von Redaktion
   

NPD-Wahlkampf in Greifswald erneut gescheitert

Seitdem die NPD Ende Juli mit einer Kundgebung in Schönwalde II beim Versuch scheiterte, den Wahlkampf wirksam einzuleiten, sind immer mehr Plakate entlang von vielen Straßen verteilt worden, um andauernde Präsenz zu symbolisieren. An diesem Mittwoch versuchte es die Partei erneut mit personeller Präsenz in der Stadt – diesmal mit zwei Infoständen.

Vormittags am Fischmarkt

In der morgendlichen Greifswalder Innenstadt begann so langsam Leben einzukehren. Einige Leute saßen in den Cafés um zu frühstücken, Lastwagen schlängelten sich durch die Lange Straße, um die Läden zu versorgen. Das Einzige, was an diesem Mittwoch anders war, waren dumpfe Lautsprecherstimmen, welche durch die Innenstadt hallten. Ihr Ursprung lag an einem Infostand der NPD am Fischmarkt, an welchem seit dem Morgen versucht wurde, Kontakt zu den Bürgern herzustellen. Zunächst konnten auch ungehindert aus den Lautsprechern des „Flagschiffes“, dem NPD-Wahlkampfbus, strammen Parolen wie „Wahltag ist Zahltag“, „Politik von Deutschen für Deutsche“ und „Arbeit zuerst für Deutsche“ immer wieder ertönen um die Vorbeikommenden für die rechtsextreme Politik zu begeistern.

Spätestens nach einer Stunde war davon aber nichts mehr zu hören, als eine immer größer werdende Gruppe an Gegendemonstranten begann, den Infostand und die dazugehörige Lautsprecheransage mit lautem Pfeifen und public Buh-ing zu übertönen. Die ungefähr über Einhundert Protestierer setzten sich vor allem aus Studenten und Mitgliedern von ebenfalls wahlkämpfenden Parteien zusammen. Begann man zunächst, sich an allen Straßenseiten rund um den Infotisch zu versammeln, rückte die Menge im Laufe der Zeit immer näher, sodass der Stand letztendlich von allen Seiten von NPD-Gegnern und bunten Plakaten eingeschlossen war. Das Verteilen von Wahlmaterialien wurde unmöglich. Die abgehaltenen Reden, unter anderem auch vom sächsischen NPD-Landesvorsitzenden Holger Apfel, waren im Lärm der Gegner nicht mehr zu verstehen.

Nach etwa einer Stunde befolgten die Nationalsozialisten die lautstarken „Haut Ab!“- und „Buh“-Rufe aus der Menge, beendeten ihren Infostand tatsächlich vorzeitig und verließen wieder mit ihrem Bus zögerlich die Innenstadt. An der Steinbecker Brücke war für die meisten die Gegendemonstration erfolgreich beendet.

Jedoch wurden im Anschluss einige NPD-Mitglieder, welche zu Fuß unterwegs waren, von einigen Protestierern weiter die Stralsunder Straße hinunter verfolgt, bis diese eine Tankstelle am Ortsausgang betraten. Die Nazigegner blieben weiter vor der Tankstelle versammelt, was die Polizei dazu veranlasste Verstärkung und Hunde anzufordern. Nachdem aber die NPD-Leute die Tankstelle mit Autos verließen, war der Einsatz friedlich beendet.

Nachmittags in Schönwalde

Der zweite Infostand fand am Schönwalde-Center, an gleicher Stelle der Kundgebung vom 30. Juli statt. Auch hier fanden sich, im Vergleich zum Vormittag zwar weniger NPD-Gegner aber weitaus mehr Einsatzwagen der Polizei ein. Nur von dem geplanten Infostand der NPD gab es zunächst keine Spur, weswegen zuerst die Polizei und dann auch die meisten Gegendemonstranten unverrichteter Taten den Platz wieder verließen.

Erst mit zwei Stunden vermutlich geplanter Verspätung baute die NPD ihren Wahlkampfstand auf. Dank sozialer Netzwerke konnte auf gegnerischer Seite aber auch schnell wieder ein mindestens 50 Personen starker Widerstand mobilisiert werden.

Anders als in der Innenstadt, sperrte die Polizei, ebenfalls wieder schnell vor Ort, das Gelände um den Stand großzügig ab. Es wurde von vornherein kein Gegendemonstrant näher heran gelassen und man verwies diese auf die andere Straßenseite. Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass es für Passanten ebenfalls sehr schwer wurde den Stand zu erreichen. Der NPD blieb wieder nichts, außer ihren sich immer wiederholenden Parolen vom Band, welche lautstark von anderer Straßenseite übertönt werden konnten. Auch Schönwalde II musste die NPD schließlich vorzeitig und mit einem weiterhin großen Vorrat an Infomaterialien verlassen, ohne über längere Zeit ungestört Wahlkampf betreiben haben zu können.

Eine direkte Konfrontation gab es auch hier nicht. Jedoch wurden von Seiten der Polizei sechs Platzverweise ausgesprochen, da diese die Veranstaltung störten, wie es in einer DPA-Meldung heißt. Insgesamt seien 80 Beamte im Einsatz gewesen, hieß es dort weiter.

Ob die NPD es in Greifswald weiterhin mit wenig wirksamen Wahlkampfaktionen versuchen möchte, bleibt abzusehen. Auffällig war dieses Mal eine geringere Anzahl an dennoch sehr lautstarken Gegenprotestierern. Vielleicht bereitet sich der ein oder andere auf die Veranstaltung der rechtskonservativen Republikaner am kommenden Freitag, 12. August 2011 von 10 bis 14 Uhr, vor welche diese Am Mühlentor geplant haben.

Text und Foto nach Creative-Commons-Lizenz von webMoritz/Simon Voigt übernommen.

Kommentare(7)

Roichi Donnerstag, 11.August 2011, 09:22 Uhr:
Muss die NPD jetzt schon Pfand sammeln?
Und warum fehlt der Flasche der Hals?
War grad keine Eisenstange zur Hand?
 
Björn Donnerstag, 11.August 2011, 13:19 Uhr:
@Roichi

Wahrscheinlich der Überrest eines linken Wurfgeschosses. Auf Indymedia prahlen die "Demokraten" damit den friedlichen NPD-Stand mit Gegenständen beworfen zu haben.

"War grad keine Eisenstange zur Hand?"

Die wurden doch letztens von den Anti-Rechts-Kämpfern benötigt um einen NPD-Wahlhelfer ins Krankenhaus zu prügeln.

Immer wieder erstaunlich wie man mit einer handvoll Leuten eine solche Außenwirkung erzielen kann. Ob ungestörtes Flugbalttverteilen auch so viel Außenwirkung gehabt hätte?
 
Amtsträger Donnerstag, 11.August 2011, 14:10 Uhr:
"Schlechte Pulicity ist gute Publicity" gilt nur für Prominente.

In der Politik gilt "schlechte Publicity ist schlechte Publicity".

Aber das können Menschen, die seit 65 Jahren Durchhalteparolen raushauen, nicht verstehen.
 
Birgit Kramp Donnerstag, 11.August 2011, 14:23 Uhr:
Dieser Bericht freut mich persönlich ganz besonders, denn für mich ist Greifswald eine der liebenswertesten Städte überhaupt. Gefolgt von Rostock.
Weiter so! :)
 
Roichi Donnerstag, 11.August 2011, 17:43 Uhr:
@Björn

"Wahrscheinlich" ist nicht sicher.
Könnte auch nur wieder eine deiner Vermutungen sein.
 
Birgit Kramp Donnerstag, 11.August 2011, 19:10 Uhr:
Könnte ER nicht einmal einen Preis für die beste Neonazi-Opferdarstellung erfinden? Vielleicht fällt eurem Storch Heinar ja dazu etwas ein.

Ich jedenfalls würde Björn für eine Nominierung vorschlagen weil ich aufgrund seiner unzähligen Kommentare glaube, dass er beste Chancen auf den 1. Platz hätte...
 
Björn Freitag, 12.August 2011, 20:13 Uhr:
@Roichi

Nun, da auf Indymedia über Wurfgeschosse auf den friedlichen NPD-Stand gejubelt wird spricht einiges dafür. Ansonten solltest du das Wort wahrscheinlich auch öfter in deine Kommentare einbauen. Wenn ich deine "Tatsachenbehauptungen" zerpflücke wirds dann nicht ganz so peinlich.

@Birgit

Ich kann nichts dafür, dass ihre Genossen auf Indymedia den Angriff mittels Wurfgeschossen auf den NPD-Stand bejubeln und zugeben. Die Erwähnung dieser Tatsache ist keine "Opferdarstellung". Das euch das gewalttätige Verhalten eurer Anti-Rechts-Kämpfer ungelegen kommt, wenn man versucht den Menschen weiß zu machen man hätte einen friedlichen Sieg über die NPD errungen, ist klar. Aber nicht meine Schuld.

Ansonsten finde ich es schon amüsant wenn sie hier einen auf lustig machen wollen, weil man auf linke Gewalttaten aufmerksam macht aber selber jedes kleine "rechte" Graffiti zu einem fiesen Naziüberfall stilisieren und sich dementsprechend in der Presse auszuheulen.
 

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