von Oliver Cruzcampo
   

NPD M-V veröffentlicht Kandidatenliste für Landtagswahl 2011

Bereits zehn Monate vor der Landtagswahl im September 2011 veröffentlicht die NPD Mecklenburg-Vorpommern ihre Landesliste. Udo Pastörs ist erneut Spitzenkandidat der Rechtsextremisten. Dennoch: Die jungen Wilden in der Partei gewinnen mehr und mehr die Oberhand.

Nachdem auf dem gestrigen konspirativ organisierten Parteitag des Landesverbandes der NPD am Vormittag der NPD-Landtagsabgeordnete Stefan Köster erneut zum Vorsitzenden gewählt wurde, widmete man sich am Nachmittag der Wahl der Landesliste.

Insgesamt 20 Personen befinden sich auf der Liste zur Wahl im kommenden September. Wie bereits bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2006 kandidieren ausschließlich Männer – die NPD ist und bleibt männerdominiert. Weiterhin auffällig ist das Durchschnittsalter der Rechtsextremen. Nicht einmal 36 Jahre haben die 20 Kandidaten im Durchschnitt auf dem Buckel. Alleinige Außenseiter sind Udo Pastörs und Michael Andrejewski mit 58 beziehungsweise 51 Jahren.

Der ehemalige Juwelier und Uhrmacher Udo Pastörs führt die NPD erneut als Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Unter dem Leitspruch „Unsere Heimat - Unser Auftrag“ will er mit seinen Gesinnungsgenossen in knapp einem Jahr erneut in den Schweriner Landtag einziehen, damit „das deutsche Volk von einer Fundamentalopposition“ im Landtag vertreten sein wird.

Auf den Plätzen zwei bis vier folgen wie bereits 2006 Tino Müller, Michael Andrejewski und Stefan Köster. Interessant wird es auf den kommenden Plätzen. Fanden sich vor vier Jahren die beiden NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow und Raimund Borrmann auf Platz fünf beziehungsweise sechs wieder, sucht man ihre Namen auf der neuen Landesliste vergeblich. Angaben, warum sich die beiden Abgeordneten nicht erneut zur Wahl stellen, sucht man in der Mitteilung der NPD vergebens. 

Wirft man jedoch einen Blick zurück auf die vergangenen vier Jahre Parlamentsarbeit der beiden gebürtigen Rostocker, ergibt der „Rausschmiss“ durchaus Sinn. Lüssow fiel vor allem durch Passivität auf, bis auf gelegentliche Reden tritt er im Schweriner Landtag kaum in Erscheinung. Auch kann der 35-Jährige „erst“ drei Ordnungsrufe auf seinem Konto verbuchen (gesamte NPD-Fraktion: 416), was bei der NPD durchaus als Indiz politischer Aktivität betrachtet werden kann. 

Anfangs beschränkte sich Raimund Borrmann darauf, auf NPD-Kinderfesten mit roter Nase und Kostüm als Clown Ferdinand aufzutreten, mittlerweile hat er jedoch Gefallen daran gefunden, im Parlament ebenfalls als Narr aufzutreten. Immer wieder versucht er, mit plumpen Provokationen einen Eklat hervorzurufen. Seit Monaten weigert sich Borrmann, die formale Begrüßungsformel im Landtag zu gebrauchen. Anstatt seine Fraktion zu unterstützen, reicht er unzählige Klagen ein und zieht lieber vor Gericht, um für sein persönliches Rederecht zu kämpfen.

Für Lüssow und Borrmann finden sich David Petereit und Michael Gielnik auf der Landesliste wieder und könnten - im Falle eines ähnlichen Erfolges der NPD wie vor vier Jahren - ab kommendem September einen Platz im Landtag innehaben. Kurioserweise wird Birger Lüssow mit David Petereit dabei von seinem eigenen Wahlkreismitarbeiter verdrängt. Zudem sitzen die beiden zusammen in der Rostocker Bürgerschaft. Petereit hat es bereits zum stellvertretenden Landesvorsitzenden geschafft und agiert als Bindeglied zwischen der NPD und der Kameradschaftsszene. War Petereit 2006 noch auf Listenplatz 13, findet er sich nun an fünfter Stelle wieder und macht damit von allen Kandidaten den größten Sprung nach vorne.

Raimund Borrmanns Platz nimmt der gelernte KFZ-Mechaniker Michael Gielnik ein. Bereits 2006, als er sich auf Listenplatz sieben befand, war er der jüngste der Listenkandidaten. Gielnik wurde auf dem gestrigen Parteitag zusammen mit Petereit als stellvertretender Landesvorsitzender wiedergewählt und gehört zu den führenden Köpfen der Kameradschaftsszene Vorpommerns. Bei der letzten Kommunalwahl konnte er einen Sitz in der Heringsdorfer Gemeindevertretung (Ostvorpommern) erringen. 

Auf den Plätzen sieben bis zehn folgen Andreas Theißen, Wahlkreismitarbeiter von Udo Pastörs, der vorbestrafte Landesorganisationsleiter Michael Grewe, Jens Blasewitz, neu gewählter Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Mecklenburg-Strelitz/Neubrandenburg und Dirk Arendt, Mitglied der Stralsunder Bürgerschaft. 

Folgende NPD-Kandidaten komplettieren die Landesliste: Dirk Susemihl, Marko Müller, Mathias Grage, Tino Streif, Enrico Hamisch, Stefan Suhr, Dirk Bahlmann, Christian Hilse, Kristian Belz und Karsten Münchow. 

Befanden sich 2006 noch viele ältere Jahrgänge auf der Liste der NPD, hat nun die nächste Generation zunehmend das Heft in Hand. Dies wird sich auch im anstehenden Wahlkampf widerspiegeln. Vor allem bei jungen Wählern erhofft man sich ein großes Potential und umwirbt diese bereits ausgiebig mit entsprechenden Angeboten wie Schulhof-CDs, Kinderfesten und rechtsextremer Propaganda über das Internet.

Übersicht: Die NPD-Landesliste
1. Udo Pastörs
2. Tino Müller
3. Michael Andrejewski
4. Stefan Köster
5. David Petereit
6. Michael Gielnik
7. Andreas Theißen
8. Michael Grewe
9. Jens Blasewitz
10. Dirk Arendt
11. Dirk Susemihl
12. Marko Müller
13. Mathias Grage
14. Tino Streif
15. Enrico Hamisch
16. Stefan Suhr
17. Dirk Bahlmann
18. Christian Hilse
19. Kristian Belz
20. Karsten Münchow



Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen