von Konrad D. Fromm
   

NPD verschenkt tausende Erststimmen an AfD

Paukenschlag in Mecklenburg-Vorpommern. Nachdem am Dienstag die Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen für die Landtagswahl am 4. September auslief, sieht es danach aus, dass die NPD bei den Wahlen wohl nur mit einer Landesliste antreten wird. Auf Direktkandidaten verzichtet die Partei von Udo Pastörs dieses Mal wohl komplett. Bis auf den Landkreis Nordwestmecklenburg haben dies alle Kreiswahlleiter bestätigt.

Es kann nur vermutet werden, was die NPD zu diesem Manöver treibt. Durchaus möglich, dass die bei den Landtagswahlen im März in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erfolglos versuchte „Erststimme AfD – Zweitstimme NPD“-Kampagne auch in Mecklenburg-Vorpommern gefahren werden soll. Da wäre es sinnvoll, auf eigene Direktkandidaten gleich ganz zu verzichten, um die eigenen Wähler nicht zu verwirren. Gut möglich auch, dass man die eigenen Reihen schließen möchte, dass die Zweitstimme NPD für die Stammwählerschaft bildlich gesprochen zur letzten Kugel wird. 

Fakt ist jedoch, dass der Verzicht auf eigene Direktkandidaten das Zünglein an der Waage sein kann, AfD-Kandidaten zum Wahlkreissieg zu verhelfen. Bei den Wahlen 2011 erreichte die NPD im Landesdurchschnitt einen Stimmanteil von 5,8 Prozent bei den Erststimmen. Im Wahlkreis Uecker-Randow I wurde als Spitzenwert gar 14,7 Prozent erreicht.


Die seinerzeitige Kampagne der Bundes-NPD, die größtenteils floppte

Eine Umfrage von Infratest-Dimap vom April 2016 sah die CDU bei 24 Prozent, die SPD bei 22 Prozent, die NPD auf vier Prozent und die AfD bei 18 Prozent. Sollten sich die bisherigen NPD-Wähler dafür entscheiden, ihre Erststimme tatsächlich der AfD zu geben, könnte das durchaus zum Gewinn einzelner Wahlkreise für die AfD beitragen. 

Die Direktwahlkreise gehen jeweils an den Kandidaten oder die Kandidatin, die im Wahlkreis die meisten Stimmen erzielt. Dies bedeutet im konkreten Fall: Mindestens eine Stimme mehr als der oder die Zweitplatzierte. Bei den derzeitigen Umfragewerten dürfte es folglich in einzelnen Wahlkreisen ein sehr enges Rennen werden.

Dass die NPD derart agiert, kann nur als mittelfristige Strategie gewertet werden. In dem Wissen, dass der Gewinn eines Direktmandates für die eigene Partei unrealistisch ist, gibt man generös die eigenen Erststimmen einem aussichtsreicheren Bewerber – in diesem Fall der AfD. Die AfD dürfte diese Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten: Einerseits bekommt sie potentiell tausende ehemalige NPD-Erststimmen "von oben", andererseits wird es schwerer, NPD-Stammwählern die Zweitstimme zu entlocken. Letzteres dürfte das Hauptinteresse der NPD sein: Disziplinierung der eigenen Basis, nicht doch noch eine Stimme an die AfD zu schenken.

Kommentare(14)

xyz Mittwoch, 22.Juni 2016, 19:57 Uhr:
Was soll dieser Artikel? Mehr als irgendwelche Spekulationen und Geraune sind diesem Geschreibsel nicht zu entnehmen.

Bevor Sie derartige Behauptungen aufstellen, hätten Sie doch mal die NPD fragen können, warum sie auf Direktkandidaten verzichtet hat. Von irgendeiner Stellungnahme der NPD lese ich aber nichts.

Und außerdem verschenkt keine Partei Stimmen. Stimmen werden nicht von Parteien vergeben, sondern von den Wählern. Die Auffassung, daß eine Partei Wählerstimmen verschenken würde, zeugt schon von einer gehörigen Wählerverachtung. Wähler werden von Ihnen anscheinend als bloße Dispositionsmasse wahrgenommen, über deren Stimmen eine Partei einfach mal so verfügen kann.

Aber seriöse Informationen statt billiger Propaganda darf man auf Endstation rechts halt nicht erwarten.
 
Roichi Mittwoch, 22.Juni 2016, 21:30 Uhr:
@ xyz

Logisches Denken ist eben nicht jedem gegeben.
Dein Beitrag zeigt das sehr deutlich.

"Aber seriöse Informationen statt billiger Propaganda darf man auf Endstation rechts halt nicht erwarten. "

Was willst du dann noch hier?
 
Konrad D. Fromm Donnerstag, 23.Juni 2016, 09:17 Uhr:
Sehr geehrt* XYZ,

mal ganz ab davon, dass die NPD für gewöhnlich wenig Interesse verspürt, ausgerechnet mit uns zu sprechen, hat sich die Partei in Person von David Petereit gegenüber dem NDR Hörfunk ähnlich geäußert, wie Sie es in unserem obigen Beitrag lesen können. Man sieht kaum eine Chance, selbst Direktmandate zu gewinnen. Man geht davon aus, dass die Erststimmen von NPD-Wählern der AfD zu Gute kommen. Man will sich auf die Zweitstimmen konzentrieren.

Insofern finden Sie oben all jene Informationen, die Sie auch beim NDR finden können. In diesem Kontext von billiger Propaganda zu sprechen, ist gelinde gesagt eine Frechheit.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Konrad D. Fromm
 
GNWP Donnerstag, 23.Juni 2016, 11:34 Uhr:
Köstlich :-D "mit vorzüglicher Hochachtung".

Insgesamt bester Kommentar hier seit langem!

Danke Herr Fromm :-D
 
xyz Donnerstag, 23.Juni 2016, 13:36 Uhr:
@Vorkommentatoren

Ja, klopfen Sie sich ruhig gegenseitig auf die Schulter. Applaus für solche Propagandaartikel bekommen Sie sowieso nur innerhalb Ihresgleichen, der 150%-igen.

Die Schwankenden, Unentschiedenen bekommen Sie mit so einer durchsichtigen Propaganda nicht auf Ihre Seite - im Gegenteil - sie wirkt nur abschreckend. Hier bewahrheitet sich das geflügelte Wort unseres Dichterfürsten: "Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.". Immer mehr Menschen bekennen Sie offen zur AfD und werden sie auch wählen.
 
Rostockä Donnerstag, 23.Juni 2016, 13:52 Uhr:
Die Strategie der NPD ist in diesem Falle schon richtig. Bei der Landtagswahl in Sachsen bekam die NPD an Erststimmen über 5 Prozent. An Zweitstimmen allerdings knapp unter 5%. Es haben also Wähler ihre Stimmen gesplittet. Nur sind für kleinere Parteien die Zweitstimmen entscheidend, während die AFD bei erwarteten Ergebnissen in Mecklenburg um die 20 % durchaus Direktmandate erringen könnte.

Mit der Strategie der NPD ist nun sichergestellt, dass Wähler, die ihre Stimmen zwischen der NPD und beispielsweise der AfD aufteilen wollen, ihre Stimme nicht "falschrum" splitten, so wie es in Sachsen geschehen ist.

Ich würde zu gerne eure toleranten Gesichter sehen, wenn es tatsächlich beide "rechten" Parteien in den Landtag schaffen sollten...
 
SoIstEs Donnerstag, 23.Juni 2016, 16:04 Uhr:
Ob die NPD noch ein weiteres Mal in den Landtag einzieht ist (noch) ziemlich ungewiss, jedoch wäre dies natürlich sehr wichtig, um in MV einen weiteren deutlichen (und damit nahezu unumkehrbaren) Einflussgewinn der Neonaziszene auf unbestimmte Zeit zu verhindern. Logisch :)

Ich vermute nämlich , dass der spürbare Rückgang der Neonaziszene in MV allein mindestens 10 Jahre bzw. zwei Legislaturperioden in Anspruch nehmen würde, wenn die NPD es nicht mehr in den Landtag schafft.

Ein Hoffungsschimmer: Die NPD-MV hat auch bei Weitem nicht mehr die gute Ausgangslage von 2011, wo sie sich ein wenig als "Wir gegen den Rest"-Protestpartei" darstellen konnte, was den Rechtsextremisten damals gelang und mitunter auch relativ einfach gemacht wurde.

Bei der jetzigen Wahl fischen jedoch, außer der AfD, unter anderem auch die Partei Freier Horizont, achtsame Demokraten und ALFA im allgemeinen Protestwählerbereich.

Ich verstehe somit nicht mehr, weshalb ausgerechnet sogenannte "Protestwähler" immer noch ihr Kreuz bei der neonazistsichen NPD machen sollten und somit eingefleischte Nationalsozialisten/Hitlerfans, wie Pastörs, Köster & Co. wählen würden. Dann sind diese "Protestwähler" einfach auch Neonazis oder halt sehr naiv gelinde formuliert.

Fazit: Der Urnengang wird aufjedenfall sehr spannend werden. ;)
 
Roichi Donnerstag, 23.Juni 2016, 21:57 Uhr:
@ xyz

Gehst du wieder von deinen Kamerraden und ihren Filterblasen aus?
Oder wolltest du das Zitat auf dich selbst anwenden?
Zu mehr hat es nicht gereicht.

@ Rostockä/Björn

Was soll dann zu sehen sein?
Entsetzen über so viel versammelte Dummheit und Hass?
Leider schon viel zu alltäglich die Gesichter der Kamerraden und Rassisten.
Allerdings immernoch nicht so viele wie ihr gerne hättet.
 
SoIstEs Freitag, 24.Juni 2016, 13:27 Uhr:
@wegen meines oberen Kommentares: Sorry, da habe ich beim Schreiben einen Aussage-Fehler nicht bemerkt.
Natürlich ist es sehr wichtig, dass die NPD NICHT wieder in den Landtag von MV einzieht. Das ist doch klar. ;)
Darauf baut sich ja auch mein oberes Kommentar danach auf, wie jeder lesen kann.
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 26.Juni 2016, 10:45 Uhr:
Daher gilt es: Die AfD muss genau so bekämpft werden wie NPD & Co. !
Vor allem i n t e n s i v !

Ran an den "Speck"!
 
Rostockä Montag, 27.Juni 2016, 13:51 Uhr:
@Frau Mensah-Schramm

Meinen Sie damit die AfD müsse auch verboten werden?

Sie haben ja schon letztens bei den Genossen der Taz gezeigt, was sie von Grundrechten und der Menschenwürde halten, als sie stolz verkündeten ein Plakat mit der Aufschrift "AfD - Abartig, fies, Dämlich" AfD-Aktivisten entgegen gehalten zu haben.

Wer allerdings Zehntausende Mitglieder einer demokratischen Partei die Menschenwürde abspricht, der zeigt, dass er selbst kein Demokrat ist.
Nur in der BRD ist es möglich, dass Extremisten wie sie trotz oder gerade wegen ihres Hasses auf die Grundrechte Andersdenkender regelmäßig hochdotierte Antirechtspreise bekommt.

Lassen sie es mich Ihnen noch mal deutlich sagen: Wer dazu auffordert legale Demonstrationen zu verhindern, demokratische Parteien zu verbieten oder die Menschenwürde Andersdenkender mit Füßen tritt, so wie sie es tun, der ist ein Faschist. Und ein Staat, der soetwas finanziell und ideologisch unterstützt bereitet den Weg für den roten Faschismus.
 
Roichi Montag, 27.Juni 2016, 22:15 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Da hast du deine Prolen aber fein aufgesagt. Machst du das auch bei deinen Kamerraden, die nicht nur den demokratischen Staat und die Grundrechte abschaffen wollen, sondern gleich ganz konkret zu Gewalt aufrufen, oder diese ausüben? Nicht zu vergessen die Angriffe, auch von dir, auf demokratische Parteien, die dir nicht passen.
Deine Doppelmoral fällt dir aber auch immer auf die Füße.
 
Christian Dienstag, 28.Juni 2016, 13:00 Uhr:
Das Schweigen hat für mich ein Ende!

Ich habe nie NPD gewählt und wenn ich mir das Wahlprogramm der AfD durchlese ist meine subjektive Meinung, dass die AfD eine konservative Partei ist (wie früher mal die CDU) und keine rechtsradikale Partei wie die NPD. Daher erhalten Sie von mir am 04.09 zur Wahl in MV meine Stimme. Ich frage mich gerade gedanklich: Sind den "Linken" ihre Gegner jetzt schon so schwach geworden, dass die jetzt schon auf die konservativen losgehen müssen? Naja, macht ruhig weiter... Ich denke, je mehr ihr kämpft, desto mehr schreckt ihr die Bevölkerung von euch ab. Dankeschön...
 
Roichi Dienstag, 28.Juni 2016, 15:01 Uhr:
@ Christian

Konservativ ist aber nicht gleich rassistisch und fordert auch nicht die Abschaffung von Grundrechten.
Beides Inhalte der AfD. Zusammen mit Antisemitismus, rechtsradikalem Personal und Inkompetenz.
Das hatte noch nichtmal die CDU geschafft.

Es bleibt dabei, die AfD ist eine rechtsradikale Partei mit halbwegs seriösem Anstrich.
 

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