NPD-Skandal: „Peniskuchen“ geht in die Verlängerung

Lange mussten Beobachter warten – nun ist er zurück: der berüchtigte „Peniskuchen“. Feuchtföhlich feierte die Saarbrücker NPD-Prominenz am vergangenen Wochenende den Geburtstag einer Anhängerin. Mit dabei war auch ein NPD-Kommunalpolitiker aus Baden-Württemberg, der auf eine einschlägige Vorgeschichte zurückblicken kann. Die Entwicklung seines eigenen Landesverbandes dürfte Bundeschef Franz Franz abwechselnd Scham oder Zornesröte ins Gesicht treiben.

Montag, 23. Februar 2015
Redaktion
NPD-"Größen" unter sich: Janine Walk und Jacky Süßdorf feiern mit "Peniskuchen" (Foto: Screenshot Facebook)
NPD-"Größen" unter sich: Janine Walk und Jacky Süßdorf feiern mit "Peniskuchen" (Foto: Screenshot Facebook)
In den Sozialen Medien fühlt sich Frank Franz, derzeit Bundeschef der NPD, zu hause. Über seine Profile bei Facebook und Twitter versorgt der Saarländer seine Anhänger mit den besten Wünschen zum Wochenende, seinen Reiseplänen und manchmal gibt er sogar ein „politisches“ Statement ab. Bei seinen virtuellen Rundgängen wird der „Verteidiger des deutschen Volkes 2.0“ gestern möglicherweise über Bilder einer Feier gestolpert sein, die schlechte Erinnerungen wecken. Erneut hatte am Samstag nämlich die Vorsitzende der Burbacher NPD, Jacky Süßdorf, zu ihrer Geburtstagsfeier geladen. Vor gut einem Jahr stürzte eine ähnliche Fete den saarländischen Landesverband, den Franz selbst von 2005 bis 2012 führte, in eine schwere Krise. Die Ausschweifungen der Partygäste mit Stripperin, der früheren Pornodarstellerin Ina G. oder einem Kuchen in Penisform hatten Folgen selbst für die Bundes-NPD. Der ohnehin umstrittene Generalsekretär Peter Marx, im Amt des Landesvorsitzenden Vor- bzw. Nachfolger von Franz, stolperte über den „Skandal“, der vor allem in der Neonazi-Szene heiß diskutiert, in der breiten Öffentlichkeit aber mit Heiterkeit aufgenommen wurde. Es dürfte nicht zuletzt auch diese Veranstaltung gewesen sein, die den frischgebackenen Frontmann des NPD-Parteinachwuches Junge Nationaldemokraten (JN), Sebastian Richter, veranlasste, seiner Partei ein verheerendes Zeugnis auszustellen: „Die kleinen und großen Skandale der jüngsten Vergangenheit lassen unsere Bewegung als lächerlichen Haufen dastehen. [...] Früher waren wir die Bösen, Gewaltbereiten oder auch Dummen. Heute sind wir einfach nur noch die Loser, die Verlierer, die Frauenschläger und die sexuell Desorientierten“, schrieb der 33-Jährige bei Facebook. Gescheiterte Existenzen, Verschwörungstheoretiker, Schläger und Kriminelle Am vergangenen Wochenende amüsierten sich neben Süßdorf die lokale NPD-Kreisvorsitzende Janine Walk über die Neuauflage des „Peniskuchen“. Peter Marx mied offenbar das feuchtfröhliche Zusammenkommen – jedenfalls ist er auf den im Internet eingestellten Fotos nicht zu sehen –, bei dem die Stripperin „PattySnake“ laut Ankündigung „ne heiße Show präsentieren und Euch für die folgenden Stunden dann Oben-ohne lecker Schnäpsja kredenzen“ [sic!] sollte.

Jacky Süßdorf und Christian Hehl (Foto: Screenshot Facebook)

Dafür war Christian Hehl, Stadtrat der NPD in Mannheim, mit von der Partie. Der bullige Neonazi-Hooligan blickt auf eine braune Verangenheit zurück – mit allem, was dazu gehört: etwa der Mitgliedschaft in der verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP) oder einer Bewährungsstrafe, weil er nach Überzeugung des Gerichts einen Antifaschisten mit einem Schlagstock angegriffen hatte. Frank Franz kann noch so sehr ein „seriöses“ Image seiner angeschlagenen Partei anstreben, die Realität sieht anders aus. Vor allem, wenn sein eigener Landesverband seine Bemühungen weiterhin mit blankem Busen und viel Alkohol untergräbt. Die NPD war schon immer eine Truppe, die gescheiterte Existenzen genauso anzog wie Verschwörungstheoretiker, Schläger und Kriminelle. Und das wird sie bleiben.
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