von Redaktion
   

NPD macht weiter gegen Flüchtlinge mobil

Für morgen Abend mobilisiert die NPD zu einer rassistischen Demonstration im sächsischen Riesa. Nachdem die Organisatoren der „Initiative Heimatschutz“ einen ersten Anlauf am 2. September ohne die Nennung von Gründen abgesagt hatten, folgt nun der zweite Versuch. Mitte August waren schon einmal mehr als 200 Menschen für die Partei in ihrer Hochburg auf die Straße gegangen.

Fahnen auf einer NPD-Demonstration (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

„Achtung: Die einmal für morgen geplante Anti-Asyl-Demo ist auf den 9.9 verschoben worden. Dieser neue Termin wurde letzten Freitag beim Landratsamt verbindlich angemeldet“ [sic!], teilte der NPD-Kreisverband Meißen seinen Anhängern am 31. August kurz und knapp über Facebook mit. Über die Gründe für die Absage des zuvor von einer „Initiative Heimatschutz“ beworbenen Aufmarsches „gegen den Asyl-Wahnsinn“ schwieg sich die extrem rechte Partei allerdings aus.

Nichts Neues

Wie dem auch sei: Morgen will die NPD auf dem Kinovorplatz in der Riesaer Hauptstraße ab 17.30 Uhr einen neuen Versuch unternehmen. Dabei gehe es um ein Zeichen gegen die „aus dem Ruder laufende Asylpolitik“. Die sächsische Kleinstadt werde deutlich machen, dass sie „keine westdeutschen Überfremdungszustände will“ – wer eine NPD-Meldung kennt, kennt sie alle. Die immer gleiche Wortwahl, die immer gleichen Schreckensszenarien. Vielleicht ist es für die wenigen ideologischen Taktgeber dieser Partei an der Zeit, ihren Fußtruppen neue Hetz-Bausteine an die Hand zu geben.

Grund für den Protest seien die neuen Zahlen der erwarteten Asylbewerber, die ein SPD-Stadtrat jüngst in der Lokalpresse enthüllt habe.

Bereits Mitte August zogen mehr als 200 Partei-Anhänger hinter einem Transparent mit der Aufschrift „Schluss mit Asylmissbrauch und Überfremdung! Weht Euch!“ bei strömendem Regen durch Riesa. Damals hatte die angeschlagene Partei mit dem Landesvorsitzenden Jens Baur, „Cher-Ideologe“ Jürgen Gansel, seinem Ex-MdL-Kollegen Arne Schimmer und dem Chefredakteur der Parteipostille Deutsche Stimme, Peter Schreiber, ihre letzte verbliebene „Prominenz“ aufgeboten. Nur wenige Wochen vorher hatte der bisherige Landes-Chef Holger Szymanski vermutlich auf parteiinternen Druck seinen Hut genommen, da bei einer Razzia auf seinem Computer laut Medienberichten „Porno-Filme mit widerwärtigem Inhalt“ entdeckt worden seien.

Anlaufstelle Deutsche Stimme

In Riesa ist der Deutsche Stimme-Verlag ansässig. Auf dessen Gelände feierte die Partei erst vor wenigen Wochen unter geringerem Zuspruch als erwartet ihr Sommerfest mit dem umstrittenen Liedermacher „FreilichFrei“, der im Verdacht steht, auf seiner aktuellen CD die Rechtsterroristen des NSU verherrlicht zu haben. Bei dieser Gelegenheit weihte Schreiber in den Verlagsräumen das sogenannte Haus Wieland ein, in dem fortan Veranstaltungen durchgeführt werden sollen. Platz dürfte vorhanden sein, hat doch der thüringische Landesvize Thorsten Heise zuletzt das wirtschaftlich nicht rentable Versandgeschäft der DS übernommen.   

Kommentare(1)

Nomen Freitag, 11.September 2015, 15:18 Uhr:
@ER: Schaut euch mal die gestrige ARD-Sendung "Kontraste" an:

http://www.ardmediathek.de/tv/Kontraste/Kontraste-vom-10-09-2015/Das-Erste/Video?documentId=30510962&bcastId=431796

Im Beitrag "Allein unter Weißen" reist ein Schwarzafrikaner nach Riesa in Sachsen. Vor einer Eisdiele begegnet ihm dort eine junge Frau, die ihm wegen seiner weißen Begleiterin "Sowas nannte man früher Rassenschande" zuruft (ab 11:16). Die junge Frau hat Ähnlichkeit mit Emma Stabel von DS-TV, dem NPD-Nachrichtensender. Rassenschande ist ein typischer NS-Begriff.

Daran sieht man mal wieder, daß der bürgerliche Anstrich, den sich gerade die sächsische NPD gibt, nur Fassade ist. DS-Chef Peter Schreiber dürfte diese Entgleisung seiner Mitarbeiterin in ernste Schwierigkeiten bringen - hoffentlich. Sowas kann die NPD im Verbotsverfahren gar nicht gebrauchen...
 

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