von Redaktion
   

NPD-NRW feiert mit Ex-Landser-Sänger „Lunikoff“

Die NPD hat in diesen Tagen nicht viel zu lachen. Im Verbotsverfahren wird in den nächsten Wochen ein Urteil erwartet, aktuelle Umfragen prognostizieren ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, dazu ein Verlust von gut 350.000 Euro im vorletzten Jahr. Trotzdem feiert die NRW-NPD ihr Sommerfest. Mit dem Neonazi-Barden Michael „Lunikoff“ Regener – mitten auf der grünen Wiese.

Claus Cremer - auch ohne Erfolg seit Jahren an der NPD-Spitze in Nordrhein-Westfalen (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Seit Jahren gehört der nordrhein-westfälische NPD-Landesverband zu den schwächsten Gliederungen der Partei. Im bevölkerungsreichsten Bundesland zählte die extrem rechte Partei nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz 2014 noch 600 Parteigänger. Im Vergleich zum Vorjahr hatten 50 „Kameraden“ ihre Mitgliedsausweise an die Landesgeschäftsstelle zurückgeschickt. Bei den Bundestagswahlen liegen die NPD-Ergebnisse in NRW regelmäßig unter dem Partei-Durchschnitt. Entfielen 2013 landesweit 1,3 Prozent der Stimmen auf die NPD, kam sie in Nordrhein-Westfalen nicht über 1,0 Prozent hinaus. Bei den Landtagswahlen sah es für die angeschlagene Truppe zuletzt noch düsterer aus: 0,5 Prozent der Stimmen reichten 2012 nicht einmal für die Teilnahme an der staatlichen Parteienteilfinanzierung. Trotzdem sitzt Landeschef Claus Cremer seit Jahren fest im Sattel des humpelnden Ackergauls – aus Mangel an Alternativen.

Jener Cremer ist es, der auf Facebook von einem „Sommerfest mit hochkarätiger Musikbesetzung“ berichtet. Stattgefunden habe das Treffen in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband Rhein-Sieg am vergangen Sonntag. Als Redner sei neben Cremer der Organisationsleiter der Bundes-NPD Sebastian Schmidtke aufgetreten. Der einschlägig verurteilte Kader tourt in diesen Tagen quer durch die Republik, jüngst hatte er vergeblich versucht, den Teilnehmern der bescheidenen „Anti-Bilderberger-Kundgebung“ in Dresden einzuheizen. Derweil sammeln seine Anhänger in Berlin Unterstützungsunterschriften für die Abgeordnetenhauswahl im September, bei der Schmidtke als Spitzenkandidat antritt. Auf Platz zwei der Landesliste folgt mit Udo Voigt der einzige Europaabgeordnete der Rechtsextremisten.

Kommt viel rum: Sebastian Schmidtke (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Große Worte - kleine Runde

Die auf dem Facebook-Profil von Cremer veröffentlichten Fotos vom Sonntag legen unterdessen die Vermutung einer eher kleinen Veranstaltung mit spartanischer Ausstattung irgendwo im Grünen nahe. Während sich auf einem Schwenkgrill das Grillgut dreht, lauschen die zu sehenden zehn Gäste den Ausführungen Schmidtkes. Ein Teil von ihnen sitzt auf einem Baumstamm, Stühle scheinen keine vorhanden. Dazu zwei kleinere Info-Tische und ein Pavillon – fertig ist das „Sommerfest“.

Der nach Angaben Cremers eine Stunde dauernde Auftritt von Michael „Lunikoff“ Regener ging ebenfalls unter improvisierten Bedingungen über die Bühne. Der frühere Frontmann der als kriminellen Vereinigung eingestuften Neonazi-Band „Landser“ griff zur Akustikgitarre, das Notenblatt vor ihm auf einer umgedrehten Postkiste liegend. Der Verkauf von Merchandising-Artikel wie CDs und Vinyl erfolgte ebenfalls, neben einer einfachen Kleiderstange, aus diesen Kisten.

Da sich weder „die Staatsmacht“ noch der „politische Gegner“ habe blicken lassen, sei das Treffen „störungsfrei“ verlaufen, hieß es von der NPD. Erstaunlich, welche Aktionen diese Partei mittlerweile als „Erfolg“ verkaufen muss.

UPDATE, 5. Juli 2016, 15.00 Uhr:

Mittlerweile hat die NPD Rhein/Sieg einen Kurzbericht auf Facebook veröffentlicht. Tatsächlich sind auf diesen Bildern mehr Teilnehmer zu sehen - in etwa 50. Die Partei selbst spricht von 100 Gästen. Außerdem waren diesen Fotos zufolge Bierzeltgarnituren und drei Pavillons aufgestellt.  

Kommentare(1)

Adalwulf Dienstag, 05.Juli 2016, 14:28 Uhr:
Hätte sich der Autor dieses Artikels die Mühe gemacht, den Facebook-Auftritt des NPD-Verbandes Rhein-Sieg aufzusuchen, dann hätte er auch ein Foto entdeckt, auf dem etwa 65 Personen bei besagtem Sommerfest zu sehen sind.
 

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