von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Feier im Thinghaus: Polizei stoppt Oidoxie-Autritt

Erstmals hatte die NPD M-V zu einem Sommerfest in das Szene-Objekt Thinghaus geladen. Rund 100 Teilnehmer fanden sich ein, um Reden der Parteifunktionäre, aber vor allem Rechtsrock-Bands zu lauschen. Der Sänger von Oidoxie musste seinen Auftritt allerdings abbrechen, er soll ein indiziertes Lied gespielt haben. Und die NPD fluchte über die Anwesenheit von Medienvertretern.

Für gewöhnlich agiert die NPD Mecklenburg-Vorpommern äußerst konspirativ und öffentlichkeitsscheu. Veranstaltungen im Thinghaus in Grevesmühlen, von denen im vergangenen Jahr alleine zehn Konzerte, „Kneipenabende“ oder Bücherbörsen stattfanden, werden für gewöhnlich nur intern beworben.

Auf den Event am Sonnabend wurde durch die Rechtsextremen hingegen öffentlich hingewiesen, es handle sich allerdings um eine nicht-öffentliche Veranstaltung. Eingestuft wurde es von der Polizei, die mit mehreren Einsatzwagen vor Ort war, jedoch als öffentliche Versammlung. Ab 14 Uhr trafen die ersten Neonazis im von hohen Zäunen und Stacheldraht umsäumten Thinghaus ein, laut Polizei nahmen über den Tag verteilt 115 Personen teil.

Unter den Teilnehmern befand sich auch der Parteivorsitzende Frank Franz. Die Mehrheit der NPD-Anhänger kam allerdings aus der Region, selbst aus Vorpommern blieben viele Kader dem Sommerfest fern. Aus Hamburg reiste der dortige Landeschef Lennart Schwarzbach an, aus Neumünster NPD-Kommunalpolitiker Mark Proch.

Medienvertreter beleidigt

Sichtlich erzürnt zeigte sich die NPD angesichts der Tatsache, dass Medienvertreter die Veranstaltung dokumentieren konnten und so einen Blick auf die Bühne hatten. Neben David Petereit gingen auch Frank Franz und der ehemalige Fraktionsvorsitzende der NPD im Landtag, Udo Pastörs, auf anwesende Fotografen ein – vor allem Pastörs warf mit etlichen Diffamierungen um sich.

NPD-Sommerfest ThinghausFotos der NPD-Veranstaltung in Grevesmühlen

Musikalisch waren für das Sommerfest vier Bands angekündigt, den Auftakt macht Karin Mundt alias „Wut aus Liebe“, gefolgt von dem aus den Niederlanden stammenden Sänger „Flatlander“, der mit seinen laut Selbstbeschreibung „patriotischen Balladen“ aber kaum den Nerv der Zuhörer traf. Im Anschluss betrat Marko Gottschalk die Bühne, Sänger von Oidoxie. Als „Solo“ angekündigt trat der Mann, dessen Band immer wieder Verbindungen zu Combat 18 nachgesagt werden, schließlich mit seinem Gitarristen auf.

Von langer Dauer war das Konzert allerdings nicht. „Gegen 19:10 Uhr stellte die Polizei das Abspielen mehrerer indizierter Musiktitel fest und unterbrach den Auftritt“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Die beiden Neonazis erhielten ein Auftrittsverbot, zudem sei ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet worden. Als letzte Band folgte „Ungebetene Gäste“ - die einzige Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern.

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