von Redaktion
   

NPD-Sympathisant will Schweriner Rathaus erobern

Im Rahmen ihrer gestrigen Demonstration ging die extrem rechte Kleinstgruppierung „Deutschland wehrt sich“ mit ihrem Kandidaten für die Schweriner Oberbürgermeisterwahl an die Öffentlichkeit: Uwe Wilfert. Bislang war der bekennende NPD-Sympathisant vor allem durch wirre Posts auf seinem Facebook-Profil aufgefallen.

Uwe Wilfert bei einer früheren Demonstration in Schwerin (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Rund 140 Anhänger folgten gestern Abend dem Aufruf von „Deutschland wehrt sich“ (DWS) auf den Grunthalplatz vor dem Hauptbahnhof in Schwerin. Bereits seit Wochen rührte die Organisation die Werbetrommel für ihre Veranstaltung am ersten Tag der internationalen Woche gegen Rassismus, auf der sie einen eigenen Kandidaten für die Wahl des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern bekannt geben wollte.

Angesichts des von den DWS-„Machern“ um David Bühring und Torsten Schramke krampfhaft aufgebauten Spannungsbogens dürfte die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein, obwohl die NPD zur Unterstützung der „Kameraden“ in Mannschaftsstärke auflief. Neben dem Fraktionsvorsitzenden der rechtsextremistischen Partei, Udo Pastörs und Landeschef Stefan Köster beteiligten sich die Strippenzieher der NPD-Tarnorganisation Mvgida, Michael Grewe und Andreas Theißen, an dem Aufmarsch. Gesehen wurden darüber hinaus u. a. die Landesvorsitzende des Rings Nationaler Frauen, Antje Mentzel, der mehrfach vorbestrafte Sven Krüger oder der Mitarbeiter von Köster, Torgai Klingebiel.

Ein Teil der NPD-Truppe (Foto: Hans Schlechtenberg)

Pastörs, der sich meist im hinteren Feld des Demonstrationszuges aufhielt, oder die zeitweise vornweg laufenden Köster und Grewe dürfte die DWS-Kür kaum überrascht haben. Die Wahl fiel nämlich auf Uwe Wilfert, einen der fünf offensichtlichen Köpfe der Splitterorganisation. Der gebürtige Schweriner betrieb in der Vergangenheit einen Fotoladen in einem örtlichen Einkaufszentrum und arbeitete augenscheinlich für einen Gastronomiebetrieb, der auf seiner Facebookseite Werbung für DWS-Kundgebungen macht.

Beobachtern ist Wilfert ob seiner eigenen Seite in dem Sozialen Netzwerk länger bekannt. Dort teilt er in hoher Schlagzahl Artikel, oft mit verschwörungstheoretischen Inhalten, oder hetzt gegen Asylsuchende, die er „Invasoren“ nennt, sowie gegen die Bundesregierung. In einer geteilten Meldung ist die Rede davon, Merkel sei „Jüdin“, in einem eigenen Kommentar nennt Wilfert sie ein „Monster“, die nur eine „Marionette Amerikas“ sei. Gleichzeitig rief er anlässlich der Urnengänge in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt er zur Wahl der NPD auf – „nur die NPD kann Deutschland retten“, heißt es etwa in einem Posting.

Bekommt Wilfert NPD-Unterstützung?

Wilferts „Bewerbungsrede“ vor der Staatskanzlei – hier musste der Tross stoppen, denn eine Blockade von gut 100 DWS-Gegnern verhinderte den Marsch in Richtung Alter Garten – kam über Allgemeinplätze nicht hinaus. Mal ging es darum, linken Projekten den Geldhahn zuzudrehen, mal um mehr Polizei, die außerdem von „Bürgern“ unterstützt werden sollte.

DWS-Unterstützer in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Mittlerweile hat der NPD-Sympathisant ein eigenes Nachrichtenportal im Netz an den Start gebracht, um seine Weltsicht zu verkünden. Der Inhalt der „parteilosen, objektiven und informativen“ Seite bleibt freilich dünn. Bislang sind drei Artikel erschienen. Nach Informationen der Recherchegruppe AST sei der Hobbypolitiker im Herbst des letzten Jahres als Redner auf einer Demonstration in Wismar aufgetreten, in dessen Nachgang die Polizei Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen nicht näher genannte Redner einleitete. Spannend bleibt die Frage einer möglichen Unterstützung durch NPD-Kräfte im kommenden Wahlkampf. Bei der Kommunalwahl hatte die angeschlagene Partei noch auf eigene Vorschläge verzichtet.

„Die Gramkow muss weg“

Neben Merkel haben sich die Neonazis in Schwerin auf die amtierende Rathauschefin Angelika Gramkow eingeschossen. Immer wieder schallte es gestern Abend „die Gramkow muss weg“ durch die dunkeln Straßen der Landeshauptstadt. Der Linken-Politikerin machen die Neonazis den in ihren Augen bislang nicht ausreichend aufgearbeiteten Skandal um Kindesmisshandlungen in einem Schweriner Verein zum Vorwurf. Eine themenbezogene Mahnwache von „Deutschland wehrt sich“ floppte Anfang März – vor dem Stadthaus erschienen höchstens zwei Dutzend Unterstützer.

Eindeutige Botschaft (Foto: Hans Schlechtenberg)

Nach Polizeiangaben kam es auf dem Rückweg zum Bahnhof zu einer angespannten Situation, als Beamte den DWS-Zug und Gegendemonstranten trennen mussten. Zwei Polizisten seien dabei verletzt worden, einer von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden. Einen der mutmaßlichen Täter machten die Einsatzkräfte direkt vor Ort dingfest. Außerdem schrieben sie eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Vereinsgesetz. 

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