von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Kundgebung gegen Flüchtlinge: Udo Pastörs übernimmt

Die NPD agitiert zunehmend mit offenem Visier. Nachdem sich weiterhin des Mvgida-Labels bedient wird und Funktionäre auf etlichen Demonstrationen eingebunden werden, gab es am Freitagabend in der Gemeinde Dabel eine Kundgebung der Rechtsextremen. Fraktionschef Pastörs heizte die Stimmung vor Ort weiter an.

Immer wenn eines der NPD-Mitglieder in Kreistagen- oder Gemeinderäten in Mecklenburg-Vorpommern einen scheinbaren Skandal wittert, greift der Landesverband ein und übernimmt. In der Gemeinde Dabel im Landkreis Ludwigslust-Parchim sollen in Kürze 66 Asylbewerber aus Syrien unterkommen, ein derzeit nicht ungewöhnlicher Vorgang. Der dortige Gemeindevertreter der NPD, Stefan Suhr, zeitgleich Mitarbeiter der Fraktion im Landtag, griff diesen vermeintlichen Skandal nur zu gerne auf.

Wenig später mobilisierte der Landesverband zu einer Kundgebung in den kleinen Ort, den die „Asylflut“ nun ebenfalls erreicht hätte. Und nicht wenige Sympathisanten folgten dem Aufruf – rund 200 Personen fanden sich am Freitagabend gegenüber der geplanten Unterkunft ein. Etwa genauso viele Gegner der NPD stellten sich symbolisch zwischen die Parteianhänger und die zukünftige Bleibe für Flüchtlinge.

Nachdem der unscheinbare Stefan Suhr seinen Redebeitrag ohne große Resonanz vom Manuskript abgelesen hatte, übernahm sein Chef Udo Pastörs. Der verurteilte Volksverhetzer begann umgehend, seine Schreckensszenarien an die Wand zu malen. So müssten Frauen in 10 bis 15 Jahren auch in Deutschland Kopftücher tragen, unzählige Vergewaltigungen würden folgen, im kommenden Jahr würden 100 Millionen Flüchtlinge vor der Tür stehen, ein großer Teil davon würde nach Deutschland kommen.


Udo Pastörs redet sich am Mikrofon in Rage

Die Gegendemonstranten, die von Pastörs immer wieder als „Gutmenschen“ oder „Heuchler“ beschimpft werden, hatten für die Parolen des NPD-Politikers wenig übrig. Zusammen wurden Lieder angestimmt, darunter John Lennons „Give Peace a Chance“ – Pastörs Gefolgschaft antwortete mit „Schnauze“ oder „Wir wollen keine Asylantenheime“.

Nach rund einer halben Stunde beendet der 63-Jährige seine Rede. Vom Band läuft Rechtsrock. Der Sänger der Band Sleipnir singt: „Ich bin geboren in der BRD, ich hasse dieses System.“ Kurz danach wird die Kundgebung aufgelöst, doch bereits am Montag geht die Hetze im nur zehn Kilometer entfernten Sternberg weiter. Dann werden wieder NPD-Anhänger unter dem Label Mvgida durch die Straßen ziehen.

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Kommentare(8)

Dennis Samstag, 10.Oktober 2015, 20:14 Uhr:
Widerlich dieser Mensch. Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen.
Aber bei so einem dummen, mit sich selbst unzufriedenen Publikum kommen solche Hassparolen ja immer gut an. Wenn man sieht, was für Gestalten sich da hinter dem NPD-Banner aufhalten, fällt zumindest mir nicht mehr viel ein.

Zum Glück sind 98,5 Prozent der Menschen in Deutschland nicht so von Hass zerfressen und kennen so Worte wie Nächstenliebe und Solidarität.
 
Irmela Mensah-Schramm Samstag, 10.Oktober 2015, 21:10 Uhr:
Pastörs ist eine Zumutung im Lande, aber wenn man ihn gewähren läßt, so macht er die "Dreckarbeit" für jene sich "seriös" gebenden Politiker wie Seehofer & Co.
Anders kann man als Demokratin dies nicht mehr bezeichnen!
 
Katha Samstag, 10.Oktober 2015, 23:24 Uhr:
Ich bin sonst wirklich kein Freund von dem Mann, aber mit diesen Aussagen scheint Pastörs nicht ganz unrecht zu haben. Wenn die Regierung nicht eingreifen wird, wird die ganze Flüchtlingskrise eine Dimension annehmen, deren Folgen wir befürchten sollten. Jetzt zählt der Schutz der eigenen Bevölkerung und nicht die Willkommenskultur, die am Ende noch unsere eigene Kultur zerstört, wenn es so weitergeht...
 
Luise Sonntag, 11.Oktober 2015, 10:31 Uhr:
Ja genau Katha - und der Hitler mag ja ein Verbrecher gewesen sein: aber die Autobahnen hat er gebaut und die Arbeitslosen von der Straße geholt!
Mein Gott, dümmer geht`s immer!
 
Irmela Mensah-Schramm Sonntag, 11.Oktober 2015, 11:17 Uhr:
@ Katha

Unsere Kultur ist derzeit eine "Hass-Kultur", die n i c h t s mit unserer Kultur als solcher zu tun haben kann!
Unsere Politik hat auch nichts mit wirklicher "Friedens-Politik" zu tun, wenn div. Politiker im wahrsten Sinne des Wortes "Öl aufs Feuer gießen" und wir als einer der größten Rüstungs- (sprich: Waffenlieferer) einen Beitrag zur Kriegsführung in der Welt leisten, was eben auch die vielen Menschen zur Flucht veranlaßt.

Ihr paranoiden Deutsch-Kultur-Angsthasen merkt Euch, schreribt es Euch hinter die Ohren: Zur Kultur eines Volkes gehört der Wille zum friedlichen Zusammenleben a l l e r Menschen und dazu die echte und e h r l i c h e Toleranz!
Gebt jenen Politikern ein gutes Beispiel !
 
Roichi Sonntag, 11.Oktober 2015, 12:05 Uhr:
@ Katha

Zur "eigenen Kultur" gehört aber auch Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und die Grundrechte.
Alles davon will Udo über Bord werfen und abschaffen.
Also was soll das noch mit der "eigenen Kultur" zu tun haben? Nichts.
Aber darum geht es ja auch nicht. Er will nichts weiter, als eine Diktatur nach seinen Vorstellungen. Und nutzt dafür die dummen und ungebildeten.
Du darfst dir aussuchen, in welche Gruppe du dich einsortierst.
 
Martin Sonntag, 11.Oktober 2015, 23:25 Uhr:
Ihr habt nicht zufällig auch einen knackigen Artikel zu der Demo am 10.10 in Wismar?

Euro Fotografen waren doch da.
 
Redaktion Montag, 12.Oktober 2015, 10:31 Uhr:
Hier ist ein Bericht zu Wismar zu finden: http://astwestmecklenburg.blogsport.eu/2015/10/11/erneuter-neonazi-aufmarsch-in-wismar/
 

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