von Julian Barlen
   

NPD-Stadtvertreter vermummt: Neonazi-Attacke auf Flüchtlings-Demo vereitelt

Das mecklenburgische Güstrow kommt nicht zur Ruhe: Nach zahlreichen Neonazi-Demos und jüngst der Gründung einer selbsternannten „Bürgerwehr“, konnte heute eine rechtsextreme Attacke auf eine stattfindende Flüchtlings-Kundgebung nur knapp verhindert werden. Rund 15 bis 20 Neonazis – darunter ein NPD-Stadtvertreter – erschienen teils vermummt am Versammlungsort der Refugees. Als Anwesende das Vorrücken der Neonazis verhindern wollten, bewaffneten diese sich mit dem Mobiliar eines angrenzenden Cafés.

Neonazis in Güstrow bewaffnen sich mit Stühlen. Links mit Schirm und vermummt: NPD-Stadtvertreter Nils Matischent.

Erst kürzlich war der örtliche NPD-Stadtvertreter Nils Matischent – der schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist – durch Aktivitäten einer ausländerfeindlichen „Bürgerwehr“ und eine Hausdurchsuchung in die Schlagzeilen geraten, bei der nach unverzollten Zigaretten gefahndet und dabei gleich mehrere umgebaute Elektroschocker und Teleskopschlagstöcke sichergestellt wurden. Auch war Matischent u. a. bereits wegen der Beteiligung an Diebstahlshandlungen und des Überfalls auf einen Jugendclub vor Gericht. Heute nun versuchten NPD-Matischent und seine Gesinnungsgenossen erneut, Flüchtlinge einzuschüchtern.

Unter dem Motto „Wir wollen Frieden und Glück“ führten die in Güstrow untergebrachten Flüchtlinge und Asylsuchenden eine Kundgebung mit rund 150 Personen durch. Dabei ging es den Veranstaltern nach eigenen Aussagen hauptsächlich darum, auf alltäglichen Rassismus und kontinuierliche Aktivitäten der rechtsextremen Szene aufmerksam zu machen.


„Wir wollen Frieden und Glück“ – Kundgebung am 30. Mai 2015 in Güstrow

NPD-Stadtvertreter vermummt

Augenzeugen berichten, dass während der Refugee-Kundgebung unvermittelt eine größere Gruppe aggressiv auftretender Neonazis die Bildfläche betrat. Einige von ihnen vermummt. Erneut mit vor Ort: NPD-Matischent. Einige Teilnehmer der laufenden Kundgebung stellten sich den Neonazis daraufhin offenbar in den Weg. Anstatt abzulassen, rüsteten sich die Rechtsextremen jedoch u. a. mit Sitzmöbeln eines Cafés und warfen mit diesen. Die anfangs zahlenmäßig spärlich anwesende Polizei wirkte zunächst überrascht und konnte nicht verhindern, dass die Neonazi-Gruppe sich unbehelligt vom Tatort enfernte. Später habe die Polizei aber die Personalien der Beteiligten aufgenommen. Mittlerweile ermittle der Staatsschutz.


Letzte Vorbereitungen: NPD-Matischent (2. v. l.) verhüllt sein Gesicht.

In einer Mitteilung bewertete das Polizeipräsidium Rostock anschließend die Ereignisse: Die Personen der rechten Szene hätten am Rande der Versammlung gestört, indem sie Tische und Stühle „umschubsten oder in die Luft warfen“. Anlass hierfür sei „vermutlich das Aufeinandertreffen auf eine größere Gruppe linksautonomer Personen“ gewesen. Die Refugees selber hätten das Geschehen aber nicht einmal wahrgenommen und sich anschließend „für die gute Zusammenarbeit und den aus ihrer Sicht erfolgreichen Nachmittag bei der Polizei“ bedankt, so die Einschätzung der Beamten.

Selbst für Güstrow ein Novum

Ein Mitarbeiter der langjährig aktiven Opferberatungsstelle LOBBI kommt zu einem anderen Ergebnis: „Nach den Ereignissen der letzten Wochen und Monate, war zu befürchten, dass es eine Reaktion der lokalen Naziszene auf diese Veranstaltung geben würde. Der Versuch eine angemeldete Kundgebung anzugreifen ist jedoch selbst für Güstrow ein Novum.“

Kommentare(10)

Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 31.Mai 2015, 10:53 Uhr:
Eigentlich schon sehr lange frage ich mich, wie lange die Politik da noch zuschauen will, wenn sogar Mitglieder des Stadtparlaments schwerkriminell - da derart gewalttätig agieren? Normalerweise muss mehr geschehen als nur die lapidaren halbherzigen Maßnahmen!
Auch eine Demokratie muss es fertig bringen derartige gewalttätig-kriminelle Stadtverordnete aus dem Parlament zu werfen!

Die Nazis müssen konsequenter angegangen werden, anders ist denen nicht beizukommen.
Sie haben gewalttätig die Grundrechte der Demokraten verletzt!
 
Dennis Montag, 01.Juni 2015, 15:44 Uhr:
Mal ehrlich, wundert das äusserst aggressive und gewalttätige Auftreten der Glatzen irgendwen? Mich jedenfalls nicht. Gewalttätigkeit und Drohungen gehören doch zu Nazis dazu.
Aber halt, laut Björn und Kameraden gibt es ja gar keine rechte Gewalt! Wie passt das denn jetzt zusammen? Naja, die Nazis hier werden es uns schon erklären.....
 
Gustloff Dienstag, 02.Juni 2015, 13:51 Uhr:
[...]. Den ersten Teil des Kommentars können wir aus rechtlichen Gründen nicht freigeben. Die Redaktion.

Doch war es wirklich so, wie es von der Systempresse und den linken Lügenmedien behauptet wird? Haben die Neonazis tatsächlich versucht, Flüchtlinge anzugreifen? Und stimmt es, was die Polizei sagt: “Die rechtsextremen Störer sind gerannt wie die Hasen”? Gustloff, das endgültige endgültige Satiremagazin, deckt die ganze Wahrheit auf!
http://gustloff.blogsport.eu/
 
Irmela Mensah-Schramm Dienstag, 02.Juni 2015, 21:49 Uhr:
Ach Gustloff:
"Hasenjagd" war übrigens auch in der NS-Zeit ein Spielchen der Naziverbrecher...., na ja, dass sich die offensichtlich versagenden Polizisten sich nun damit brüsten, die "Nazihasen" gejagt zu haben, aber jene öffentliche Stellungnahme (s. Meldung Störungsmelder) absolut unprofessionell abgegeben haben, womit die angegriffenen FlüchtlingsunterstützerInnen einen Schlag ins Gesicht verpasst wurde.............
Es wäre besser gewesen, Endstation hätte Deinen ganzen Propagandamist gelöscht.
Endstation ist nicht dafür da, Eure faschistische Propaganda zu veröffentlichen....
 
Dennis Mittwoch, 03.Juni 2015, 14:15 Uhr:
@Irmela:

Schauen Sie sich doch einfach mal den Artikel auf http://gustloff.blogsport.eu/ an.
Anschließend denken Sie nochmal über Ihren Kommentar nach.

Übrigens: Kennen Sie den Begriff Satire?
 
Irmela Mensah-Schramm Mittwoch, 03.Juni 2015, 16:31 Uhr:
@dennis

Unter Satire verstehe ich etwas anderes, zumal das Vokabular des Gustloff eher entlarvend ist!
Zum Beispiel "Linke Lügenmedien" etc.
Wirklich: ich bin weder von vorgestern, noch von gestern........
 
Dennis Mittwoch, 03.Juni 2015, 18:57 Uhr:
@ Irmela:

Wundert mich irgendwie nicht, dass Sie die Seite nicht verstehen.
Die Seite ist eine reine Satire-Seite, die unter anderem die, sagen wir mal, geistige Kapazität von Matischent aufs Korn nimmt.

Wo Sie da faschistische Propaganda sehen wollen, ist mir echt ein Rätsel.
Das Vokabular der Seite ist übrigens absichtlich so gewählt.
 
DasNiveau Donnerstag, 04.Juni 2015, 14:58 Uhr:
@Dennis

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wenn die Frau Schramm da was ihre Propaganda sehen will, ist das doch Ihr gutes Recht. Humor bleibt jedem selbst überlassen.

Ich nehme die Seite und deren Tonfall als das was es für mich offentsichtlich ist und musste Schmunzeln.
 
Thomas Freitag, 05.Juni 2015, 13:13 Uhr:
Irmela: »"Hasenjagd" war übrigens auch in der NS-Zeit ein Spielchen der Naziverbrecher«
Steht da wirklich »NS-Zeit«? Wenn überhaupt: Die Republik davor hatte einen anderen Namen.
Man muss doch nicht doof und dumm zugleich sein.
 
Roichi Freitag, 05.Juni 2015, 23:47 Uhr:
@ Thomas

"Man muss doch nicht doof und dumm zugleich sein. "

Warum tust du dann so?
Oder bist du es?

Jedenfalls lässt dein Kommentar darauf schließen. Denn entweder bist du nicht in der Lage den Begriff "NS-Zeit" zu kapieren, oder du tust so, als ob, um wiederum so zu tun, als wärst du unheimlich gebildet, die bösen "Linken" aber nicht und damit deine Behauptung gültig.
Beides fällt auf dich zurück. Denn niemand außer deinen Kamerraden ist so dumm, das nicht zu durchschauen.
 

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