von Redaktion
   

NPD-Fraktionschef Pastörs offenbart gravierende Schwächen in deutschem Literaturgut

NPD: Null Punkte könnte das Fazit nach der ersten Sitzung des Schweriner Landtages nach der mündlichen Verhandlung im NPD-Verbotsverfahren lauten. Denn der Partei unterliefen nicht nur handwerkliche Fehler, ihr Frontmann Udo Pastörs zeigte darüber hinaus eklatante Schwächen beim Zitieren deutschen Literaturgutes.

Da hilft auch beten nicht: Udo Pastörs weist Schwächen in deutscher Literaturgeschichte auf

In der ersten Sitzung nach der mündlichen Verhandlung im NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht nahmen sich die fünf Abgeordneten der rechtsextremistischen Partei zurück. Michael Andrejewski, zweiter Prozessbevollmächtigter in dem Verfahren, sprach an einer Stelle von „Humanitätsdusel-Idioten“.

Angefangen hatten die Beratungen indes mit einer schweigsamen „nationalen Opposition“. Im Laufe der von der Fraktion der Linken beantragten Aktuellen Stunde „Übergriffe auf Flüchtlinge sind Schande für unser Land“ trat nämlich kein NPD-Politiker ans Mikrofon, obwohl es ihnen bei diesem Tagesordnungspunkt sicherlich unter den Fingernägeln gejuckt haben müsste.

Walther oder doch Johann Wolfgang?

Was war passiert? Nach Auskunft von Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Landtags, hatte die NPD-Fraktion versäumt, einen Redner zu benennen. Erst als Bretschneider die Rednerliste bereits geschlossen hatte, bemerkte die Truppe um Fraktionschef Udo Pastörs, der die Anhörung in Karlsruhe aufgrund von „Terminen“ sausen ließ – Beobachter vermuten, der Hardliner sollte nicht in die Schusslinie des Gerichts gebracht werden –, ihren „Fauxpas“ und versuchte vergeblich, zu intervenieren.

Normalerweise spielt Pastörs im Parlament bevorzugt zwei Rollen: die des Hetzers oder die des vermeintlichen Fachmanns oder des Intellektuellen. Heute hingegen warf er beides durcheinander. Während der vorbestrafte 63-Jährige beim Antrag „Dem Treiben der parteinahen Sechs einen Riegel vorschieben – staatliche Finanzierung der parteinahen Stiftungen unverzüglich beenden!“ die „etablierten“ Parteien mit scharfen Worten angriff, sorgte seine vorgebliche Belesenheit unter Beobachtern für ein Schmunzeln.

So ordnete er das folgende Zitat „Und auf vorgeschriebenen Bahnen zieht die Menge durch die Flur; den entrollten Lügenfahnen folgen alle! - Schafsnatur!“ nicht nur dem Lyriker Walther von der Vogelweide zu, er zitierte sogar noch zwei Wörter falsch, indem er statt von „vorgeschriebenen Bahnen“ von „vorgezeigten Pfaden“ sprach. Dabei stammt das Originalzitat tatsächlich von Johann Wolfgang von Goethe, der gut 600 Jahre nach Walther von der Vogelweide lebte.  

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