dein Unwissen ist eben nicht Maßstab.
 
Roichi Samstag, 08.Juni 2013, 10:32 Uhr:
@ Samuel

Wohlleben war allerdings zum Zeitpunkt seiner Unterstützung nicht nur Mitglied, sondern in der Parteispitze der NPD.
Das wirst du Ströbele nicht nachweisen können. Daher ist dein Vergleich schonmal zum scheitern verurteilt.

"Ihr schreit laut auf,weil Herr Wohlleben irgendwann mal Mitglied in der NPD war,"

Nochmal, er war in der Parteispitze aktiver Kader und hat nebenbei aktiv eine Terrorgruppe unterstützt, unter Anderem durch Waffenbeschaffung.
Der Unterschied sollte selbst dir aufgehen.
 
Amtsträger Montag, 10.Juni 2013, 22:37 Uhr:
"Mit der Waffe, die in Pressefotos als angebliche Tatwaffe präsentiert wird lassen sich bestimmt keine ballistischen Untersuchungen mehr machen."

Lauf und Schlagbolzen sind noch vorhanden. Das reicht, denn andere Baugruppen hinterlassen an dem Geschoss und der Hülse keine validen Spuren. Wirklich interessant ist der Lauf.

Ich empfinde es allerdings als unbegreiflich, dass kriminalistisches Grundwissen, so dermaßen bekannt das es selbst in der Belletristik als Standartwissen verwendet wird, hier bei einigen Kommentatoren nicht vorhanden sein soll.

Ich halte das für simple Schutzmechanismen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
 
Don Geraldo Dienstag, 11.Juni 2013, 09:14 Uhr:
"Lauf und Schlagbolzen sind noch vorhanden. Das reicht, denn andere Baugruppen hinterlassen an dem Geschoss und der Hülse keine validen Spuren. Wirklich interessant ist der Lauf.

Ich empfinde es allerdings als unbegreiflich, dass kriminalistisches Grundwissen, so dermaßen bekannt das es selbst in der Belletristik als Standartwissen verwendet wird, hier bei einigen Kommentatoren nicht vorhanden sein soll."

Schon interessant, daß ausgerechnet Sie ausgerechnet in diesem Fall die Belletristik bemühen. Sie meinen in dem Fall wohl nicht Harry Potter und Co., sondern Krimis.
Leider spielen technische Beschreibungen bei den von mir bevorzugten Autorden McDermit, Hammet, Peters und Roberts keine Rolle.

Ich kann also nicht mit speziellen ballistischen Kenntnissen aus der Poplärliteratur dienen.

Ich habe aber eine solide Ausbildung als Werkzeugmacher genossen. Letztlich ist auch eine Schußwaffe, insbesondere der Lauf, ein Präzisionswerkzeug mit niedrigen Fertigungstoleranzen.
Ich verrate Ihnen mal etwas für Sie möglicherweise Neues:
Ein Werkstück aus Metall dehnt sich bei Erwärmung aus und zieht sich bei Abkühlung wieder zusammen. Allerdings kommt es hier zu Maßänderungen, daher werden Präzisionsteile erst NACH der thermischen Behandlung auf das Endmaß geschliffen.
Außerdem hat eine Erwärmung natürlich Auswirkungen auf die Struktur des Metalls. Beim Härteprozeß wird durch eine Erwärmung auf eine definierte Temperatur und anschließende kontrollierte Abkühlung die Strukur und damit die Härte des Ausgangsmaterials verändert. Abgeschlossen wird der Vorgang durch eine nochmalige Erwärmung, das sogenannte Anlassen.

Wenn ein Präzisionswerkstück einem Feuer und eventuell dem Löschwasser ausgesetzt wird hat das definitiv Auswirkungen auf Struktur und Maßhaltigkeit des Werkstückes.

Ich würde mich wundern, wenn die Kugeln aus einer solchen Waffe noch so aussehen wie vor dem Feuer.
 

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