von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Politiker stören Flüchtlings-Veranstaltung

Um über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland aufzuklären, lud am Mittwochabend das Regionalzentrum in Löcknitz mehrere polnische Interessenten zu einer Veranstaltung ein. Doch eine Gruppe Rechtsextremer provozierte die Gäste der Veranstaltung, erst die Polizei konnte die Störer zurückdrängen. Ein NPD-Politiker wollte sich mit einem Dokument des „Deutsches Reiches“ ausweisen – dieses wurde durch die Polizei beschlagnahmt.

Der Löcknitzer NPD-Politiker Dirk Bahlmann im Gespräch mit der Polizei, Foto: Archiv

Das Regionalzentrum hatte am Mittwochabend zu einer Veranstaltung geladen, um über die Lage von Asylbewerbern in Deutschland zu berichten, vor allem sollte über Ängste und Vorurteile aufgeklärt werden. Der Event sollte in Löcknitz stattfinden, einer Kleinstadt, die nur rund zehn Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt liegt und in der einige Hundert polnische Bürger sesshaft geworden sind.

Doch bevor Mitarbeiter des Regionalzentrums, das sich für eine Förderung der demokratischen Kultur einsetzt, die Veranstaltung eröffnen konnten, kam es zu einem massiven Störversuch durch fünf Rechtsextreme. Diese drangen in das Gebäude ein, beleidigten die anwesenden Gäste, unter denen sich auch Familien mit Kindern befanden, als „Parasiten“ und „Pöbel“. Die Veranstalter wollten die Personen mit Verweis auf das Hausrecht zum Verlassen des Gebäudes bewegen – doch erfolglos.

Erst die Polizei, die mit neun Fahrzeugen anrückte, konnte die Gruppe aus dem Haus drängen. „Gegen die Störer wurden Anzeigen wegen des Verdachts der Volksverhetzung, der Nötigung und des Hausfriedensbruchs aufgenommen“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Unter den Beschuldigten befinden sich offenbar auch die beiden Löcknitzer NPD-Gemeindevertreter Dirk Bahlmann und Frank Dreblow sowie weitere Männer, die in dem Ort bereits für die rechtsextreme Partei kandidierten.

NPD-Mann mit Ausweis des Deutsches Reichs

Dirk Bahlmann, der zur kommenden Landtagswahl für die NPD kandidiert, hegt offenbar Sympathien für die Bewegung der Reichsbürger. Der Gruppierung zufolge, die auch im angrenzenden Nordbrandenburg aktiv ist, würde das Deutsche Reich fortbestehen. Dementsprechend wies sich der NPD-Lokalpolitiker dann auch mit einem Dokument des Deutschen Reiches aus, anstatt seinen Personalausweis vorzulegen. Dieses wurde anschließend von der Polizei beschlagnahmt, auf den Mann kommt nun auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zu.

Landeschef Stefan Köster dürfte kaum erfreut sein angesichts der Tatsache, dass sich seine Partei weiterhin im Verbotsverfahren befindet. Während der drei Verhandlungstage im März brachte der Bundesrat im Bereich „Beispiele für Einschüchterung, Bedrohung und Angriffe auf den politischen Gegner“ etliche Vorfälle aus Mecklenburg-Vorpommern ein, die die NPD oft pauschal bestritt. Nun dürfte dieses Kapitel wohl um ein weiteres Beispiel ergänzt werden.

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