„NPD-Fan“ gesteht Mord an zwölfjährigem Mädchen

Es ist ein brutales Verbrechen, das seit dem Wochenende nicht nur Bayern, sondern ganz Deutschland aufwühlt. Der einschlägig vorbestrafte Stefan B. verfolgt, missbraucht und tötet die zwölfjährige Franziska O. aus Möckenlohe (Landkreis Eichstätt). Die Tat hat der zweifache Vater mittlerweile eingeräumt. Bereits früher soll der Arbeitslose, der bei Facebook Sympathien für die NPD bekundete, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen und verbreitet haben.

Mittwoch, 19. Februar 2014
Redaktion
Polizeiabsperrung (Foto: unwiederbringlichbegangenes)
Polizeiabsperrung (Foto: unwiederbringlichbegangenes)
Das letzte Lebenszeichen der zwölfjährigen Franziska O. aus Möckenlohe (Landkreis Eichstätt) ist eine SMS mit wenigen Worten. Sie fühlte sich auf dem Heimweg von einem Spielplatz in Nassenfels, wo sie die letzten Stunden gemeinsam mit Freunden verbracht hatte, von einem grünen Auto verfolgt. Franziska kam nicht zu Hause an, die Eltern meldeten die Schülerin als vermisst. Dann die traurige Gewissheit: Angler fanden am Sonntagnachmittag an einem Weiher bei Neuburg an der Donau den leblosen Körper eines Mädchens: Franziska. Laut Obduktionsergebnis wies die Leiche deutliche Spuren von Gewalt gegen den Kopf und Hals auf. Bei der Leichenschau ergaben sich auch Anhaltspunkte für einen sexuellen Missbrauch. Mutmaßlicher Möder mit dickem Vorstrafenregister Auf die Spur des mutmaßlichen Täters führten neben Zeugenaussagen, denen zufolge ein grüner Toyota mit Weißenburger Kennzeichen „in auffälliger Weise“ gesehen worden war, auch die von der Realschülerin verschickte Kurznachricht. Gegen 21.00 Uhr am Sonntag stellten Polizeibeamte das gesuchte Auto in Neuburg. „Der Fahrer flüchtete mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Donauwörth“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Dort sei die Festnahme des Verdächtigen gelungen. Das Fluchtfahrzeug des Verdächtigen (Foto: Polizei Oberbayern Nord) Bei seiner Vernehmung gestand Stefan B. die Tötung des jungen Mädchens. Über das Motiv und den Tathergang schweigt der zweifache Familienvater. Der aus einem kleinen Dorf im Landkreis Eichstätt stammende 26-Jährige geriet in der Vergangenheit mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Über die Jahre wurden Ermittlungen gegen den zuletzt als Türsteher arbeitenden Mann wegen Aggressionsdelikten im Straßenverkehr, Körperverletzung und Sexualstraftaten geführt. Erst im Dezember letzten Jahres war er nach einer fünfmonatigen Haftstrafe aus der JVA Bernau entlassen worden. Nach Informationen der Münchner Abendzeitung sei er bereits als Lehrling mit Kinderpornos erwischt worden. Er habe nicht nur Bilder und Videos aus dem Internet heruntergeladen und gespeichert, sondern sogar mit den Dateien gehandelt, schreibt das Blatt. Bei Facebook zeigt sich Stefan B. als „NPD-Fan“ Dies hatte B. allerdings nicht gehindert, auf Facebook Seiten wie „Finger weg von unseren Kindern“ zu „liken“, berichtet das stets gut informierte Münchner Recherchenetzwerk „a.i.d.a.“. Dort habe er darüber hinaus seine Sympathie für die NPD, die selbst gebetsmühlenartig die „Todesstrafe für Kinderschänder“ fordert, gezeigt. Mit „gefällt mir“ habe der mutmaßliche Mörder, so „a.i.d.a.“ weiter, auch die sogenannten Reichsbürger, die die Bundesrepublik als Staat ablehnen und am Fortbestand des Deutschen Reiches festhalten, markiert. Auch andere Medien bestätigen diese Erkenntnisse. Der Polizei hingegen sei B. bislang nicht als Rechtsextremist aufgefallen, hieß es aus Ermittlerkreisen.  Außerdem sei er „a.i.d.a.“ zufolge in einschlägigen Gruppen unterwegs gewesen, deren Mitglieder wiederum mit zahlreichen weiteren Neonazis, unter denen sich auch prominente NPD-Funktionäre befunden hätten, vernetzt gewesen sein sollen. Seine eigene Pinnwand lege Zeugnis über die frauenfeindliche Haltung und gewaltverherrlichenden Phantasien ab. Unterdessen waren Polizeitaucher damit beschäftigt, den See nach Beweismaterial abzusuchen. Speziell ausgebildete Suchhunde kamen am Weiher und am Ort des mutmaßlichen Verschwindens ebenfalls zum Einsatz. Trotzdem fehlt der „Soko Franziska“ bislang jede Spur von der Tatwaffe.

Foto: unwiederbringlichbegangenes, Lizenz: CC

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