NPD-„Jungstar“ schmeißt hin

In ihrem Stammland Niedersachsen sind der NPD gleich zwei Sitze in der Kommunalpolitik abhanden gekommen. Nach dem Verlust seines Ratssitzes hat der NPD-Politiker Patrick Kallweit auch noch sein Kreistagsmandat zurückgegeben.

Dienstag, 11. März 2014
Kai Budler

Einst galt der 1985 geborene Patrick Kallweit als ehrgeiziger „Jungstar“ der Szene, doch das Ergebnis der jüngsten Kommunalwahl zum Stadtrat von Goslar in Südniedersachsen ist für die NPD ernüchternd. Bei einer Wahlbeteiligung von 38 Prozent konnte Kallweit gerade einmal 0,5 Prozent der Stimmen und damit nur 243 Wähler auf sich vereinigen. Während die NPD als Liste ein ähnliches Ergebnis erzielte, bleibt ein Gesamtergebnis von 502 Wählern oder 1,04 Prozent bei der Ratswahl in Kallweits Geburtsort Goslar.

Dabei wurde der ehemalige Wirtschaftsgymnasiast Kallweit lange Zeit als einflussreicher Kader in der rechtsextremen Szene Südniedersachsens gehandelt. Neben seinen Kandidaturen für Bundestags- und Landtagswahlen organisierte er in den vergangenen Jahren immer wieder Events für die Neonazi-Szene wie ein „nationales Fußballturnier ‘Kicken gegen Links’“ mit überregionaler Beteiligung. Auch Bemühungen um eine länderübergreifende Vernetzung der Szene gehen maßgeblich auf Kallweits Konto. So lud er im Januar 2010 als Vorsitzender des Kreisverbandes Goslar für die „Festung Harz“ zu einem gemeinsamen Treffen der NPD-Kreisverbände in der Region ein.

Einer der wenigen „Aktivposten“ der Partei

In der Öffentlichkeit bemühte sich Kallweit um ein korrektes Äußeres: kurze Haare, modischer Bart, Sakko und Krawatte waren das Markenzeichen des NPD-Politikers, der nach eigenen Angaben schon mit 17 Jahren in die NPD eingetreten war. Gemäß der vom ehemaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel ausgegebenen „seriösen Radikalität“ versuchte Kallweit im Harz, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen, sein Handwerkszeug lernt er auch auf einem Referentenposten bei der NPD- Landtagsfraktion in Sachsen.

Doch das Bundesvorstandsmitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN) und einer der wenigen „Aktivposten“ der Partei, der 2013 auf Platz 2 der NPD-Landesliste in Niedersachsen kandidierte, will für die Arbeit im Stammland der NPD jetzt nicht mehr zur Verfügung stehen. Nach dem Verlust seines Ratssitzes gab er freiwillig auch sein Mandat im Kreis Goslar zurück und kritisiert „Auswüchse innerparteilicher Flügelkämpfe“ sowie „zweifelhafte Methoden und unkameradschaftliche Umgangsformen seitens einiger Landesvorstandsmitglieder“. Wegen der daraus resultierenden Differenzen sei der „Stadtratswahlkampf zu einem Wahlk(r)ampf“ geworden, so Kallweit und kündigte an: „Darüber hinaus werde ich in Niedersachsen und Goslar ab sofort für keine Funktion mehr zur Verfügung stehen.“

Kategorien
Tags