von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Sympathisant rückt für AfD in Landtag nach

Bereits vor zehn Jahren war Jens-Holger Schneider als CDU-Mitglied auf mehreren NPD-Demos anzutreffen, zuletzt lief der Schweriner auf Mvgida-Märschen – erneut unter NPD-Führung – mit, Kontakte in die rechtsextreme Szene bestehen bis heute. Jetzt ist der umstrittene Aktivist für die AfD in den Landtag nachgerückt.

Seinerzeit sorgte die Teilnahme von Jens-Holger Schneider an Demonstrationen der rechtsextremen NPD für Aufsehen, der mittlerweile 45-Jährige nahm zwischen 2006 und 2008 mindestens an drei Aufmärschen teil, anfangs noch als CDU-Mitglied. Später gab Schneider sein Parteibuch dann freiwillig zurück. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde verlautbart, er habe sich auf den Demos lediglich informieren wollen. Die CDU gab zu Protokoll: „Wer der Demokratie zuwiderhandelt oder sich mit den Feinden der Demokratie in eine Reihe stellt, hat in der CDU keine Heimat."

Alte Bekannte aus der NPD

Lange Zeit wurde es danach ruhig um den Demogänger – bis zum Februar 2015. Auf einem „Offenen Dialog“ in Schwerin zum Thema Mvgida tauchte Schneider zusammen mit einem Mittäter des Lichtenhagen-Pogroms auf und ergriff das Wort. Eine neue politische Heimat fand er ebenfalls und engagiert sich seit Ende 2014 kommunalpolitisch für die AfD in Schwerin.

Dies hielt Schneider dennoch nicht davon ab, sich in den darauffolgenden Monaten erneut zahlreichen rechtsextremen Aufmärschen anzuschließen und teilweise Ordner-Funktionen zu übernehmen. Anfangs noch mit Sonnenbrille und tief ins Gesicht gezogener Mütze, später legte er die etwas dilettantische Tarnung dann ab. Alte Kontakte in die rechtsextreme Szene scheint Schneider weiter gepflegt zu haben und tauschte sich auf Demonstrationen regelmäßig mit den Organisatoren aus.


Udo Pastörs und Jens-Holger Schneider zusammen auf einer Anti-Asyl-Demo in Schwerin, Foto: AST

Neben dem ehemaligen NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs wurde der Hardliner zusammen mit weiteren Kadern wie Pastörs´ rechter Hand Andreas Theißen, der Bundesvorsitzenden der NPD-Frauenorganisation, Antje Mentzel, und dem Jameler Neonazi Sven Krüger gesehen. Zusammen mit dem AfD-Abgeordneten Bert Obereiner trug er Banner des islamfeindlichen Blogs PI News durch die Landeshauptstadt, während rechtsextreme Redner gegen Flüchtlinge hetzten.

Nur konsequent, dass Schneider, der sich abseits der Aufmärsche konspirativ gibt, später dann auch auf AfD-Demonstrationen koordinierende Aufgaben übernahm und sich um einen reibungslosen Ablauf der Versammlungen kümmerte.

Vom Einzug der AfD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern im September 2016 profitierte auch der NPD-Sympathisant – Schneider wurde Mitarbeiter des Abgeordneten Jörg Kröger, der für seine Fraktion in der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK) sitzt und den Verfassungsschutz kontrolliert.

Stärkung des völkischen Flügels

Seit Anfang Dezember ist Schneider nun ebenfalls Landtagsabgeordneter, der 45-Jährige profitierte davon, dass der seinerzeitige Fraktionsvorsitzende Leif-Erik Holm und Enrico Komning erfolgreich für den Bundestag kandidierten. Ende November legten die beiden ihre Mandate nieder und ermöglichten Jens-Holger Schneider und dem ehemaligen Rechtsanwalt Horst Förster, in den Schweriner Landtag nachzurücken.

Der Rechtsaußen-Vertreter stärkt damit den völkisch-nationalistischen Flügel, welcher seit dem Weggang des als moderat geltenden Holm und unter dem neuen Parlamentarischen Geschäftsführer Ralph Weber innerhalb der Fraktion ohnehin keinen Gegenwind mehr zu befürchten hat.

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