von Marc Brandstetter
   

NPD-Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: „Einsatzgruppe“ für die Schicksalswahl

Die NPD in Mecklenburg-Vorpommern stellt die Weichen auf Wahlkampf. In der Parteipostille Deutsche Stimme stellte ihr Spitzenkandidat Udo Pastörs eine ganz auf seine Person zugeschnittene Kampagne in Aussicht. Gleichzeitig wirbt die ums politische Überleben kämpfende Partei um Spenden und Unterstützung. In einer „Einsatzgruppe“ werden die Unterstützer der NPD-Junioren zusammengezogen.

Muss sich für den Wahlkampf warm anziehen: Udo Pastörs (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Der von NPD-Frontmann Udo Pastörs zuletzt mehrfach angekündigte „größte Wahlkampf aller Zeiten“ (Gröwaz) nimmt konkrete Züge an. Während in einigen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns bereits die ersten Plakate hängen – die Partei hat dabei offensichtlich jedes in irgendeinem Keller gelagerte noch so alte Motiv an die Laternen gebracht –, umreißt Pastörs in einem mehrseitigen Interview mit dem Parteipropagandablatt Deutsche Stimme (DS) die Kampagne.

Der Landesvorstand habe sich für einen „Personenwahlkampf“ entschieden, gibt der 63-Jährige zum Besten. Außerdem würde die NPD die Sozialpolitik und die Innere Sicherheit in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehöre die „ausufernde Ausländerkriminalität mit Mord und Totschlag, Raub und Vergewaltigung“, schalte der vorbestrafte Kader in den überzeichnenden Hetzmodus. Ein weiteres Standbein ist für den NPD-Spitzenkandidaten der Kampf um die „Identitätsbewahrung unserer Nation“. Jüngst hatte sein Bundeschef Frank Franz geraten, das Augenmerk nicht unbedingt auf die „Abstammungsfrage“ zu legen, da dieses Thema beim „normalen“ Wähler wenig Anklang verspreche.

„Einsatzgruppe“ für die Schicksalswahl

Der Wahl am 4. September sprach Pastörs die „größte Bedeutung für Landesverband und Bundespartei“ zu. Ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde dürfte die seit Jahren weitgehend erfolglose NPD tiefer in die Bedeutungslosigkeit führen. Hängen an der hiesigen Landtagsfraktion doch wichtige Strukturen, nicht zuletzt aufgrund von Diäten und Gehältern. In Verkennung der aktuellen Lage bescheinigt der NPD-Fraktionsvorsitzende der Partei die Position einer „relativen Stärke“. Die Alternative für Deutschland sitze der NPD nicht im Nacken, „die AfD in MV ist kein Konkurrent“, sagte der 2014 gescheiterte Ex-NPD-Chef. Eine aktuelle Umfrage sieht die AfD hingegen bei 19 Prozent Zustimmung, während die Rechtsextremisten auf vier Prozent kommen und damit dem kommenden Landtag nicht mehr angehören würden.

Vor dieser Schicksalswahl versucht die NPD, Kräfte aus dem gesamten Bundesgebiet zusammenzuziehen. Bereits seit Monaten buhlt sie im „Weltnetz“ oder mit Anzeigen in der DS mit der Überschrift „Sommer. Sonne. Wahlkampf“ um die Hilfe der Parteibasis. Konkrete Vorschläge unterbreiten derweil die ansonsten kaum wahrnehmbaren Jungen Nationaldemokraten (JN). Ein JN-Wahlkampflager unter dem Motto „Wir trommeln zum Sturm“ soll die „Kameraden“ vor Ort „personell und ideell“ unterstützen. Wer Teil dieser „Einsatzgruppe“ [sic!] sein wolle, um „Kreativaktionen, Straßentheater oder Werberundfahrten“ durchzuführen, könne sich beim Bundesvorstand des NPD-Nachwuchses in Lübtheen melden.

JN-Bundeschef Sebastian Richter setzt auf eine „Einsatzgruppe“ (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv) 

Spenden sollen die Kasse klingeln lassen

„Kreativ“ zeigen sich die Wahlkampf-„Macher“, um die Kassen zu füllen. Eine Anzeige verspricht Spendern, die der Partei mindestens 123 Euro zukommen lassen, als „Dankeschön eine exklusive Münze nebst dem dazugehörigen Etui“, die das Wahlkampfmotto „Für Volk und Heimat“ trage. Außerdem sucht die NPD „Plakatpaten“. Der Aufstellungsort könnte in Absprache mit der Landesgeschäftsstelle besprochen werden, heißt es in der dazugehörigen Botschaft. Kostenpunkt: 250 Euro.

Kommentare(6)

Otto Nagel Sonntag, 10.Juli 2016, 11:44 Uhr:
Ein Trauerspiel der AfD im Stuttgarter Landtag, da hoffe ich nur, daß die NPD in M.V. wieder in den Landtag kommt !
 
paul.pa Sonntag, 10.Juli 2016, 23:04 Uhr:
"Task-Force" hätte natürlich besser geklungen.
 
Roichi Montag, 11.Juli 2016, 09:48 Uhr:
@ Otto

Die NPD bekommt noch nicht mal einen Antrag zusammen, der nicht abgeschrieben ist. Was soll dann daran besser sein?

@ Paul

Die Wahl des Begriffes dürfte nicht ganz so zufällig sein, wie du suggerierst.
 
paul.pa Mittwoch, 13.Juli 2016, 00:09 Uhr:
Was meinen Sie denn was die NPD mit diesem Namen suggerieren wollte, Roichi?
 
Don Geraldo Mittwoch, 13.Juli 2016, 12:30 Uhr:
@ Roichi

"Die NPD bekommt noch nicht mal einen Antrag zusammen, der nicht abgeschrieben ist."

Wenn man dem Artikel glauben darf, schreibt die NPD hauptsächlich bei sich selbst ab: http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/landtag-mv/artikel/npd-am-ende.html

Wenn schon hetzten, dann wenigstens um ein bißchen inhaltliche Substanz bemühen. Also, üben, Roichi.
 
Roichi Mittwoch, 13.Juli 2016, 14:02 Uhr:
@ Don

Wo ist es denn Hetzte, wenn ich eine Tatsache aufführe.
Und ich beschränkte mich nicht nur auf diese Sitzung. Auch wenn die natürlich das Paradebeispiel für meine überspitzte Formulierung war.
Üb mal weiter.

@ Paul

Du suggerierst, nicht die NPD.
 

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