von Redaktion
   

NPD eröffnet neues Schulungszentrum in Chemnitz

Am Freitag öffnete in Chemnitz ein neues NPD-Schulungszentrum seine Türen. Der neugewählte NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel will dort auch ein Bürgerbüro unterbringen. Trotz eisiger Temperaturen kamen rund 250 Bürger, um ihren Widerstand gegen den neuen Szene-Anlaufpunkt zu bekunden.

Die NPD baut ihre Infrastruktur in Sachsen weiter aus. Nach Parteiangaben verfügt sie sachsenweit über vier eigene Räumlichkeiten. Diese Zentren bilden einen wichtigen Baustein für die Etablierung der Rechtsextremisten vor Ort. Hier finden Konzerte und Vortragsveranstaltungen statt, um Sympathisanten gezielt anzusprechen. Außerdem werden Propagandamaterialien vorgehalten. Anwohner anderer NPD-Immobilien berichten, in deren Nähe käme es vermehrt zu fremdenfeindlichen und rassistischen Übergriffen.

Das Gebäude in der Markendorfer Straße 40, in dem früher eine Gaststädte untergebracht war, gehört Yves Rahmel. Rahmel ist Betreiber des rechtsextremistischen Chemnitzer Musiklabels "PC-Records" und unterhält einen Laden in der sächsischen Stadt. Der frühere Herausgeber des Skinhead-Fanzines „Panzerbär“ zählt zu den Urgesteinen der sächsischen Neonazi-Szene. Auf seinem Musik-Label veröffentlichen rechtsextremistische Bands mit so einschlägigen Namen wie „Sturm 18“, „Nahkampf“ oder „Macht und Ehre“. Auch Michael „Lunikoff“ Regner, Kopf der als kriminellen Vereinigung verurteilten Kult-Band „Landser“, hat mit seinem neuen Musikprojekt „Die Lunikoff Verschwörung“ mit „PC-Records“ einen neuen Vertriebspartner gefunden.

Die Eröffnung des NPD-Schulungszentrums ging nicht unbemerkt über die Bühne. Parteien und Initiativen hatten zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen, an der rund 250 Personen teilnahmen. Die Mahnwache begann um 17:00 Uhr mit einem nachdrücklichen Appell der Veranstalter, die Demonstration gegen das Schulungszentrums der NPD friedlich zu gestalten.

Petra Zais, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, bekundete in einer Ansprache ihre Freude über das zahlreiche Erscheinen der Bürger und warnte vor der langsamen Etablierung von rechten Strukturen in den sächsischen Städten. Im Namen des Stadtrates und der Oberbürgermeisterin rief auch sie erneut zur friedlichen Demonstration gegen das Schulungszentrum auf. Die nächste Sprecherin, Sabine Zimmerman (DGB), rief die Menschen zur Wachsamkeit auf. Die sächsische SPD-Landtagsabgeordnete Hanka Kliese sagte dazu: „Der Protest gegen das NPD-Schulungszentrum hat deutlich gezeigt, dass eine Etablierung rechtsextremer Strukturen in Chemnitz nicht akzeptiert wird. Eine friedliche zivilgesellschaftliche Gegenwehr wird es auch künftig geben. Unterstützt werden müssen die Menschen in der Stadt aber auch durch die Wachsamkeit der zuständigen Behörden. Hier gibt es Anlass zur Sorge.“

Den Teilnehmern standen während der gesamten Kundgebung einige junge Männer gegenüber, welche die Menge von der anderen Straßenseite aus beobachteten und regelmäßig fotografierten oder aufnahmen. Ohne jeden Versuch ihre Gesichter zu verdecken, patrouillierten sie den Hof und öffneten das schwere Eisentor am Eingang des Schulungszentrums nur, um weitere Anhänger der rechten Szene hinein zu lassen. Etwa vierzig Männer und Frauen kehrten während der Mahnwache, unter lauten Pfiffen der Protestler, in die neue Immobilie der Rechtsextremen ein, wo unter anderem Dr. Olaf Rose, parlamentarischer Berater der NPD im Sächsischen Landtag, als Redner angekündigt war.

Die Anwohner in Makersdorf wollen sich mit dem Engagement der NPD in ihrem Stadtteil nicht abfinden. Aufklärungskampagnen und weitere Aktionen vor Ort sollen den Neonazis das Leben schwer machen. Die Initiatoren kündigten noch auf der Protestveranstaltung am Freitag an, bald wiederzukommen.

Foto: Screenhot Sachsen Fernsehen

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