von Redaktion
   

NPD verzichtet auf Dresden - und unterstützt Pegida-OB-Kandidatin

Zu den Dresdner Oberbürgermeisterwahlen am 7. Juni wird die NPD keinen eigenen Bewerber ins Rennen schicken. Stattdessen ruft die Partei ihre Anhänger auf, die Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling zu unterstützen. Was die Parteiführung als „möglichst kraftvolles Zeichen“ verkaufen möchte, dürfte sich bei genaueren Hinsehen vielmehr als ein weiteres Indiz für die anhaltende Schwächephase der sächsischen NPD entpuppen.

Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling auf einer Veranstaltung in Rostock (Foto: Archiv)

Es ist bezeichnend, dass die sächsische NPD diese Gelegenheit verstreichen lässt. In gut drei Wochen werden die Dresdner an die Wahlurne gerufen, um den Nachfolger der bisherigen Oberbürgermeisterin Helma Orosz zu bestimmen. Die CDU-Politikern hatte das Amt bereits im Februar dieses Jahres niedergelegt – Grund war ihre angeschlagene Gesundheit. Vertreten wurde sie fortan vom ersten Bürgermeister Dirk Hilpert (FDP). Die NPD wird ihren Anhängern am 7. Juni allerdings keine eigene Alternative auf dem Wahlschein präsentieren. 

Offenbar ist die Partei nach der Niederlage bei den Landtagswahlen im letzten August, als sie den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde denkbar knapp verpasste, noch immer nicht auf die Beine gekommen. Zuletzt hatte der Landesverband, der seit Mitte der neunziger Jahre als Herzkammer der Rechtsextremisten galt, vor allem mit internen Streitigkeiten und Abgängen von sich reden gemacht. In die Liste der kollabierten Gliederungen reihte sich erst vor wenigen Tagen die Bautzner NPD ein, nachdem dort ein Großteil der bisherigen Mitglieder ihre Parteibücher zurück geschickt hatte. Ein Oberbürgermeister-Wahlkampf hätte die NPD womöglich aus ihrer Lethargie reißen können. Jens Baur, Dresdnder NPD-Chef und Hoffnungsträger einiger Anhänger, kann sich offensichtlich nicht für einen kraftraubenden Antritt erwärmen. 

Größenwahnsinnig - und doch kleinlaut

Zumal in der Elbmetropole aufgrund des seit Monaten und Jahren herrschenden nationalistischen Klimas ein kleiner Achtungserfolg nicht vollkommen ausgeschlossen schien. Die NPD rühmt sich sogar, mit ihrer „Volksaufklärung“ im Landtag hierfür verantwortlich zu sein. „Die NPD hat dazu beigetragen, dass die ängstliche Verzagtheit vor nationalen Positionen dem Mut gewichen ist, diese Forderungen offensiv auf der Straße bei Demonstrationen zu vertreten“, verkündet die Partei in gewohnter Selbstüberschätzung.

Stattdessen überlässt die örtliche Führungsclique des Terrain der Pegida-„Bewegung“. Die selbsternannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ werden mit der früheren AfD-Politikerin Tatjana Festerling ins Rennen um den Rathaus-Chefsessel gehen. Bei der AfD wurde die 50-Jährige vor die Tür gesetzt – sie war selbst Lucke, Henkel & Co. zu radikal. Für die NPD ist sie mangels Alternativen offenbar genau die richtige Wahl. In einer Pressemitteilung kündigte der Dresdner Kreisverband an, die „patriotische Kandidatin“ unterstützen zu wollen. Die bisherigen NPD-Wähler sollten Festerling ihre Stimme geben. Um die eigenen Reihen nicht komplett zu verprellen, verkaufen die wenigen verbliebenen Köpfe ihren Schachzug als „kraftvolles Zeichen“ und erklären zugleich, Pegida auf die Finger schauen zu wollen, damit sich deren politische Positionen nicht zu sehr vom NPD-Weltbild entfernen.

NPD-Vorstoß bleibt ohne Resonanz

Gegenüber der Sächsischen Zeitung stufte Pegida-Chef Lutz Bachmann die NPD-Aktion als Sabotageakt ein. „Das ist eine gezielte Aktion, um uns zu schaden. Verhindern kann man so etwas nicht. Das ist ungefähr so, als wenn wir Frau Stange unterstützen würden. Das würde sie ja auch nicht gut finden, könnte sich aber nicht dagegen wehren“, sagte er dem Blatt.

An der Seite von Pegida möchte die NPD auch die AfD sehen. Diese solle die Kandidatur von Stefan Vogel, einem freiberuflichen Finanz- und Investmentmakler, zurückziehen, um ein „politisches Erdbeben“ in Dresden auszulösen. Die „Alternative“ hat auf den Vorschlag bislang nicht reagiert.

Kommentare(2)

Insider wissen mehr! Dienstag, 21.April 2015, 19:04 Uhr:
Tja, Szymanski & Co. geht es eben nicht um eine Konsolidierung des eigenen famosen Landesverbandes, sondern um eine brüderliche Aufteilung der jetzt – nach zwangsweisem Abstottern alter Strafzahlungen - wieder reichlich fließenden Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Da kann ein kräftezehrender OB-Wahlkampf nur stören, zumal viele frühere Kostgänger der verflossenen Landtagsfraktion längst über alle Berge sind. Der „Firle-Franz“ hingegen, Deutschlands schönster Schwiegersohn, ist trotzdem heiter … Was bleibt ihm auch anderes übrig, als Kompromißkandidaten ohne eigene Hausmacht?
 
Chewie Mittwoch, 22.April 2015, 18:39 Uhr:
Überraschenderweise gab "Insider" hier einen inhaltlich komplett belanglosen Kommentar mit abschließender Erwähnung des von der Kernnaziriege der NPD geprägten Begriffs "Firle-Franz" ab.
Naja, ich schätze, alles hat sein erstes mal...
 

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