von Redaktion
   

NPD-Wahlkampf vor leeren Rängen

In Mecklenburg-Vorpommern kommt der Wahlkampf der NPD auch auf der Zielgeraden nicht ins Rollen. Die schlechten Umfragewerte für die Truppe um Spitzenkandidat Udo Pastörs spiegeln sich an den Infoständen wider. Kaum jemand interessierte sich heute in Schwerin für die Parolen von Landeschef Stefan Köster und dem als „Verstärkung“ angereisten Bundesvorsitzenden Frank Franz. Nur ein „Hakenkreuz-Vorfall“ am Rande sorgte bisweilen für erhöhten Puls.

Nix los bei der NPD (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Kurz vor 11.00 Uhr baut die Wahlkampf-Mannschaft der NPD im Schweriner Stadtteil Lankow ihren Stand auf. Zwischen Plattenbauten, in unmittelbarer Nähe eines Discounters und eines Ärztehochhauses, rechnet sich die extrem rechte Partei vermutlich einen höheren Zuspruch aus. Auf der Straße steht eine Handvoll Jugendlicher herum, der nahe Döner-Imbiss ist bereits besucht. Lankow, am Rande der Landeshauptstadt, ist ein eher benachteiligter Stadtteil. Trotzdem findet in den nächsten 60 Minuten nur rund ein Dutzend Interessierte den Weg an den von Landeschef Stefan Köster und dem Kopf der NPD-Parteijugend Junge Nationaldemokraten (JN), Sebastian Richter, betreuten Infostand.

Auf Routine folgt der Abgang

Derweil spult der seit Wochen in Mecklenburg-Vorpommern aktive NPD-Chef Frank Franz routiniert sein Programm ab. Er redet davon, Deutschland könne nicht „das Sozialamt für die ganze Welt spielen“ und die Menschen hätten am kommenden Sonntag bei der Landtagswahl die Chance, „die Bonzen abzustrafen“. „Gehen sie zur Wahl und unterstützen sie den Widerstand“, brüllt der erfolglose Saarländer in die leere Straße. Anschließend ergreift Köster das Wort, er hält sich kurz. Die Zeit ist fortgeschritten, niemand applaudiert.

Zwei NPD-„Größen“ nah am Wähler (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Spitzenkandidat Udo Pastörs ist in Lankow nicht an Bord. Der vorbestrafte Fraktionsvorsitzende versucht in diesen Tagen mit unterschiedlichsten Mitteln, das Steuer herumzureißen. Die Umfragen sehen seine Partei, gegen die außerdem ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist, zwischen zwei und drei Prozent. Kaum eine verzweifelte Aktion fruchtet, die fast täglichen Videos des NPD-Kopfes wirken hilflos. Der Rückenwind, der die NPD 2006 und 2011 auf den letzten Metern in den Landtag führte, bleibt in diesem Jahr aus.

Bei einigen kommt die NPD noch an

Erst gegen Ende herrscht an dem kleinen Stand Betriebsamkeit. Ein offensichtlich angetrunkener Mann steuert zielstrebig auf die Wahlkampfmannschaft zu, seine geöffnete Jacke legt einen Hakenkreuz-Aufnäher auf dem T-Shirt frei. In seinem eigenen Interesse solle er das Symbol verdecken, reden die NPD-Kader hektisch auf den Neonazi ein. Derweil hat ein Passant die anwesende Polizei informiert, die die Personalien des „Hakenkreuz-Fans“ aufnimmt und eine Anzeige schreibt.

„Hakenkreuz-Fan“ hat Ärger mit der Polizei (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Symbolischer könnte der Vormittag kaum zu Ende gehen. Die NPD ist isoliert, sie punktet allenfalls noch ganz rechtsaußen und nicht – wie von vielen Funktionären herbeifantasiert – in der „Mitte der Gesellschaft“. Das gilt freilich nicht für ihr Gedankengut, das bereitwillig von der AfD aufgesammelt wird.

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