von Robert Scholz
   

NPD will vor „Volksparkstadium“ Aufklärung leisten und solidarisiert sich mit „deutschen HSV-Fans“

Nachdem es vor geraumer Zeit zu einem Übergriff von HSV-Anhängern auf eine Gruppe von St- Pauli-Fans gekommen war, zu denen auch der Pauli-Torwart Benedikt Pliquett gehörte, solidarisiert sich nun – drei Wochen später – die NPD mit den „deutschen HSV-Fans“. Das alles ganz anders gewesen war, als die Medien berichten, versteht sich von selbst. 

Von einer „breit angelegten Medienkampagne gegen diverse deutsche Fußballanhänger des Hamburger SV“ berichtet die NPD in ihrer Pressemitteilung. Die breite Grundlage ist ein Artikel in der Hamburger Morgenpost, in der nach Ansicht der NPD HSV-Hooligans als „Gewaltverbrecher“ diffamiert werden. Dass die Berichterstattung nicht korrekt sei, will die NPD wissen, da „in einigen Kreisen“ „gemunkelt“ werde, die Pauli-Fans hätten den Streit angefangen. Die „angebliche Gewalt“ wird demnach „durch keinerlei Beweise oder stichhaltige Indizien belegt“.

Dass die Polizei drei der Gewalttäter festgenommen hatte und diese bereits in der Datei "Gewalttäter Sport" aktenkundig waren, alle drei HSV- Dauerkarteninhaber waren und auch der HSV-Vorstand Oliver Scheel gegenüber dem Hamburger Abendblatt eingeräumt hatte, dass der Übergriff „dem HSV zuzuordnen ist“, reicht der NPD offenbar nicht als Beweis.

Dass es in der Pressemitteilung eher um Grundsätzliches geht, wird deutlich, wenn von „linksextremer Gewalt“ im Umfeld der Fangruppierungen des FC St. Pauli die Rede ist. „Die Heuchelei der Medien“, so die NPD, „die Anhänger des FC St. Pauli als Opfer zu stilisieren, ist aus diesem Grund mehr als lächerlich.“

Deshalb zeige man sich auch „betroffen und solidarisch […] mit jedem Anhänger und Sympathisanten des HSV, welcher Opfer dieser medial unterstützen Machenschaft wurde“. Da man zudem von „diversen Mitarbeiter des HSV“ erfahren haben will, dass „die Verausländerung und Kommerzialisierung des Vereins in weiten Teilen der Anhängerschaft auf große Skepsis“ stoße, habe man sich vorgenommen, „in Zukunft gezielt vor dem Volksparkstadium [sic!] politische Aufklärungsarbeit zu betreiben“.

Nur zur Erinnerung: Der Hamburger Landesverband hatte vor nicht allzu langer Zeit noch zarte Annäherungsversuche an die antiimperialistische Linke der Hansestadt gestartet. Das scheint in der Anhängerschaft wohl nicht unumstritten gewesen zu sein, so dass nun der FC St. Pauli als Feindbild herhalten muss, um zu zeigen, dass man mit „den Linken“ eigentlich doch nichts zu tun haben will.

Kommentare(4)

HSV-Fans gegen Rechts Samstag, 18.September 2010, 19:21 Uhr:
Auch beim HSV hat keiner Bock auf Nazis:

http://cfhh.net/?p=2024

http://www.hsv-sc.de/nc/news-anzeige/article/npd-ist-unerwuenscht.html?tx_ttnews[backPid]=6

Kein Fußball den Faschisten!
 
Der Liebe Sonntag, 19.September 2010, 12:48 Uhr:
Hab gehört, das es das Telekolleg " Deutsch für Nazis" bald als App geben wird, damit der moderne NPDler endlich aus der rhetorischen Krüppelecke ausbrechen kann
 
B.C. Sonntag, 19.September 2010, 16:53 Uhr:
liest sich fast so, als haette die NPD medienprofi boehm fuer die formulirung solcher texte gewinnen koennen.
 
Patrick gensing Montag, 20.September 2010, 16:59 Uhr:
HSVer weisen NPD-Avancen deutlich zurück.
http://npd-blog.info/2010/09/20/hsv-fans-weisen-npd-avancen-deutlich-zuruck/
Gruß
Patrick
 

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