von Redaktion
   

NPD-Vize Frank Schwerdt ist tot

In der Nacht auf den 22. Oktober starb mit Frank Schwerdt ein langjähriger Spitzenkader der NPD. Schwerdt bekleidete in der rechtsextremistischen Partei eine Vielzahl an Ämtern. 1997 forderte der damalige Vorsitzende des Neonazi-Vereins „Die Nationalen“ seine Anhänger zum Eintritt in die NPD auf – ein erster Erfolg des damals neugewählten Bundesvorsitzenden Udo Voigt und seiner Bündnispolitik.

Frank Schwerdt, hier bei der Verhandlung im Rahmen des Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

In der NPD machte Frank Schwerdt schnell Karriere. Erst 1997 in die Partei eingetreten, wurde er im darauffolgenden Jahr in den Bundesvorstand der rechtsextremistischen Partei gewählt. Als Bundesgeschäftsführer übernahm das frühere CDU-Mitglied sodann eine der wichtigsten Positionen innerhalb der Partei. Schwerdt, Jahrgang 1944, war in den folgenden 19 Jahren immer am oberen Ende der NPD-Hierarchie zu finden, ob als stellvertretender Bundesvorsitzender, Leiter des „Amtes Recht“ oder als thüringischer Landeschef. 2009 hätte der vormals ebenfalls bei den Republikanern aktive Rechtsextremist die NPD fast in den Landtag von Thüringen geführt. Als Spitzenkandidat scheiterte er denkbar knapp mit 4,8 Prozent.

Schwerdt für Radikalisierung der NPD mitverantwortlich

Zuletzt zog Schwerdt als Bundesvize aus der Berliner Parteizentrale die Strippen der NPD. Im laufenden Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht nahm er neben den beiden Rechtsanwälten Peter Richter und Michael Andrejewski ebenfalls eine herausgehobene Position ein, die Rechtsabteilung der NPD lag weiter in seinen Händen, obwohl Schwerdt über keine einschlägige juristische Ausbildung verfügte. Studierte hatte er Vermessungstechnik.

Unter Schwerdts Verantwortung radikalisierte sich der 1991 gegründete Berliner Verein „Die Nationalen“, an deren Spitze der Verstorbene seit 1993 stand. Einem Verbot kam die Gruppierung 1997 durch Selbstauflösung zuvor. In einem Internet-Beitrag sprach der Verein seinerzeit von der NPD als „befreiter Zone“, um seinen Anhängern diese Partei als legale Form der rechtsextremen Politik schmackhaft zu machen. Vermutlich ein Großteil der rund 110 Brandenburger „Nationalen“-Sympathisanten folgte ihrem Vorsitzenden Schwerdt und trat in die NPD oder die JN ein. Für die bis dahin nahezu bedeutungslose brandenburgische NPD markierte der Zuwachs einen wichtigen Wendepunkt. Binnen zwei Jahren stieg ihre Mitgliederzahl fast um das Achtfache, das verstärkte neonationalsozialistische Element radikalisierte den Landesverband. Udo Voigt, seit 1996 Parteivorsitzender und enger Vertrauter Schwerdts, hatte als eine seiner ersten Amtshandlungen die „Unvereinbarkeitsbeschlüsse“ zu den zahlreichen Neonazi-Vereinigungen der neunziger Jahre gekippt und den Schulterschluss zu diesem Milieu gesucht. Bei Schwerdt fand sein Vorstoß offene Ohren.

NSU-Kontakte

Zeitlebens galt Schwerdt als Hardliner. Wegen Volksverhetzung, der Herstellung und Verbreitung von NS-Propagandamaterial und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurde er zwei mehrmonatigen Freiheitsstrafen verurteilt. In seiner Zeit als Landesvorsitzender in Thüringen unterstützte ihn Ralf Wohlleben, der sich seit 2013 als mutmaßlicher Unterstützer der Neonazi-Terrorzelle NSU vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten muss. Im März 2012 musste Schwerdt Kontakte zum NSU einräumen. Uwe Mundlos sei Ende der neunziger Jahre für ihn als Fahrer tätig gewesen.

Schwerdt starb nach Parteiangaben in der Nacht auf Samstag nach kurzer schwerer Krankheit.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen